GLOBAL INSURANCE REPORT 2026

Konzeptionell neu: Geschäftsmodelle auf dem Prüfstand

27. Oktober 2026 | BlackRock

GIR 2026 Video Script
00:00:00.080 — 00:05:14.000 · Mark Erickson

„Hallo, ich bin Mark Ericsson, Global Insurance Strategist bei BlackRock. Ich freue mich, Ihnen die 15. Ausgabe des BlackRock Global Insurance Report vorzustellen. In diesem Jahr haben 463 Investmentexperten aus der Versicherungsbranche an unserer Umfrage teilgenommen. Sie kommen aus 31 Ländern und stehen für ein verwaltetes Vermögen von mehr als 24 Billionen US-Dollar.

Der Global Insurance Report gehört zu den Umfragen in der Branche, die schon am längsten regelmäßig durchgeführt werden. So liefert er wertvolle Einblicke in die Prioritäten von Versicherern und wie sie sich im Laufe der Zeit verändert haben. In diesem Jahr haben wir insofern neue Wege eingeschlagen, als wir neben der Asset-Allokation auch danach gefragt haben, wie Versicherer ihre Geschäftstätigkeit insgesamt beurteilen.

Das ist wichtig, denn viele der Entscheidungen, um die es heute geht, lassen sich nicht eindeutig einer Kategorie zuordnen. Sie betreffen Investitionen, Verbindlichkeiten, Kapital, Technologie und Vertrieb. In diesem Zusammenhang haben sich fünf Themen als besonders relevant erwiesen. Das erste zeigt eine deutliche Diskrepanz: Zunächst wirken Versicherer bemerkenswert homogen. Doch schaut man hinter die Kulissen, zeigt sich ein anderes Bild, und deutliche Unterschiede in den Strategien treten zutage. Die Sichtweisen variieren je nach Unternehmen, Größe, Region und Geschäftsmodell, was auch zu unterschiedlichen Portfoliostrategien führt. Ein Grund für diese Entwicklung ist die Passivseite der Bilanz.

Mit Blick auf ihre Verbindlichkeiten sehen sich Versicherer unterschiedlicher Sparten mit sehr unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert. Es gibt also nicht die eine Herausforderung für die gesamte Branche. Lebensversicherer haben mit anderen Anforderungen zu tun als Schaden- und Unfallversicherer oder Mehrsparten-, Kranken- und Rückversicherer.

Und diese Unterschiede sind relevant, denn sie beeinflussen die Anlagestrategie, die Kapitalanforderungen und die operativen Prioritäten. Dies zeigt sich unter anderem darin, wie Versicherer ihre Portfolios aufbauen. Privatmarktanlagen sind dafür ein gutes Beispiel: Vor zehn Jahren dienten sie noch vor allem als alternative Renditequelle, heute hat sich ihre Rolle deutlich erweitert.

2016 gaben lediglich 16 % der Versicherer an, ihre Allokationen in illiquide Anlagen ausbauen zu wollen. 2024 planten über 90 %, ihre Privatmarktanlagen zu erhöhen. Dieses Wachstum wird nun selektiver. Die Frage lautet nicht mehr nur, ob in private Märkte investiert werden soll, sondern wo investiert wird, wie der Zugang erfolgt und wie die Privatmarktanlagen zu den Verbindlichkeiten und Kapitalzielen der Versicherer passen.

Das führt uns zu einer umfassenderen Veränderung, die wir in der gesamten Branche beobachten. Nicht nur die Portfolios entwickeln sich weiter. Auch die Art und Weise, wie Versicherer Ressourcen aufbauen und auf sie zugreifen, verändert sich. Früher wandten sich Versicherer häufig an externe Asset-Manager, um spezialisiertes Know-how zu nutzen oder Kosteneffizienz zu erzielen. Heute geht die externe Vernetzung häufig über das reine Asset-Management hinaus.

