Für qualifizierte Anleger: Der aktuelle Blick auf die Märkte

Böse Inflation, nervöse Märkte

24-Apr-2018
By BlackRock

Der Ölpreis steigt seit geraumer Zeit, besonders markant seit Mitte 2017. Inzwischen nähert sich der Preis für ein Fass der Sorte Brent der 75 Dollar-Marke, und die Auswirkungen auf die Inflationserwartungen lassen nicht auf sich warten. Die marktbasierte Rate für die Fünfjahressicht liegt wieder knapp unter 1,7%, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hat Anfang der Woche auf über 0,6% zugelegt. Zwar sind die langfristigen Zinsen in den USA noch stärker gestiegen, mit der Konsequenz des weitesten zehnjährigen Transatlantik-Spreads in 29 Jahren (rund 235 Basispunkte), entscheidend aber ist die absehbare Nervosität der Märkte angesichts schneller als erwartet steigender Inflationsdaten. Denn seit Februar treffen derartige Nachrichten auf deutlich nervösere Märkte. Die Volatilität liegt immer noch höher als im Durchschnitt des tiefenentspannten Jahres 2017, und dies dürfte auch so bleiben. Das gilt umso mehr, als der aktuell erwartete stärkere Preisauftrieb weniger von der Nachfrage- bzw. Lohnseite herrührt, sondern von der Rohstoff-, also der Angebotsseite. Derartige ‚cost push‘-Inflation wird üblicherweise eher als exogenes Störsignal denn als Zeichen starker Wirtschaftsdynamik interpretiert. In der Tat, überraschend effektive Preisabsprachen der OPEC oder zunehmende Spannungen im Mittleren Osten haben weniger mit globaler Volkswirtschaft als mit Geopolitik zu tun. Die gute Nachricht ist, dass Marktteilnehmer angesichts derartiger Datenpunkte oft zu schnell nervös werden und die Fähigkeit der Zentralbanken unterschätzen, durch solche Phänomene hindurchzuschauen. Die Preisausschläge sind dann meist nur temporär.

Angesichts der wieder zunehmenden Unsicherheit bezüglich Inflation und Zinsen ist es deshalb besonders wichtig, dass die Gewinnentwicklung börsennotierter Unternehmen robust bleibt. In der inzwischen auf Hochtouren laufenden US-Berichtssaison haben bisher über 80% der Firmen die Analystenerwartungen übertroffen. Und in Europa haben sich zu Wochenbeginn die Einkaufsmanagerindizes in sehr solidem Territorium (Gesamtindex 55,2) gehalten, ein Zeichen für fortschreitende Expansion. Zwar dürfte sich das Wachstum in Europa vom jetzigen Niveau kaum noch nennenswert beschleunigen, aber auch für den Fall, dass sich die Zuwachsraten in der aktuellen Grössenordnung halten, spricht alles für ein Gewinnplus europäischer Unternehmen im knapp zweistelligen Bereich für 2018. Damit bleiben auch in unserer Region die Zeichen auf positive Aktienerträge gestellt.

Was bedeutet das für Anleger?

Und damit wären wir beim – neben Wachstum und Zinsen – dritten Investmentthema, welches wir zu Jahresanfang herausgestellt hatten, nämlich dem Blick auf das Risiko. Unsere Aussage, der zufolge Anleger auch 2018 für Risiko entlohnt werden würden, wenn auch nicht mehr so üppig wie im Vorjahr, bleibt erhalten. Schaut man sich die Sharpe-Ratio, also das Verhältnis von Ertrag zu Risiko an, so wird sichtbar, wie deutlich die Ratio im bisherigen Jahresverlauf unter den Werten von 2017 verläuft. Entscheidend ist und bleibt, ob Konjunktur und Gewinne tatsächlich bald den Rückwärtsgang einlegen oder, wie wir eher glauben, das globale Wachstum auch 2018 mit rund 4% eher stark bleibt. Und natürlich kommt es einmal mehr auf die Zentralbanken an. An diesem Donnerstag könnte die EZB vorsichtige Hinweise darauf geben, wie sie nach Ende September mit dem Anleihekaufprogramm zu verfahren gedenkt. Radikale Änderungen, etwa ein Zinsschritt noch in diesem Jahr, sind dagegen nicht zu erwarten. Der ölpreisgetriebene Anschub für die Inflationserwartungen dürfte daran nichts ändern. Wenn überhaupt liefert der Blick auf die Normalisierung der Inflation Draghi & Co. ein weiteres Argument dafür, sich bezüglich der viel gescholtenen Nullzinspolitik bestätigt zu fühlen und nun die geplante geldpolitische Normalisierung in moderaten Schritten weiter voranzubringen. Für Anleger bleiben damit die zu Jahresbeginn gesteckten Kursziele weiterhin im Bereich des Erreichbaren.