Nahostkonflikt verstärkt Investitionsbedarf in Versorgungssicherheit

30-März-2026
  • BlackRock
  • Unsichere Geopolitik: Schwankungsanfällige Märkte
  • Komplexere Geldpolitik: Halten die Zentralbanken mit ihren Leitzinsen mit der Inflation Schritt?
  • Thematische Perspektive: Energie, Infrastruktur und „Electro Tech“ gewinnen an Bedeutung

Der bewaffnete, folgenschwere Konflikt im Nahen Osten dauert inzwischen seit rund einem Monat an. Die Kapitalmärkte bewegen sich nach wie vor zwischen Hoffnungen auf eine Deeskalation und der Sorge vor einer weiteren Eskalation. Eine belastbare Perspektive für eine rasche Entspannung ist derzeit jedoch nicht erkennbar. Entsprechend bleibt das geopolitische Umfeld fragil – mit spürbaren Auswirkungen auf Rohstoffpreise sowie auf Wachstums‑ und Inflationserwartungen.

In diesem Umfeld bleiben wir bei rein richtungsabhängigen Markteinschätzungen umsichtig. Das taktische Risiko haben wir zuletzt etwas reduziert, behalten uns jedoch flexible Anpassungen vor, sollte sich eine glaubwürdige Deeskalation im Nahen Osten abzeichnen. Gleichzeitig richten wir den Blick stärker auf langfristige Anlagemöglichkeiten in aktiv gesteuerten, thematischen Strategien.

Denn der Konflikt verstärkt strukturelle Verschiebungen, die bereits zuvor angelegt waren: den wachsenden Investitionsbedarf in Energiesicherheit, Infrastruktur und widerstandsfähige Lieferketten. Nicht zuletzt durch den rasanten Ausbau Künstlicher Intelligenz steigt die Stromnachfrage strukturell.

Unsichere Geopolitik: Schwankungsanfällige Märkte

Die internationalen Aktienmärkte standen zuletzt weiterhin unter Druck. In den USA verzeichnete der S&P 500 die fünfte Verlustwoche in Folge – ein Muster, das zuletzt 2022 zu beobachten war. Parallel dazu stiegen die Renditen zehnjähriger US-Staatsobligationen in der vergangenen Woche zeitweise auf über 4,4 %. Auch in Europa blieb die Stimmung insgesamt verhalten, trotz einzelner stabilisierender Tendenzen. Der STOXX Europe 600 konnte leicht zulegen, allerdings bei insgesamt gedämpfter Stimmung. Zehnjährige deutsche Bundesobligationen rentierten zum Ende der Woche bei nahe 3,1 % und damit auf dem höchsten Niveau seit 2011 (Quelle: LSEG, 27.03.2026).

Die Sorge vor einem stagflationären Umfeld, in dem sich schwächeres Wachstum und anhaltender Preisdruck überlagern, bleibt zentral. In einem solchen Szenario geraten sowohl Aktien als auch Obligationen unter Druck. Klassische Diversifikationsmuster greifen dann nur eingeschränkt. Entsprechend steht auch das klassische „60/40-Portfolio“ – eine in den USA weit verbreitete Mischung aus Aktien und Obligationen zur Risikostreuung – vor seinem schwächsten Monat seit dem Inflationsschock 2022.

Komplexere Geldpolitik: Halten die Zentralbanken mit ihren Leitzinsen mit der Inflation Schritt?

Auch die Erwartungen an die Geldpolitik haben sich spürbar verschoben. Während vor wenigen Wochen noch Zinssenkungen diskutiert wurden, preisen die Märkte inzwischen eine gewisse Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen in den USA ein. Für die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England werden sogar mehrere Zinsschritte nach oben erörtert. Treiber dieser Neubewertung sind – vor dem Hintergrund des aktuell verschärften Zielkonflikts der Notenbanken – weniger die Abwärtsrisiken für die Konjunktur, sondern vor allem der sich abzeichnende angebotsgetriebene Inflationsschub.

Der Nahostkonflikt wirkt dabei nicht nur über höhere Rohstoffpreise, sondern verstärkt ohnehin bestehende strukturelle Engpässe bei Energie, Arbeitskräften und kritischen Rohstoffen, die für hartnäckigen unterliegenden Inflationsdruck sorgen. Bereits vor Ausbruch des Konflikts lagen die Inflationsraten in den USA und Grossbritannien über den Zielmarken der Notenbanken, während sich die Teuerung im Euroraum zuletzt der EZB‑Preisstabilitätsmarke angenähert hatte.

