13. OKTOBER 2026

„US-Staatsanleihen: Höhere Renditen eröffnen Chancen“

Auf den Punkt gebracht

Ann-Katrin Petersen ist Leiterin der Kapitalmarktstrategie bei BlackRock für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Osteuropa. Sie blickt jede Woche auf aktuelle Entwicklungen an den Märkten und ordnet mögliche Auswirkungen für Anlegerinnen und Anleger ein.

Drei Themen

  • 01

    Anatomie der US-Staatsanleihenrendite

    Neue Chancen für Anleger

  • 02

    US-Aktien

    Taktische Gewinnmitnahmen, KI-Überzeugung bleibt

  • 03

    Wochenausblick

    Inflation, Notenbanken und EU-China-Handel bestimmen den Takt

Die globalen Staatsanleihemärkte erlebten eine weitere schwankungsreiche Woche. Die Renditen 10- und 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichten vorübergehend ihre höchsten Stände seit 24 Jahren. Erfolgreiche Anleiheauktionen sorgten anschließend für gewisse Entspannung. Innerhalb des europäischen Rentenmarktes blieben insbesondere französische Staatsanleihen aufgrund von Sorgen um die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen unter Druck. Die Rendite 10-jähriger deutscher Bundesanleihen zog leicht an und beendete die Woche bei knapp 3,5 % (Quelle: LSEG, 09.10.2026). Der Anstieg des Ölpreises angesichts anhaltender Spannungen im Nahen Osten schürte Inflationssorgen und sorgte für zusätzlichen Aufwärtsdruck auf die Renditen. Für uns bestätigen die Marktbewegungen jedoch vor allem eines: Der Wettbewerb um Kapital nimmt zu.

Anatomie der US-Staatsanleihenrendite: Neue Chancen für Anleger 

Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen ist in diesem Jahr um rund 110 Basispunkte auf etwa 5,25 % geklettert. Der Anstieg ist vor allem auf höhere Realzinsen zurückzuführen – also auf Zinsen nach Abzug der erwarteten Inflation. Steigende Inflationserwartungen oder eine höhere Laufzeitprämie spielten dagegen eine geringere Rolle. Zwei Faktoren treiben maßgeblich die Realzinsen: Der zunehmende Wettbewerb um Kapital erhöht das sog. neutrale Zinsniveau, das die Wirtschaft weder bremst noch zusätzlich antreibt. Gleichzeitig haben die Spannungen im Nahen Osten und der damit verbundene Angebotsschock die Erwartungen an die US-Geldpolitik deutlich verändert. Seit Jahresbeginn preisen die Märkte für die kommenden zwölf Monate zusätzliche Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed von rund 160 Basispunkten ein (Quelle: LSEG, 09.10.2026). Das erscheint uns überzogen.

Unsere Analyse zeigt: Bei den aktuellen Niveaus könnten die Anleiherenditen innerhalb der kommenden zwölf Monate um weitere rund 75 Basispunkte steigen, bevor die Gesamtrendite negativ würde. Dieser Puffer spricht unseres Erachtens dafür, US-Staatsanleihen aufzustocken. Besonders attraktiv erscheint uns das kurze Ende der Zinskurve, da hier überzogene Erwartungen an weitere Zinserhöhungen am ehesten zurückgehen könnten.

Wir stocken US-Staatsanleihen über verschiedene Laufzeiten hinweg auf. Fast sechs Jahre lang waren wir überwiegend untergewichtet. Nun bieten die Anleiherenditen wieder ein Niveau, das zu unserer Einschätzung eines strukturell höheren Zinsumfelds passt – und attraktive laufende Erträge ermöglicht.

Besonders attraktiv erscheinen uns kurzfristige US-Staatsanleihen. Wir stufen sie taktisch, mit Blick auf die kommenden sechs bis zwölf Monate auf „übergewichtet“ hoch, da die Märkte unserer Ansicht nach zu viele weitere Zinserhöhungen der Fed eingepreist haben. Langlaufende US-Staatsanleihen stufen wir auf neutral hoch: Ihre höheren Renditen bieten inzwischen einen besseren Ausgleich für mögliche Kursverluste bei weiter steigenden Zinsen. Gleichzeitig verringern wir unsere Untergewichtung japanischer Staatsanleihen.

US-Aktien: Taktische Gewinnmitnahmen, KI-Überzeugung bleibt

Im Gesamtkontext des Portfolios finanzieren wir diese Anpassungen teilweise, indem wir unsere seit rund zwei Jahren bestehende taktische Übergewichtung im US-Aktienmarkt beenden und die Anlageklasse auf neutral zurückstufen. Die anstehenden US-Zwischenwahlen könnten vorübergehend für stärkere Kursschwankungen sorgen. Investoren dürften neu bewerten, wie sich der politische Kurs rund um künstliche Intelligenz (KI) künftig entwickelt. Wir verstehen diesen Schritt als taktische Risikosteuerung – nicht als grundlegende Änderung unserer konstruktiven Einschätzung zu KI.

Unsere langfristige Überzeugung bleibt unverändert: KI wird ein zentraler Treiber wirtschaftlicher Transformation sein. Höhere Zinsen verstärken die Unterschiede zwischen Unternehmen, die nachhaltig Renditen oberhalb ihrer Kapitalkosten erzielen können, und solchen, die dies nicht vermögen. Deshalb bevorzugen wir weiterhin KI-bezogene Unternehmen und börsennotierte Infrastrukturwerte. Auch unsere Übergewichtung von Schwellenländeraktien behalten wir bei.

