Fallstricke bei Alternativen Anlagen vermeiden

Anleger müssen sowohl Renditechancen wie auch potenzielle Diversifikationsfaktoren erkennen, die nicht korrelierte Renditen ermöglichen.

Die Zuordnung zu Alternativen Anlagen ist mehr als das Ankreuzen von ein paar Kästchen. Es erfordert eine sorgfältige Analyse der bestehenden Risiko- und Ertragsprofile.

Investieren ist niemals einfach – selbst dann nicht, wenn die Rahmenbedingungen wie in den vergangenen gut zehn Jahren sehr günstig sind. Die anhaltende Unterstützung durch die Zentralbanken hat die Vermögenswerte seit 2008 immer weiter in die Höhe getrieben, was zum längsten S&P-Bull-Run der Geschichte führte. Alleine durch eine einfache 50/50-Aufteilung eines Aktien- respektive Anleihen-Portfolios konnten Renditen erzielt werden, die im historischen Vergleich ungewöhnlich hoch waren.

Es war immer klar, dass die Renditen auf Dauer nicht so hoch bleiben würden. Schon bevor die Corona-Krise ausbrach, gab es Befürchtungen hinsichtlich einer Überschuldung des Systems und Ängste vor neuen Handelskriegen1.

Heute kann niemand die Auswirkungen der Covid-19-Krise beziffern. Nach den jüngsten Einbrüchen von rund 30% an den Märkten ist jedoch das Aktienrisiko wieder stärker in den Fokus der Anleger gerückt.

In Bezug auf die Portfolio-Allokation bedeutet dies, dass Anleger sowohl Renditechancen wie auch potenzielle Diversifikationsfaktoren erkennen müssen, die es ermöglichen, im Falle eines Marktabschwungs nicht-korrelierte Renditen zu erzielen.

Das wachsende Interesse an Alternativen Anlagen ist die logische Folge der aktuellen Situation. Während Rentenfonds und andere institutionelle Anleger schon seit Jahren in Alternative Anlagen investieren, wollen nun auch neue Marktsegmente dieses Potenzial nutzen. Ziel von allen ist es, die Gesamtrenditen zu steigern, die Volatilität abzufedern und die Auswirkungen steigender Inflation und Zinsen auszugleichen.

Laut einer Untersuchung von 600 EMEA-Investorenportfolios, die von BlackRock Portfolio Analysis & Solutions im Jahr 2018 durchgeführt wurde, waren Alternative Anlagen bei Investoren aller Risikoprofile beliebt. Über die gesamte Bandbreite hinweg machten Alternative Anlagen irgendeiner Art eine durchschnittliche Allokation von 22% aus – noch vor den festverzinslichen Wertpapieren (19%), aber hinter den Aktien mit 31%.

Die grösste Einzelkategorie waren die Hedge-Fonds, die ein breites Spektrum von Strategien abdecken, von Global Macro über Managed Futures bis hin zu Long/Short Equity. Als Anlageklasse verzeichneten Hedge-Fonds im Jahr 2019 starke Erträge. Laut dem Branchenmonitor HFRI2, einem zusammengesetzten Index, der die Branche widerspiegeln soll, stieg der Index um 10,4%. Es war das stärkste Jahr seit 2009.

Weil Hedge-Fonds-Manager immer mal wieder in die Schlagzeilen geraten, ist es gut zu wissen, dass Alternative Anlagen weit mehr bieten, als es auf den ersten Blick scheint. Tatsächlich sind Alternative Anlagen nicht wirklich eine einzige Anlageklasse, sondern eher ein Sammelbegriff, der alles umfasst, was nicht innerhalb der relativ engen Grenzen von traditionellen Anlagekategorien liegt.

Zu diesen anderen Alternativen Anlagen gehören Private Equity, Infrastruktur- und Sachwerte, Rohstoffe, Dachfonds und privat platzierte Schulden. Sie alle weisen unterschiedliche Ertragsströme, Risiko-/Renditeprofile, Liquiditätsaussichten und Anlagehorizonte auf – was die Möglichkeit schafft, sie in verschiedenen Kombinationen innerhalb der Anlageportfolios einzusetzen, um die Risiken bestehender Vermögensallokations-Entscheidungen bestmöglich zu mindern.

Die Zuordnung zu Alternativen Anlagen ist mehr als das Ankreuzen von ein paar Kästchen. Es erfordert eine sorgfältige Analyse der bestehenden Risiko- und Ertragsprofile. Ein kontinuierliches Engagement für wechselnde Bedingungen und Liquiditätstrends innerhalb jeder einzelnen Anlageklasse ist notwendig.

Marcos Camhis, CEO von FOS Asset Management, nennt die grösste Herausforderung von Alternativen Anlagen: «Es besteht ein relativer Mangel an Transparenz, es gibt unterschiedliche Liquiditätsprofile, und eine gründliche Due Diligence ist zwingend.»

Er erklärt: «Als langjähriger Hedge-Fonds-Investor habe ich Fälle gesehen, in denen beispielsweise illiquide Immobilien- oder Private-Equity-Beteiligungen in Portfolios mit monatlicher oder vierteljährlicher Liquidität gehalten wurden.» Eine solche Liquiditätsinkongruenz sei ein Warnsignal. Investoren sollten während der Due-Diligence-Prüfung und des Überwachungsprozesses Einblick in die Portfolios erhalten. Der Zugang könne allerdings eine Herausforderung darstellen: «Einige der Produkte mit den besten Ergebnissen sind für neue Investoren geschlossen.»

All dies führt zu einer Zurückhaltung vieler Anleger. Und obwohl sich der Markt weiterentwickelt hat, um diesen Bedenken Rechnung zu tragen, hat die nach wie vor fehlende Heterogenität unter den alternativen Anlageklassen zur Folge, dass gerade für unvorsichtige Investoren noch immer viele Risiken lauern.

1 https://www.theguardian.com/business/2020/jan/08/world-bank-global-debt-crisis-borrowing-build-up

2 Bei den HFRI®-Indizes handelt es sich um breit gefächerte Indizes, die so konstruiert sind, dass sie die breite Palette von Hedge-Fonds-Performance-Trends über alle Strategien und Regionen hinweg erfassen.