Marktausblick: Der Dollar trotzt den Zweifeln

05-Okt.-2026
  • BlackRock
  • Obligationenrenditen auf Mehrjahreshochs: US-Arbeitsmarkt enttäuscht, struktureller Aufwärtsdruck intakt
  • US-Dollar: Überraschend robust, aber kein neuer Aufwertungszyklus
  • EZB im Fokus: Reaktion auf den Renditeanstieg

Der globale Ausverkauf an den Obligationenmärkten setzte sich in der vergangenen Woche fort. Im Fokus der europäischen Rentenmärkte stand Frankreich, wo die Aussichten für die Staatsfinanzen mittelfristig herausfordernd bleiben.

Obligationenrenditen auf Mehrjahreshochs: US-Arbeitsmarkt enttäuscht, struktureller Aufwärtsdruck intakt

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsobligationen kletterte auf 5,34 % und erreichte damit den höchsten Stand seit dem Jahr 2002. Ein schwächer als erwarteter US-Arbeitsmarktbericht sorgte zusätzlich für Volatilität, da sich die Erwartungen der Anleger hinsichtlich weiterer geldpolitischer Straffungen durch die US-Notenbank Fed deutlich veränderten (Quelle: LSEG, 02.10.2026).

Aus unserer Sicht hat sich am Grundbild wenig geändert: Erwartungen an die Geldpolitik der US-Notenbank können die Zinsen kurzfristig bewegen. Die langfristigen Treiber höherer Renditen bleiben jedoch bestehen. Dazu zählt insbesondere der zunehmende globale Wettbewerb um Kapital.

Auch die finanzpolitische Lage Frankreichs ist im Kontext eines sich weltweit verschärfenden Wettbewerbs um Kapital zu sehen. Staaten verschulden sich stärker, während Unternehmen gleichzeitig hohe Investitionen tätigen, darunter in Künstliche Intelligenz (KI) und Infrastruktur. Anleger haben heute mehr Anlagemöglichkeiten und verlangen deshalb eine höhere Kompensation, wenn sie ihr Kapital langfristig binden. Die breitere Neubewertung langfristigen Kapitals ist daher kein rein französisches Phänomen.

Vor diesem globalen Hintergrund ist der französische Konsolidierungspfad für Anleger jedoch noch stärker in den Fokus gerückt. Zusätzlich zum allgemeinen Anstieg der Renditen verlangen Anleger für französische Staatsobligationen derzeit einen Risikoaufschlag. Die politische Unsicherheit bleibt ein weiterer Faktor für Anleger, wenngleich der Haushaltsprozess für 2027 bislang geordnet verläuft.

Zugleich wies Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), in der vergangenen Woche erstmals seit Monaten bedacht die zunehmend restriktive Marktbepreisung zurück. Ihrer Einschätzung zufolge bleibt der Inflationsausblick im Euroraum mit einer „massvollen“ geldpolitischen Reaktion vereinbar. Dies könnte darauf hindeuten, dass die EZB die derzeit sehr straffe Interpretation ihrer künftigen Geldpolitik durch die Märkte zunehmend kritisch sieht.

US-Dollar: Überraschend robust, aber kein neuer Aufwertungszyklus

In dieser Gesamtgemengelage überrascht so manchen Marktbeobachter die jüngste Stärke des US-Dollars. Trotz der Debatte über seine langfristige Rolle, der hohen US-Staatsverschuldung und des zunehmenden globalen Wettbewerbs um Kapital legte er im vergangenen Monat deutlich zu. Gegenüber den Währungen der Industrieländer beträgt sein Wertzuwachs seit Jahresbeginn rund 4 %. Höhere US-Zinsen und die allgemeine Risikostimmung erklären einen Grossteil der Erholung. Nach unserer Analyse notiert der Dollar jedoch fester, als es die Fundamentaldaten nahelegen.

Der Verlauf der vergangenen 18 Monate liefert bislang nur begrenzte Hinweise auf eine strukturelle Dollar-Entwertung. Nach den „Liberation Day“-Zöllen geriet die US-Währung zunächst unter Druck, stabilisierte sich und gab im Sommer wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Fed erneut nach. Inzwischen hat der Dollar-Index (DXY) den Grossteil seiner Verluste seit den Zollankündigungen vom 2. April allerdings wieder aufgeholt.

