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In dieser Woche gibt es kein Video zum wöchentlichen Marktausblick.
Die Kapitalmärkte zeigten sich in der vergangenen Handelswoche freundlich: Der S&P 500 legte um rund 1 % zu und bewegt sich weiterhin nahe seiner Rekordstände. Auch an den europäischen und asiatischen Börsen wurde die Stimmung durch das „Memorandum of Understanding“ zwischen den USA und Iran – trotz verbleibender Unwägbarkeiten – sowie durch fallende Ölpreise infolge der erwarteten Wiederöffnung der Straße von Hormus gestützt.
Der wichtigere Impuls dürfte jedoch von der amerikanischen Geldpolitik gekommen sein – mit klaren Signalen eines Regimewechsels bei der US-Notenbank Fed, die sich insbesondere an den Rentenmärkten widerspiegelten. Kurzlaufende US‑Staatsanleiherenditen kletterten auf den höchsten Stand seit über einem Jahr, und die Zinskurve flachte weiter ab; eine ähnliche Entwicklung war auch in Europa zu beobachten (Quelle: LSEG, 19.06.2026).
Geopolitik: Märkte erleichtert, Unsicherheit bleibt
Die Entspannung im Nahen Osten wurde von den Märkten zwar mit Erleichterung aufgenommen, ändert jedoch nichts an einem strukturell angespannten geopolitischen Umfeld. Das „Memorandum of Understanding“ zwischen den USA und Iran reduziert Eskalationsrisiken, lässt jedoch zentrale Streitpunkte ungelöst – darunter Sanktionen, das iranische Nuklearprogramm und die Kontrolle über die strategisch zentrale Straße von Hormus.
Der Schiffsverkehr durch die Meerenge verharrt weiterhin deutlich unter durchschnittlichen Niveaus und dürfte sich nur graduell normalisieren. Selbst bei teilweiser Wiederaufnahme könnten Energietransporte kurzfristig deutlich unter Vorkrisenniveau bleiben, während die vollständige Räumung von Seeminen und eine belastbare politische Einigung Monate in Anspruch nehmen könnten. Volkswirtschaften mit hoher Abhängigkeit von Energieimporten aus der Golfregion benötigen entsprechend Zeit, um ihre Lagerbestände wieder aufzubauen. Der daraus resultierende Inflationsdruck sowie mögliche Wachstumsdämpfer werden daher nicht kurzfristig verschwinden. Insgesamt unterstreicht dies die strukturelle Verwundbarkeit eines globalen Energiesystems, das stark von wenigen kritischen Engpässen abhängt.
Gleichzeitig bleibt die Risikobereitschaft an den Märkten intakt, gestützt durch robuste Unternehmensgewinne und vor allem die KI‑getriebene Investitionsdynamik. Die Aktienmärkte bewegen sich damit weiterhin im Spannungsfeld aus solidem Gewinnwachstum (g) und erhöhten Zinsen (r) – eine Konstellation, die durchaus tragfähig ist, aber weniger Fehlertoleranz bietet.
Geldpolitik: Fed im Regimewechsel bringt Optionalität und Zinsvolatilität
Mit Blick auf die Zinsseite als zentralem Markttreiber hat die Geldpolitik seit vergangener Woche weiter an Bedeutung gewonnen. Die erste Sitzung des geldpolitischen Offenmarktausschusses (FOMC) unter Kevin Warsh brachte eine hawkische Überraschung – und zwar relativ zu einer ohnehin bereits deutlich restriktiveren Markteinpreisung in den vergangenen Monaten. Die sog. „Dot‑Plots“, also die individuellen Zinsprojektionen der FOMC‑Mitglieder, die den erwarteten Zinspfad abbilden, signalisieren, dass eine Reihe der FOMC-Mitglieder – neun von 18 – in diesem Jahr eine Zinserhöhung für möglich hält, was von Marktteilnehmern zunächst als klares hawkisches Signal interpretiert wurde.
Subtiler – und entscheidender – ist unseres Erachtens jedoch die Veränderung in der Kommunikation und im künftigen geldpolitischen Handlungsrahmen. Warsh widersprach den hawkischen Projektionen nicht, machte sie sich aber auch nicht vollständig zu eigen und betonte explizit deren nicht bindenden Charakter. Die Sitzung war damit weniger darauf ausgerichtet, einen festen Zinspfad vorzugeben, sondern vielmehr darauf, geldpolitische Optionalität zu schaffen. Dies zeigte sich auch operativ:
Diese Maßnahmen deuten darauf hin, dass sich künftig nicht nur die Projektionen, sondern auch die zugrunde liegenden Annahmen verändern könnten.