Partnerschaften werden zunehmend auch eingegangen, um Kompetenzen rund um Kapital, Verbindlichkeiten, Technologie und Vertrieb zu erschließen. Wir denken, dies ist ein Hinweis darauf, dass die Versicherungsbranche modularer wird. Versicherer entscheiden, welche Ressourcen sie intern abdecken können und in welchen Bereichen sie mit externen Partnern zusammenarbeiten wollen. Die Antwort fällt für jedes Unternehmen anders aus. Technologie wird zum festen Bestandteil dieser Überlegungen, was sich bei Künstlicher Intelligenz (KI) besonders deutlich zeigt.

KI hat in der Branche nach wie vor oberste Priorität bei Technologieinvestitionen, aber die Debatte darüber hat sich verändert. Bei vielen Versicherern verlagert sich der Fokus von der Pilotphase auf den breiteren Einsatz von KI. Eine der interessantesten Erkenntnisse der Umfrage ist die unterschiedliche Wahrnehmung: 73 % der Befragten aus der obersten Führungsebene berichten von mindestens einem breit angelegten Einsatz von KI. Von den Personen, die nicht zur obersten Führungsebene gehören, geben dies nur 51 % an.

Branchenweit ist die KI-Nutzung in den Bereichen Underwriting, Schadenbearbeitung und Compliance am weitesten fortgeschritten. Es geht jetzt also um den breiten Einsatz von KI. Wie integrieren Versicherer KI in ihre täglichen Arbeitsabläufe, und wie wird sie Teil der täglichen Entscheidungsfindung?

Betrachtet man diese Ergebnisse im größeren Kontext, weisen sie auf eine weitgreifende Entwicklung in der Versicherungsbranche hin. Die Branche vernetzt sich stärker und wird zugleich modularer. Entscheidungen über Vermögenswerte, Verbindlichkeiten, Kapital, Technologie und Vertrieb können nicht mehr unabhängig voneinander betrachtet werden. Sie gehören heute zur übergreifenden Unternehmensstrategie. Dadurch verändert sich auch das strategische Herangehen.

Es geht nicht mehr nur darum, ob ein Versicherer Zugang zu bestimmten Kompetenzen hat. Entscheidend ist, wie all diese Ressourcen zusammenspielen, und letztlich, wie Versicherer ihre eigenen Stärken mit denen externer Partner vernetzen. Wir hoffen, dass der diesjährige Global Insurance Report wertvolle Einblicke in diese Entwicklung bietet.

Außerdem möchten wir uns nochmals bei allen bedanken, die an der diesjährigen Umfrage teilgenommen haben.“

Der 15. BlackRock Global Insurance Report untersucht, wie Versicherer interne Kompetenzen und externe Partnerschaften miteinander verknüpfen, egal ob es um Investments, Verbindlichkeiten, Kapitalfragen, Technologie oder Vertrieb geht. Damit tragen die Unternehmen zu einer stärker vernetzten, aber nicht unbedingt homogeneren Branche bei.

463

Fachleute aus der Versicherungsbranche

31

Märkte vertreten

24 Bio. USD verwaltetes

Versicherungsvermögen

15

Jahre Umfragedaten

Seit 15 Jahren verfolgt der BlackRock Global Insurance Report, wie sich die Prioritäten der Versicherer wandeln. Die diesjährige Umfrage blickt über die Asset-Allokation hinaus und untersucht die wachsende Verflechtung bei Entscheidungen rund um Investitionen, Verbindlichkeiten, Kapitalfragen, Technologie und Vertrieb.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass es immer mehr unterschiedliche Geschäftsmodelle gibt, da interne Kompetenzen und externe Partnerschaften jeweils anders kombiniert werden.

Die Versicherungsbranche wird modularer, aber nicht homogener.

In 4 farbige Viertel aufgeteilter geschlossener Kuchen wird zu Spalten, die Module darstellen.

BlackRock, Stand: August 2026.

Fünf Themen, die Portfoliostrategien und Geschäftsmodelle prägen

1. Versicherer gehen von vertikal integrierten zu stärker modularen Modellen über

Versicherer setzen zunehmend auf das Baukastenprinzip und kombinieren interne Kompetenzen mit externen Partnerschaften im Anlagen- und Kapitalmanagement sowie bei weiteren Kernaufgaben, so unser Bericht. Auch jenseits der Kapitalanlage stützen sie sich auf Partnerschaften für das Kapital- und Verbindlichkeiten-Management und im Vertrieb. Dabei hat sich kein einheitliches Modell durchgesetzt, sondern Versicherer nutzen eine Vielzahl von Ansätzen, um interne und externe Kompetenzen auf ihre strategischen Prioritäten abzustimmen.

