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Rund zwei Wochen nach der Eskalation im Nahen Osten ringen Anleger weiterhin mit dem Risiko eines anhaltenden Schocks für die globalen Energieflüsse. Unabhängig vom weiteren Verlauf haben die jüngsten Entwicklungen den Inflationsdruck bereits erhöht, Anleiherenditen nach oben getrieben und das Wachstum über gestörte Lieferketten belastet. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass wirtschaftlicher und politischer Druck das Ausmaß möglicher Angebotsunterbrechungen begrenzen könnte.
Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick in dieser Woche besonders auf die Notenbanken. Steigende Energiepreise und die daraus resultierenden Inflationsrisiken haben die Erwartungen an Zinssenkungen gedämpft; vereinzelt werden sogar wieder Zinserhöhungen diskutiert. Wie bewerten die US‑Notenbank Fed, die Europäische Zentralbank (EZB) und die Schweizerische Nationalbank (SNB) den energiegetriebenen Angebotsschock – und welche Signale senden sie für den weiteren geldpolitischen Kurs?
Im Bann des Nahostkonflikts: Schwankungsreiches Kapitalmarktumfeld
Der Nahostkonflikt wirkt derzeit vor allem über den Energiekanal auf die globalen Märkte. Der Brent‑Ölpreis hat sich nach historisch hoher Volatilität zuletzt um die Marke von 100 US‑Dollar je Barrel stabilisiert. Staatsanleiherenditen sind seit Ausbruch des Konflikts deutlich gestiegen, während Aktienmärkte nachgaben (Quelle: LSEG, 13.03.2026). Die zuvor dominante Markterzählung eines Umfelds mit nachlassender Inflation und sinkenden Zinsen geriet damit spürbar unter Druck.
Auffällig sind die regionalen Unterschiede in der Marktreaktion. Energieimportierende Regionen wie Europa und Teile Asiens reagierten deutlich sensibler als die USA, die strukturell von einer höheren Energie‑Selbstversorgung profitieren. Dies erklärt auch die relative Stärke der US‑Aktienmärkte.
Zugleich zeigte sich, dass „klassische“ Diversifikation kurzfristig kaum funktionierte. Staatsanleihen und Gold boten nur begrenzten Schutz im Portfolio. Staatspapiere wurden gemeinsam mit Aktien verkauft und erfüllten ihre traditionelle Rolle als sicherer Hafen nicht. Das unterstreicht: Staatsanleihen wirken vor allem dann stabilisierend, wenn Wachstumsrisiken dominieren. Angebotsseitige Schocks, insbesondere bei Energie und Versorgungssicherheit, schwächen diesen Diversifikationseffekt.
Dauer des Konflikts bleibt Schlüssel: Wirtschaftlicher und politischer Druck nimmt zu
Für die weitere Marktentwicklung ist weniger die Eskalation an sich entscheidend als vielmehr Dauer und Reichweite der Lieferkettenstörungen.
Ein anhaltender Ölpreisanstieg auf 100 US‑Dollar pro Barrel über sechs Monate könnte unseren Schätzungen zufolge das globale Wachstum um rund 0,5 Prozentpunkte dämpfen und die Inflation um 1 bis 1,25 Prozentpunkte erhöhen.
Je länger der Konflikt anhält, desto größer werden die wirtschaftlichen Schäden – und damit auch der politische Druck auf alle Beteiligten. Dieser Rückkopplungseffekt ist zentral für unser Basisszenario.
Bereits ein einzelnes politisches Signal aus Washington reichte letzte Woche aus, um extreme Intraday‑Bewegungen im Ölpreis auszulösen. Gleichzeitig zeigt sich, dass eine anhaltende Einschränkung der Energie‑Schifffahrt für den Iran zwar politischen Hebel erzeugt, wirtschaftlich jedoch selbstschädigend wirkt. Auch in den USA steigt der politische Druck mit höheren Benzinpreisen.
