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Wie schlimm wird die zweite Welle?

BlackRock |20-Okt-2020

Die Aktienmärkte standen in der vergangenen Woche sichtbar unter dem Eindruck der dramatisch gestiegenen Corona-Fallzahlen. In Mitteleuropa verzeichnen nun auch Länder, die im Frühjahr relativ unbeschadet durch die Pandemie gekommen waren, stark steigende Zahlen von Neuinfektionen, darunter Deutschland, die Schweiz, Österreich oder Polen. Dazu kommen sehr steile Anstiege der Inzidenz in Frankreich, Spanien und zuletzt auch wieder Italien, wo die Covid-Pandemie im Frühjahr besonders heftig gewütet hatte. Europäische Aktien sind demzufolge auf Tauchstation gegangen, mit einem Minus von 2,2% in Deutschland und 1,8% in der Schweiz. In den USA, wo die Covid-Infektionszahlen ebenfalls weiterhin sehr hoch liegen und bereits 230.000 Menschen an der Krankheit gestorben sind, hellte allenfalls die Aussicht auf ein zweites Konjunkturpaket die trübe Stimmung etwas auf. Der Kursrückgang blieb daher mit -0.6% in engeren Grenzen als in Europa, die Märkte sind aber bezüglich der weiteren Entwicklung der Pandemie sowie sonstiger Unwägbarkeiten wie etwa der anstehenden Präsidentschaftswahl verunsichert. Das Volatilitätsmass VIX verharrte zum Ausgang der Vorwoche bei 28.

Für Wirtschaft und Finanzmärkte ist die zweite Infektionswelle der Worst Case. In einer Kundenpublikation Anfang August hatten wir diesen Fall definiert als einen breit angelegten, also nicht nur von einzelnen Hotspots ausgehenden Anstieg der Fallzahlen, sowohl regional als auch was die Altersschichten der Bevölkerung angeht. Genau dieses Phänomen ist angesichts des Infektionsgeschehens jetzt festzustellen. Damit wird die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Abrutschens der Wirtschaftsaktivität, eines sogenannten Double Dip, erheblich grösser. Im Sommer hatten wir dessen Wahrscheinlichkeit auf rund 30% taxiert, versehen mit dem Hinweis, dass das Risiko einer erneuten Wirtschaftsschwäche eng mit dem Pandemieverlauf verbunden und damit für uns als Nicht-Epidemiologen kaum seriös einschätzbar sei. Aus heutiger Sicht liegt wohl die Wahrscheinlichkeit höher als die im August taxierten 30%. Die Chance auf eine V-förmige Erholung auf Vorkrisenniveau, der wir damals eine Wahrscheinlichkeit von 20% zugebilligt hatten, dürfte inzwischen auf unter 10% gefallen sein. Die gute Nachricht ist, dass nach wie vor eine weitere, wenn auch abgeflacht verlaufende Erholung das am besten begründbare Szenario bleibt. Voraussetzung für einen derartigen ‚Swoosh‘ (angelehnt an das Logo der Sportartikelfirma Nike) ist allerdings, dass nicht ein weiterer tiefer und langer Lockdown die wirtschaftliche Aktivität erneut zum Stillstand bringt. Die Chancen hierfür stehen mit Blick auf Lerneffekte aus dem Frühjahrslockdown trotz der aktuell hohen Fallzahlen gut, aus drei Gründen:

Erstens: Das Infektionsgeschehen ist regional sehr unterschiedlich. Es dürfte also trotz des oft zu hörenden Wunsches nach einheitlichen Regeln nicht zielführend sein, einen flächendeckenden zu verhängen, wenn etwa die Zahlen in den nordrhein westfälischen Ballungsräumen bedrohlich hoch, in den ostdeutschen Flächenländern dagegen eher entspannt aussehen. Zweitens: Der erste Lockdown hat gezeigt, dass nicht alle Branchen und Betriebe das gleiche Potenzial haben, zum Superspreader zu werden. So ist es unter vernünftigen Hygienekonzepten möglich, produzierende Betriebe länger und umfassender laufen zu lassen als etwa personenbezogene Dienstleistungen, wobei auch bei Letzteren Vollschliessungen wie im März/April die absolute Ausnahme bleiben müssten. Drittens: Schulen und Kitas dürften geöffnet bleiben. Nur im Fall extrem ansteigender Fallzahlen, bei denen dann nachweislich auch die Schulen zur Verbreitung des Virus beitragen müssten, ist eine erneute bundesweite Schulschliessung vorstellbar. Dies erscheint möglich, aber sehr unwahrscheinlich. Selbst im Fall weiter exponentiell steigender Infektionen dürften punktuelle Schliessungen und Quarantänemassnahmen das Instrument der Wahl sein. Dass damit noch einmal Millionen von Erwerbstätigen sich monatelang zu Hause um ihre Kinder kümmern müssen, statt ihren Jobs nachzugehen, erscheint Stand heute eher unwahrscheinlich.

Was das für Anleger bedeutet?

Insofern wird der Ritt auf der zweiten Welle wohl nicht mehr ganz so halsbrecherisch wie noch unter dem Eindruck des ersten Lockdown befürchtet. Es wird darauf ankommen, die Einschränkung persönlicher Kontakte wirksam durchzusetzen, inklusive Feiern im Familien- und Freundeskreis. Gut möglich, dass der Staat hier auch autoritärer durchgreifen muss als bisher, indem etwa die Betriebsvorschriften für Gaststätten noch weiter verschärft und private Feiern rigoros verboten werden. Erfahrungen aus Dänemark und anderen Ländern, die auf stark steigende Fallzahlen mit genau diesen Massnahmen reagiert haben, klingen vielversprechend.

Darüber hinaus wird auch diesmal die Wirtschaftspolitik Gewehr bei Fuss stehen. Der EZB-Rat tagt an diesem Donnerstag, und wir halten es für wahrscheinlich, dass eine Ausweitung des PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) über Mitte 2021 hinaus beschlossen wird.

Dieses Material soll nicht als Prognose, Research oder Anlageberatung herangezogen werden und stellt keine Empfehlung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzprodukten oder zur Annahme einer Anlagestrategie dar. Die geäusserten Meinungen beziehen sich auf den 26. Oktober 2020 und können sich ändern, wenn die nachfolgenden Bedingungen variieren. 

 

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