Aus unserer Sicht besteht daher die Gefahr, dass Märkte derzeit zu stark auf die Dot‑Plots fokussieren und die Wahrscheinlichkeit kurzfristiger Zinsschritte überschätzen. Entscheidend ist weniger die konkrete Zahl möglicher Zinsschritte, sondern die strukturelle Verschiebung hin zu einem weniger vorhersehbaren, stärker diskretionären geldpolitischen Ansatz.
Das Fazit dieser Sitzung lässt sich daher zweigeteilt zusammenfassen: Ja, die Fed sendete über die Projektionen ein hawkisches Signal. Noch wichtiger ist jedoch der beginnende Regimewechsel in der Kommunikation und im geldpolitischen Handlungsrahmen. Wir bewegen uns in ein Umfeld, in dem geldpolitische Entscheidungen in der Tendenz weniger vorab geführt, sondern stärker laufend angepasst werden. Das spricht für eine Phase erhöhter Zinsvolatilität. Das ist nicht zwangsläufig negativ, solange die Zinsvolatilität primär fundamentale Entwicklungen widerspiegelt und nicht aus Unsicherheit über die Reaktionsfunktion der Fed entsteht.
Positionierung: Engpässe bestimmen Anlagethemen
Das derzeitige Marktumfeld bleibt insgesamt konstruktiv, aber nicht weniger anspruchsvoll. In einer zunehmend angebotsgetriebenen Welt rücken strukturelle Engpässe als zentrale Renditetreiber in den Fokus. Der Zugang zu Energie und Energieinfrastruktur, Rechenleistung, Fachkräften und weiteren kritischen Ressourcen wird damit zu einem entscheidenden Treiber von Wachstum und Marktperformance.
Deutlich zeigt sich dies etwa im Energiesektor: Geopolitische Fragmentierung erhöht die Bedeutung sicherer Versorgung, während gleichzeitig die Stromnachfrage – getrieben durch KI, Rechenzentren und Elektrifizierung – schneller steigt als erwartet. Diese Kombination schafft strukturelle Chancen entlang der Engpassstellen der Wertschöpfungskette, etwa in Netzinfrastruktur, Stromausrüstung, Speicherlösungen und kritischen Rohstoffen.
Entscheidend ist dabei die Selektivität. Die attraktivsten Investmentchancen sehen wir nicht im breiten Energie‑Exposure, sondern gezielt in Infrastruktur und Engpässen. Gleichzeitig bleiben wir taktisch, also mit Blick auf die kommenden sechs bis zwölf Monate, konstruktiv für Risikoanlagen insgesamt, gestützt durch die KI‑Dynamik. Regional sehen wir nach wie vor selektives Potenzial in Emerging Markets – insbesondere bei Rohstoffexporteuren und entlang von KI‑Lieferketten –, während wir bei europäischen Aktien an einer insgesamt neutralen Haltung festhalten, jedoch selektive Chancen etwa im Bereich Finanzwerte und Infrastruktur sehen.
Am Rentenmarkt bleiben wir umsichtig positioniert, wenngleich Zinseinkommen weiter eine wichtige Rolle im Portfolio spielt: Hartnäckiger unterliegender Kostendruck, energiebedingte Inflationsrisiken, steigende Staatsschuldenberge und eine weniger berechenbare Geldpolitik lasten aus unserer Sicht weiterhin auf langlaufenden Staatsanleihen.
In dieser Woche richtet sich der Blick auf zentrale Datenpunkte zur Einordnung von Inflation und Wachstum (und damit der Zinsseite), insbesondere auf die US‑Kernrate der persönlichen Konsumausgaben (PCE; bevorzugtes Inflationsmaß der Fed) sowie auf globale Frühindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes.
Entscheidend wird sein, ob sich die jüngste Entspannung bei den Energiepreisen in stabileren Wachstumssignalen und nachlassendem Inflationsdruck niederschlägt.
Im Euroraum geben die Reden einer Reihe von Notenbankern im Wochenverlauf Hinweise darauf, ob – und in welchem Ausmaß – das US‑Iran‑Abkommen den Inflationsausblick und die geldpolitische Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) beeinflusst.
Die übergeordnete Frage bleibt damit unverändert: Ist das fundamentale Umfeld robust genug, um Risikoanlagen trotz höherer Zinsvolatilität weiter zu tragen?
Bevor sich der deutschsprachige Marktausblick in die Sommerpause verabschiedet, lohnt sich ein Blick auf unsere kommende Spezialausgabe zum Halbjahresausblick des BlackRock Investment Institute (BII) sowie auf unser Kapitalmarktwebinar am Dienstag, den 7. Juli. Die Spezialausgabe des Newsletters und die Einladung erhalten Sie demnächst separat.
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