Im Euroraum betonte EZB‑Präsidentin Christine Lagarde auf der „ECB and Its Watchers“-Konferenz letzte Woche, dass die Geldpolitik bei Bedarf „von Sitzung zu Sitzung“ angepasst werde. Auffällig ist dabei, wie klar die EZB in der Kommunikation ihre Reaktionsfunktion inzwischen an Szenarien knüpft – von einem Basisszenario bis hin zu adversen Entwicklungen, jeweils mit abgestuften geldpolitischen Antworten. Das schafft Orientierung, andererseits könnte es die EZB stärker an eine Logik binden, an der sie künftig gemessen wird. Dessen ungeachtet erhöht dieser Ansatz die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer dafür, wo sich die aktuellen Energiepreisentwicklungen innerhalb dieses Szenariorahmens einordnen lassen („Wie weit sind wir von diesen Szenarien und geldpolitischen Reaktionen entfernt?“).

Bemerkenswert ist zudem etwas Anderes: Sollten Energiepreise länger erhöht bleiben, wächst das Risiko, dass die Leitzinsen mit der Inflation nicht Schritt halten. Damit rückt eine zentrale Frage in den Vordergrund: Könnten – oder würden – die Zentralbanken in diesem Umfeld ausreichend entschlossen reagieren? Sinkende reale (inflationsbereinigte) Leitzinsen würden die Finanzierungsbedingungen tendenziell lockern, trotz nominell hoher Zinsen. Gleichzeitig begrenzen hohe Staatsverschuldung und fiskalpolitische Erwägungen den Spielraum für kräftige Zinsstraffungen. Für Anleger bedeutet das: Das Risiko hartnäckige Inflation sowie anhaltender Aufwärtsdruck auf langfristige Obligationenrenditen bleiben bestehen, sofern Investoren eine höhere Risikoprämie für das Halten langfristiger Staatsobligationen verlangen.

Thematische Perspektive: Energie, Infrastruktur und „Electro Tech“ gewinnen an Bedeutung

Der geopolitisch getriebene Angebotsschock verdeutlicht die strukturelle Verwundbarkeit der globalen Energieversorgung. Rund 80 % der Weltbevölkerung leben in Ländern, die Nettoimporteure von Öl sind, etwa 60 % in Ländern mit Importabhängigkeit bei Erdgas. Entsprechend schnell übertragen sich regionale Lieferkettenstörungen auf die Weltwirtschaft.

Die Auswirkungen unterscheiden sich regional. Europa und Teile Asiens sind besonders stark von importiertem Gas abhängig, während die USA als Nettoenergieexporteur robuster aufgestellt sind, jedoch ebenfalls unter höheren globalen Energiepreisen leiden. Diese Unterschiede prägen die relativen Wachstums‑ und Inflationsaussichten – und damit auch die Anlagechancen.

Klar ist: Die aktuelle Gemengelage verstärkt den politischen und wirtschaftlichen Fokus auf Energiesicherheit, widerstandsfähige Lieferketten und Infrastruktur. Gleichzeitig steigt der Strombedarf strukturell – unter anderem durch den voranschreitenden Ausbau von KI-Infrastruktur und zunehmend datenintensive Anwendungen. Daraus ergibt sich ein langfristiger Investitionsbedarf in Netze, Speicher, Erzeugungskapazitäten und Effizienztechnologien.

Besonders gesucht erscheinen uns – auch mit längerem Anlagehorizont – Bereiche an der Schnittstelle von Energie, Technologie und Infrastruktur, etwa Elektrifizierung, Energiespeicher, Netzinfrastruktur und ausgewählte Metalle. Versorger und Infrastrukturinvestments profitieren von langfristig angelegten Investitionsprogrammen, auch wenn regulatorische Rahmenbedingungen die Renditen begrenzen können. Erneuerbare Energien betrachten wir selektiv, vor dem Hintergrund höherer Finanzierungskosten und globaler Angebotsstrukturen.

Was bedeutet all dies für die Kapitalanlage? Kurzfristig spricht das Umfeld aus erhöhter Volatilität und auseinanderlaufenden Entwicklungen auf regionaler und Unternehmensebene für aktive, fundamental ausgerichtete Anlagestrategien. Über längere Anlagehorizonte halten wir einen schrittweisen Aufbau thematischer Positionen in den Bereichen Energieinfrastruktur, Elektrifizierung und ausgewählte Rohstoffe für sinnvoll. Entscheidend bleibt dabei eine ausgewogene Portfoliokonstruktion mit klarer Risikosteuerung.

Dieses Material soll nicht als Prognose, Research oder Anlageberatung herangezogen werden und stellt keine Empfehlung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzprodukten oder zur Annahme einer Anlagestrategie dar. Die geäusserten Meinungen beziehen sich auf den 30. März 2026 und können sich ändern, wenn die nachfolgenden Bedingungen variieren.

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