- Kapitalmärkte: Zinspfad und Tempo des KI-Ausbaus bestimmen das Marktgeschehen
- Staatsobligationen: Höhere Renditen eröffnen Chancen, jedoch nicht überall
- Wochenausblick: Moody’s prüft Frankreich – britische Inflationsdaten voraus
Kapitalmärkte: Zinspfad und Tempo des KI-Ausbaus bestimmen das Marktgeschehen
Die Marktbewegungen der vergangenen Woche spiegeln zwei zentrale Fragen wider, die Anleger derzeit beschäftigen: den weiteren Zinspfad und das Tempo des KI-Ausbaus. Sorgen über die künftige Monetarisierung der stark steigenden Investitionen in den KI-Ausbau belasteten in der vergangenen Woche Technologiewerte. Der S&P 500 verlor rund 2 %, während der Nasdaq um nahezu 5 % fiel (Quelle: LSEG per 16.10.2026). Die Rendite zehnjähriger US-Staatsobligationen kletterte nach den höher als erwarteten US-Inflationsdaten für September zeitweise auf 5,34 %, bevor sie im Zuge des Ausverkaufs bei Technologiewerten wieder etwas zurückging. Auf Wochensicht lagen die Obligationenrenditen dennoch höher. Innerhalb unserer inzwischen taktisch neutralen Positionierung für US-Aktien halten wir an unserer konstruktiven Einschätzung von KI-bezogenen Chancen fest.
Staatsobligationen: Höhere Renditen eröffnen Chancen, jedoch nicht überall
Höhere Obligationenrenditen schaffen neue Anlagemöglichkeiten. Das spiegelt sich auch in unserer Hochstufung von US-Staatsobligationen in der vergangenen Woche wider. Mehr als 80 % der globalen Obligationen rentieren inzwischen mit über 4 %, gegenüber lediglich 6,3 % vor fünf Jahren (Quelle: BlackRock Investment Institute, mit Daten von LSEG Datastream, per 30. September 2026).
Der scharfe Ausverkauf französischer Staatsobligationen erinnert jedoch daran, dass in einem Umfeld zunehmenden Wettbewerbs um Kapital Kreditnehmer stärker unter die Lupe genommen werden. Steigende staatliche Finanzierungserfordernisse und der hohe Kapitalbedarf für den KI-Ausbau treiben die Finanzierungskosten nach oben und erhöhen den Druck auf Kreditnehmer mit sich verschlechternden Fundamentaldaten.
Selektivität ist daher entscheidend: Anleger müssen beurteilen, wodurch höhere Renditen verursacht werden und ob sie für die eingegangenen Risiken angemessen entschädigt werden. Wir bevorzugen ausgewählte Chancen bei Staats- und Unternehmensobligationen.
Frankreich veranschaulicht diese notwendige Differenzierung. Die Rendite zehnjähriger französischer Staatsobligationen ist seit Anfang August um rund 100 Basispunkte auf knapp 5 % gestiegen (Quelle: LSEG, per 16.10.2026) – die weltweite Zinsneubewertung spielt eine Rolle. Der zugleich gestiegene Renditeaufschlag gegenüber deutschen Bundesobligationen zeigt jedoch, dass Investoren zusätzlich eine Entschädigung für die fiskalischen und politischen Risiken Frankreichs verlangen.
Ausgangslage unterscheidet sich von jener während der europäischen Staatsschuldenkrise
Mögliche Ansteckungseffekte aus Frankreich verdienen erhöhte Aufmerksamkeit. Gleichzeitig unterscheidet sich die Ausgangslage heute von jener während der europäischen Staatsschuldenkrise 2011/12. Frankreichs Staatsverschuldung ist von rund 89 % des BIP im Jahr 2011 auf etwa 119 % gestiegen. Die aggregierte Schuldenquote der Eurozone liegt dagegen heute wieder ungefähr auf ihrem Niveau von 2011 bei rund 89 % des BIP. (Quelle: Eurostat, Oktober 2026)
Zudem ist die Eurozone heute widerstandsfähiger gegenüber finanziellen Spannungen. Die Banken sind besser kapitalisiert und der Europäischen Zentralbank (EZB) stehen kraftvollere Instrumente zur Verfügung, auch wenn ein Eingreifen nicht garantiert ist. Weitere Volatilität und mögliche Ansteckungseffekte auf die Staatsobligationenmärkte der europäischen Nachbarstaaten bleiben daher möglich. Gleichzeitig könnten breit angelegte Ausverkäufe Chancen schaffen, beispielsweise in Spanien, wo die Fundamentaldaten höhere Renditeniveaus möglicherweise weniger rechtfertigen. Vorerst bleiben wir taktisch neutral gegenüber Staatsobligationen der Eurozone positioniert und bevorzugen Chancen in anderen Märkten.