Wochenausblick: Inflation, Notenbanken und EU-China-Handel bestimmen den Takt

In dieser Woche stehen in den USA die Verbraucher- und Produzentenpreise im Mittelpunkt. Die Zahlen geben einen ersten Einblick, wie sich die Teuerung im September entwickelt hat. Unseres Erachtens ist insbesondere von Interesse, ob höhere Energiepreise für anhaltenden Preisdruck sorgen. Auch jüngste Änderungen an der Berechnung des PCE-Preisindex, eines wichtigen Inflationsmaßes der Fed, spielen dabei eine Rolle. Die Daten dürften beeinflussen, wie die Märkte den weiteren Zinskurs der Fed und die Entwicklung der Renditen von US-Staatsanleihen einschätzen.

In Europa richtet sich der Blick auf die Industrieproduktion im Euroraum für August und die finalen Inflationsdaten für September. Nach einem Rückgang der Industrieproduktion um 0,1 % im Juli dürfte auch der August-Wert verhalten ausfallen. Die jüngste Schwäche konzentrierte sich allerdings vor allem auf die Automobil- und Pharmaindustrie und erfasste nicht die gesamte Industrie. Ein weiterer gedämpfter Wert wäre daher noch kein klares Signal für eine breit angelegte Abschwächung. Enttäuschend wäre er dennoch, da sich die Stimmungsindikatoren für das verarbeitende Gewerbe zuletzt verbessert hatten.

Die finalen Inflationsdaten für den Euroraum dürften bestätigen, dass die Gesamtinflation im September 3,8 % und die Kerninflation 2,5 % gegenüber dem Vorjahr betrug. Wichtig ist der Blick auf die einzelnen Komponenten. Er dürfte zeigen, ob der erneute Anstieg der Dienstleistungsinflation vor allem auf schwankungsanfällige Preise rund um Reisen zurückzuführen ist oder ob der zugrunde liegende Preisdruck breiter zunimmt. Nach derzeitigem Stand könnte die Gesamtinflation im ersten Quartal 2027 ihren Höchststand erreichen, die Kerninflation im ersten Halbjahr 2027.

Rund um die Jahrestagung von IWF und Weltbank stehen zudem mehrere Reden von Mitgliedern des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) an, darunter Christine Lagarde und Joachim Nagel. Nach dem ausgewogeneren Protokoll der September-Sitzung wird entscheidend sein, wie sich die eher für eine straffe Geldpolitik eintretenden Ratsmitglieder positionieren. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob höhere langfristige Renditen und strengere Finanzierungsbedingungen die Nachfrage bereits ausreichend dämpfen. Das könnte den Inflationsdruck und damit den Bedarf an weiteren Zinserhöhungen begrenzen. Eine weitere EZB-Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf 2,75 % im vierten Quartal erscheint nach wie vor wahrscheinlich.

Auch der Europäische Rat dürfte Aufmerksamkeit erhalten. Im Mittelpunkt stehen die nächsten Schritte in der Handelspolitik zwischen der EU und China. Nach der jüngsten Verständigung in Peking geht es vor allem um chinesische Hybridfahrzeugexporte, einen besseren Zugang europäischer Unternehmen zum chinesischen Markt und einfachere Genehmigungen für chinesische Exporte seltener Erden und Permanentmagnete.

Alle Meinungen und Schätzungen in diesem Dokument, einschließlich Renditeprognosen, spiegeln unsere Beurteilung bei Redaktionsschluss wider, können ohne vorherige Ankündigung geändert werden und beruhen auf Annahmen, die sich möglicherweise nicht als zutreffend erweisen.

Risikohinweise

Kapitalanlagerisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich angelegten Betrag möglicherweise nicht zurück.

Rechtliche Informationen

Dieses Dokument ist Marketingmaterial und verliert 12 Monate nach seiner Veröffentlichung seine Gültigkeit.

Im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR): herausgegeben von BlackRock (Netherlands) B.V., einem Unternehmen, das von der niederländischen Finanzmarktaufsicht zugelassen ist und unter ihrer Aufsicht steht. Eingetragener Firmensitz: Amstelplein 1, 1096 HA, Amsterdam, Tel.: +31(0)-20-549-5200. Handelsregister Nr. 17068311. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet.

Alle hier angeführten Analysen wurden von BlackRock erstellt und können nach eigenem Ermessen verwendet werden. Die Resultate dieser Analysen werden nur bei bestimmten Gelegenheiten veröffentlicht. Die geäusserten Ansichten stellen keine Anlageberatung oder Beratung anderer Art dar und können sich ändern. Sie geben nicht unbedingt die Ansichten eines Unternehmens oder eines Teils eines Unternehmens innerhalb der BlackRock Gruppe wieder, und es wird keinerlei Zusicherung gegeben, dass sie zutreffen.

Dieses Dokument dient nur Informationszwecken. Es stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zur Anlage in einen BlackRock Fonds dar und wurde nicht im Zusammenhang mit einem solchen Angebot erstellt.

© 2026 BlackRock, Inc. Sämtliche Rechte vorbehalten. BLACKROCK, iSHARES und BLACKROCK SOLUTIONS sind Handelsmarken von BlackRock, Inc. oder ihren Niederlassungen. Alle anderen Marken sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber.

 

 

 

Tauchen Sie ein ...

in unbekannte Anlagewelten, und gewinnen Sie neue Einblicke und Ideen mit unseren Experteneinschätzungen.
Taucher