Versicherer bauen in vielen Bereichen auf externe Partnerschaften

Vier grosse Kreise und ein kleiner in der Mitte, daneben ein Quadrat

Quelle: BlackRock, Stand: August 2026. Nur zur Veranschaulichung.

2. Stabile globale Branchendurchschnitte, aber zunehmend uneinheitliche Strategien

Zwar sind die Branchendurchschnitte nach wie vor stabil, aber Sichtweisen und Portfoliostrategien klaffen in den unterschiedlichen Regionen und Versicherungssparten immer weiter auseinander. 82 % der Befragten planen, ihr Anlagerisiko 2026 beizubehalten. Die Branche scheint sich also weitgehend an das höhere Zinsniveau angepasst zu haben. Schaut man aber genauer hin, so unterscheiden sich die Portfoliostrategien je nach Unternehmensgröße, Region und Konjunkturerwartung, was die Anlageentscheidungen prägt.

Risikobereitschaft bei Kapitalanlagen

Quelle: BlackRock, Stand: August 2026.

Befragte, die eine sanfte Landung erwarten

Quelle: BlackRock, Stand: August 2026.

3. Verbindlichkeiten sind strategiebestimmend

Unterschiedliche Herausforderungen auf der Passivseite haben die Anlageprioritäten, den Kapitalbedarf und die operativen Entscheidungen in allen Sparten verändert. Befragte aus Lebens- und Rentenversicherungen legen den Fokus auf die Verlängerung der Duration ihrer Verbindlichkeiten, während Schaden- und Unfallversicherer auf Schadenschwere und die Inflation hinweisen. Mehrspartenversicherer betonen die zunehmende Komplexität, Krankenversicherer die Inanspruchnahme von Leistungen und medizinische Kosten und Rückversicherer die Risiken extremer Ereignisse.

Wichtige Veränderungen im Verbindlichkeiten-Profil nach Sparte

Quelle: BlackRock. Stand der Daten: August 2026..

4. Etablierte Privatmärkte

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Privatmärkte von einer potenziellen Renditequelle zu einem strategischen Baustein in den Anlageportfolios von Versicherern entwickelt. Zwar ist die Nachfrage gegenüber dem Höchststand von 94 % im Jahr 2025 zurückgegangen, doch die für 2026 gemeldeten 76 % zählen weiterhin zu den höchsten Werten, die wir bisher in unserer Umfrage gesehen haben. Unserer Meinung nach zeigt sich hier eine Verlagerung von einem breit angelegten Wachstum der Allokationen hin zu einem selektiveren Kapitaleinsatz.

Erwartete Veränderungen bei Privatmarktallokationen

Quelle: BlackRock. Stand der Daten: August 2026.

5. KI kommt in der Praxis an

Künstliche Intelligenz (KI) hat die Pilotphase hinter sich und wird inzwischen breit eingesetzt, von Underwriting-Prozessen über die Kapitalanlage bis hin zur Bearbeitung von Schadensfällen und anderen operativen Arbeitsabläufen. Trotzdem gibt es nach wie vor erhebliche Hürden, und sowohl Führungskräfte als auch andere Befragte beurteilen das Tempo der KI-Einführung unterschiedlich. Um diese Differenzen zu überbrücken, müssen Versicherer KI unserer Ansicht nach konsequenter in Arbeitsabläufe, Entscheidungen und Geschäftsmodelle einbauen.

Einsatz von KI in den Arbeitsabläufen von Versicherern

Quelle: BlackRock. Stand der Daten: August 2026.

Global Insurance Report 2026

Entdecken Sie, was wir zu Anlagestrategien, Verbindlichkeiten, Privatmärkten, Partnerschaften und KI herausgefunden haben.
Mensch unter gelbem Regenschirm.