Mehrere Regierungen haben bereits fiskalische Maßnahmen ergriffen, um Belastungen abzufedern. In Europa rücken energiepolitische Gegenmaßnahmen stärker in den Fokus – von steuerlichen Entlastungen bis hin zu Anpassungen bestehender Regulierungen. All dies spricht dafür, dass die Anreize zur Deeskalation mit der Zeit zunehmen dürften, auch wenn die Lage kurzfristig fragil bleibt.
Zentralbanken: Abwarten statt Aktionismus, bei erhöhter Wachsamkeit
Vor diesem Hintergrund richtet sich das Augenmerk auf die anstehenden Zentralbanksitzungen. Es gilt als wahrscheinlich, dass die US‑Notenbank Fed (Mittwoch) sowie EZB, Bank of England, Bank of Japan und SNB (Donnerstag) ihre Leitzinsen unverändert belassen. Die Marktreaktionen dürften jedoch weniger von den Entscheidungen selbst als von Tonfall, Makro-Projektionen und Hinweisen auf mögliche Zweitrundeneffekte geprägt sein.
Unsere Einschätzung: Solange die Inflationserwartungen verankert bleiben und sich keine deutlichen Zweitrundeneffekte bei Preisen und Löhnen zeigen, werden die Notenbanken die jüngsten Energiepreisausschläge aufmerksam beobachten, aber keine vorschnellen Schritte unternehmen. Gleichzeitig dürften sie deutlich ihre Handlungsbereitschaft betonen, sollte sich die Lage verschärfen.
In den USA – mit einem Leitzinskorridor von 3,5 % bis 3,75 % seit Dezember 2025 – dürfte die Fed angesichts hartnäckiger Kerninflation und zusätzlicher Energierisiken an einer längeren Zinspause festhalten. Schon vor dem Nahostkonflikt bot das Inflationsbild wenig Spielraum für kurzfristige Zinssenkungen; die Märkte preisen derzeit nur noch einen Lockerungsschritt für dieses Jahr ein.
Auch die EZB dürfte den Einlagensatz vorerst bei 2,0 % belassen, jedoch mit einem wachsameren Ton. Ein klares Signal für Zinserhöhungen ist nicht zu erwarten. Entscheidend wird sein, ob und wie deutlich die EZB Markterwartungen zurückweist, die erneut Straffungsrisiken einpreisen. Präsidentin Lagarde dürfte betonen, dass der weitere Kurs maßgeblich von Ausmaß und Dauer des Energiepreisschocks sowie möglichen Zweitrundeneffekten abhängt. Die aktualisierten Makro-Projektionen dürften niedrigeres Wachstum und höhere Inflation widerspiegeln – bei insgesamt erhöhter Unsicherheit.
Für die SNB ist die Ausgangslage anders: Mit einer Inflation von 0,1 % liegt sie am unteren Rand des Zielkorridors und ist von gegenläufigen Kräften geprägt. Aufwärtsrisiken durch höhere Energiepreise stehen Abwärtsrisiken durch den starken Franken gegenüber. Entsprechend ist der Zinsausblick in der Schweiz derzeit nicht klar nach oben gerichtet.
Wie geht es weiter?
Zusammenfassend bleibt die Lage fragil, die Risiken sind real. Entscheidend für die wirtschaftlichen und marktseitigen Auswirkungen ist weniger die Höhe des Energiepreisanstiegs als dessen Dauer. Zunehmender wirtschaftlicher und politischer Druck spricht dafür, dass eine Begrenzung des Konflikts wahrscheinlicher wird.
Vor diesem Hintergrund bevorzugen wir in der taktischen Positionierung für die nächsten sechs bis zwölf Monate weiterhin US‑Aktien. „Klassische“ Diversifikatoren wie langfristige US‑Staatsanleihen sehen wir kurzfristig unter Druck. Außerhalb der Aktienmärkte sehen wir weiterhin Chancen bei Schwellenländeranleihen in Hartwährung, insbesondere dort, wo Indizes stärker in rohstoffexportierenden Ländern wie Brasilien gewichtet sind.
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