Chancen dort, wo höhere Renditen angemessen entschädigen
Wir sehen Chancen in den Segmenten, in denen höhere Staatsobligationenrenditen Anleger besser für Risiken entschädigen, ohne gleichzeitig auf schwächere Fundamentaldaten hinzuweisen. Am US-Staatsobligationenmarkt bieten die höheren Ausgangsrenditen einen größeren Puffer gegen weitere Zinsanstiege. Zudem sehen wir Spielraum dafür, dass die Märkte ihre aus unserer Sicht überzogenen Erwartungen hinsichtlich weiterer Fed-Straffungen zurücknehmen.
Japan liefert ein ähnliches Beispiel für verbesserte Bewertungen. Die Renditen langfristiger japanischer Staatsobligationen sind auf über 3 % gestiegen (Quelle: LSEG, per 16.10.2026), und die Laufzeitprämie hat sich normalisiert. Dadurch hat sich das Verhältnis von Chancen und Risiken verbessert, da ein Großteil der von uns erwarteten Renditeanpassung inzwischen erfolgt ist. Deshalb haben wir unsere Untergewichtung reduziert, auch wenn wir aufgrund der geldpolitischen Normalisierung der Bank of Japan weiterhin mit Aufwärtsdruck auf die Renditen rechnen.
Darüber hinaus bevorzugen wir Schwellenländerobligationen in Lokalwährung, insbesondere in Lateinamerika. Verbesserte Fundamentaldaten und solidere Staatsfinanzen unterstützen dort attraktive Renditen.
Über die gesamte Anlageklasse hinweg sehen wir einen Anstieg der Laufzeitprämie als zentrales Risiko, insbesondere dann, wenn fiskalische Sorgen der Haupttreiber sind, da dies die Renditen weiter nach oben treiben könnte.
Selektivität gilt auch für Unternehmensobligationen
Der gleiche Selektivitätsansatz gilt für Unternehmensobligationen. Wir bevorzugen einen umgekehrten „Barbell-Ansatz“ und suchen attraktive laufende Erträge im höherwertigen High-Yield-Segment, während wir Risiken an beiden Enden des Kreditmarktes vermeiden möchten.
Die umfangreiche Emissionstätigkeit zur Finanzierung von KI-bezogenen Investitionen übt Druck auf Investment-Grade-Obligationen aus. Gleichzeitig sehen sich die schwächsten Schuldner angesichts dauerhaft höherer Zinsen größeren Refinanzierungsrisiken gegenüber. Die gestiegenen Renditen bedeuten jedoch, dass Anleger für attraktive laufende Erträge heute nicht mehr so weit in das risikoreichere Ende des Kreditmarktes ausweichen müssen.
Fazit: Der Ausverkauf französischer Staatsobligationen erfolgt vor dem Hintergrund eines intensiveren Wettbewerbs um Kapital. Anleger achten deshalb genauer darauf, warum Renditen steigen. Wir bevorzugen ausgewählte Chancen bei Staatsobligationen und Unternehmensobligationen.
Wochenausblick: Moody’s prüft Frankreich – britische Inflationsdaten voraus
In den kommenden Tagen richtet sich der Blick auf neue Inflationsdaten aus Großbritannien. Der jüngste US-Inflationsbericht hatte darauf hingedeutet, dass der Preisauftrieb weiterhin breit angelegt ist und nicht nur von den Energiekosten getrieben wird. Die britischen Daten könnten zeigen, ob sich dieser Trend auch außerhalb der USA bestätigt.
Darüber hinaus dürften Anleger die turnusmäßige Überprüfung der französischen Kreditwürdigkeit durch Moody’s sehr genau verfolgen. Im Fokus steht, wie die Ratingagentur die fiskalischen Herausforderungen Frankreichs einschätzt und ob daraus breitere Konsequenzen für die Eurozone entstehen könnten. Vorläufiges Verbrauchervertrauen der Eurozone.
Dieses Material soll nicht als Prognose, Research oder Anlageberatung herangezogen werden und stellt keine Empfehlung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzprodukten oder zur Annahme einer Anlagestrategie dar. Die geäusserten Meinungen beziehen sich auf den 19. Oktober 2026 und können sich ändern, wenn die nachfolgenden Bedingungen variieren.
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