BLACKROCK MARKTAUSBLICK | 3. FEBRUAR 2026

Infrastrukturpotenzial erschließen

Blick auf die Märkte

Die jüngsten Quartalszahlen der Mega‑Cap‑Technologieunternehmen zeigen weiterhin enorme Ausgaben für KI – selbst inmitten von Marktvolatilität und einer zunehmenden Streuung der Ergebnisse. Wir sehen einen klaren Profiteur: Infrastruktur. Aus unserer Sicht könnten die meisten Anleger ihre Allokation in diese vielfältige Anlageklasse erhöhen. Über den AI‑Ausbau hinaus unterstützen mehrere Megatrends die langfristige Nachfrage. Die Bewertungen erscheinen im historischen Vergleich niedrig bis fair. Und Cashflows, die sich häufig an steigende Preise anpassen, können helfen, Inflationsrisiken abzufedern.

Infrastruktur, traditionell als behäbiger, defensiver Sektor betrachtet, steht heute im Zentrum ineinandergreifender Megatrends. Die geopolitische Fragmentierung veranlasst Regierungen, die Energiesicherheit stärker zu betonen. Das Bevölkerungswachstum in Schwellenländern macht die Modernisierung der städtischen Infrastruktur erforderlich. Für den Übergang zu einer CO₂-armen Wirtschaft benötigen Kernenergie und erneuerbare Energien häufig höhere Anfangsinvestitionen als traditionelle Energiequellen. Doch die Bewertungen – belastet durch gestiegene Zinsen – spiegeln dieses Wachstumspotenzial nicht wider. Börsennotierte Infrastrukturaktien handeln nahezu 20 % unter ihrem langfristigen Durchschnitt basierend auf Enterprise‑Value‑zu‑EBITDA‑Multiplikatoren – unter den Niveaus der Finanzkrise und ähnlich wie beim COVID‑Schock. Private Infrastrukturwerte handeln unserer Ansicht nach näher an ihren langfristigen Durchschnitten, ermöglichen Anlegern jedoch den Zugang zu einem deutlich breiteren Universum von Anlagen.

Anleger können über ein breites Spektrum an Sektoren und Engagements Zugang zu Infrastruktur erhalten. Der Bereich umfasst Transport, Energie, Telekom- und Datennetze sowie Wasser- und Abfallwirtschaft und ist über Fremd‑ und Eigenkapital in börsennotierten wie privaten Märkten investierbar. Dennoch sind die meisten Anleger unterinvestiert – selbst große Institutionen, die traditionell den Markt für illiquide Anlagen dominieren. Analysen aus unserem jüngsten Papier zeigen, dass eine typische US‑Pensionskasse mit einem ähnlichen Risiko wie ein 70/30‑Aktien‑Renten‑Portfolio lediglich rund 4 bis 5 % Infrastruktur‑ähnliche Exponierung hält – über Aktien‑ und Kreditpositionen, etwa Versorger. Warum so wenig? Infrastruktur besitzt nicht die Vertrautheit klassischer Aktien und Anleihen, und die langen Anlagehorizonte haben sie traditionell zu einem Feld ausgewählter institutioneller Investoren gemacht. Unsere Analyse zeigt jedoch, dass Unternehmenspensionsfonds ihre derzeitige Exponierung mehr als verdoppeln können und dadurch ihre Portfolioeffizienz steigern: höhere Renditen bei ähnlichem Gesamtrisiko.

Infrastrukturengagements sind besonders hilfreich, wenn Lieferkettenengpässe die Inflation anheizen und Megatrends den langfristigen Ausblick eintrüben. Das Wachstum ist derzeit solide, doch die Inflation wird ‚hartnäckiger‘, wie Fed‑Vorsitzender Jerome Powell sagte, nachdem die Leitzinsen vergangene Woche unverändert geblieben waren. Anleger benötigen Einkommensquellen, deren Wert in einem solchen Umfeld nur ein geringes Erosionsrisiko aufweist. Die Cashflows vieler Infrastrukturprojekte werden oft durch Regulierung oder langfristige Verträge gestützt, die sich an die Inflation anpassen und so planbare Erträge ermöglichen. Unter den privaten Wachstumsanlagen gefallen uns insbesondere Infrastrukturaktien bei einem Anlagehorizont von fünf Jahren oder mehr.

Was sind die Risiken? Erstens: Ein mögliches Platzen des KI‑Booms, das die Nachfrage nach Rechenzentren und Energieinfrastruktur dämpft. Wir halten dieses Risiko für den Sektor für übertrieben. Der Grund: starke rechtliche Schutzmechanismen. Unternehmen zahlen für den angemieteten Raum, selbst wenn sie ihn nicht nutzen; vorzeitige Kündigungen sind begrenzt; und Mieter tragen alle zusätzlichen Energiekosten.

Zweitens: Das Risiko, dass steigende reale Zinsen die erforderlichen Renditen für Infrastrukturwerte erhöhen. Dieses Risiko stand zuletzt im Mittelpunkt, da ein rapider Anstieg der Laufzeitprämie den US‑Dollar und US‑Staatsanleihen unter Druck gesetzt hat, während globale Investoren ihr US‑Engagement überdenken. Wir sind der Ansicht, dass die Nominierung von Kevin Warsh zum Vorsitzenden der Federal Reserve dieses Risiko vorerst mindert – dank seiner Erfahrung aus der Finanzkrise und seines wahrscheinlichen Fokus darauf, globale Spillover‑Effekte zu begrenzen.

Kurz zusammengefasst: Wir mögen Infrastruktur. Megatrends wie KI treiben die langfristige Nachfrage, doch die Bewertungen spiegeln dies noch nicht wider. Wir sind der Ansicht, dass die meisten Anleger mehr allokieren können – und favorisieren insbesondere Infrastruktureigenkapital unter den privaten Wachstumsanlagen.

Marktrückblick

Die Aktienmärkte veränderten sich im Wochenverlauf kaum, obwohl der S&P 500 am vergangenen Donnerstag aufgrund von Nervosität über KI‑Investitionen zwischenzeitlich um 1,7 % einbrach. Wir sehen Letzteres als eine Neusortierung der Gewinner – nicht als eine Gegenbewegung zum KI‑Trade. Der US‑Dollar fiel zunächst auf ein Vierjahrestief, erholte sich dann jedoch nach der Nachricht über die Nominierung von Warsh. Edelmetalle, die während des Term‑Premium‑Schocks als sichere Häfen wahrgenommen worden waren, verzeichneten ihre größten Verluste seit den 1980er‑Jahren.

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