Entscheidend war die Neubewertung des Fed-Zinspfads. Zu Jahresbeginn rechneten die Märkte noch mit bis zu zwei Zinssenkungen; nach der ersten Zinserhöhung seit drei Jahren preisen sie nun etwa vier weitere Schritte innerhalb der kommenden zwölf Monate ein. Das hat die kurzfristigen Zinsunterschiede zugunsten des Dollars verschoben. Aus unserer Sicht preisen die Märkte damit allerdings mehr weitere Straffungsschritte ein, als wahrscheinlich erscheint. 

Der schwächer als erwartete Arbeitsmarktbericht unterstreicht zugleich die konjunkturelle Unsicherheit. Werden die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen zurückgenommen, könnten sich die Zinsdifferenzen wieder verringern und den Dollar belasten. Ein moderat schwächerer Dollar würde unsere konstruktive Haltung gegenüber risikobehafteten Anlagen und die Übergewichtung von Schwellenländeraktien unterstützen.

Rückenwind kommt ausserdem von den internationalen Kapitalströmen. Robustes US-Wachstum, starke Unternehmensgewinne und hohe KI-Investitionen haben die relative Stärke von US-Aktien unterstützt und zusätzliches Kapital angezogen. Ausländische Anleger investierten laut Bureau of Economic Analysis in den zwölf Monaten bis Juli nahezu eine Billion US-Dollar in US-Aktien und Investmentfondsanteile; allein im zweiten Quartal waren es mit 426 Milliarden US-Dollar so viel wie nie zuvor.

Diese Unterstützung dürfte anhalten, solange die Unternehmensgewinne wachsen und US-Aktien besser abschneiden. Damit könnten Kapitalzuflüsse einen Teil des Gegenwinds ausgleichen, falls sich die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen zurückbilden.

Auch die Risikostimmung und die zuletzt wieder leicht gesunkene Laufzeitprämie wirken stützend; die Zinserhöhung im September hat zudem das Vertrauen in die Glaubwürdigkeit der Fed gestärkt.

Insgesamt sehen wir wenig Spielraum für einen nachhaltigen Aufwertungszyklus und erwarten eher einen stabilen bis moderat schwächeren Dollar. Das widerspricht zugleich der These eines strukturellen Vertrauensverlusts, der sich deutlicher im Wechselkurs zeigen müsste. Die Risiken sind dennoch nicht verschwunden: Das US-Haushaltsdefizit liegt bei 1,9 Billionen US-Dollar, die Staatsverschuldung bei über 100 % des Bruttoinlandsprodukts. Diese Faktoren prägen den Dollar derzeit nicht massgeblich, könnten aber wieder stärker in den Fokus rücken.

EZB im Fokus: Reaktion auf den Renditeanstieg

Da in den USA nur wenige wichtige Konjunkturdaten veröffentlicht werden, richtet sich unser Fokus auf das Protokoll der Fed-Sitzung vom September (Mittwoch). Nachdem die Fed die Zinsen erstmals seit drei Jahren angehoben hat, wird insbesondere von Interesse sein, wie „hawkish“ die Diskussionen innerhalb des geldpolitischen Ausschusses vor dieser Entscheidung verlaufen sind.

Darüber hinaus verfolgen wir die vorläufigen Verbraucherstimmungsdaten der University of Michigan (Freitag). Der Index war Ende September auf den zweittiefsten Stand seiner Geschichte gefallen und könnte wichtige Hinweise darauf geben, wie die US-Verbraucher ihre wirtschaftliche Lage einschätzen.

In Europa ist der Kalender reich an Wortmeldungen von Vertretern der EZB. Dabei achten wir insbesondere auf Hinweise darauf, wie die Notenbanker die jüngsten Bewegungen an den europäischen Staatsobligationenmärkten einordnen. Die übrigen Datenveröffentlichungen, darunter die Einzelhandelsumsätze im Euroraum (Dienstag), dürften für den Ausblick eher von nachrangiger Bedeutung sein. Die monatlichen französischen Haushaltsdaten (Dienstag) wiederum könnten mehr Aufmerksamkeit als üblich erfahren. Auf geldpolitischer Seite richtet sich der Blick zudem auf das Protokoll der EZB-Sitzung vom September (Donnerstag).

Dieses Material soll nicht als Prognose, Research oder Anlageberatung herangezogen werden und stellt keine Empfehlung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzprodukten oder zur Annahme einer Anlagestrategie dar. Die geäusserten Meinungen beziehen sich auf den 05. Oktober 2026 und können sich ändern, wenn die nachfolgenden Bedingungen variieren.

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