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Heiter weiter

BlackRock |14-Jan-2020

Donald Trump dürfte dieser Tage mit guter Laune durch die Gänge des Weissen Hauses stolzieren. Sein persönliches Glücksbarometer, der S&P 500, erklomm jüngst ein neues Allzeithoch nachdem die Operation, an dessen Ende die Tötung von Qassem Soleimani stand, nahezu perfekt nach Plan verlaufen sein dürfte. Die Mission erlaubt es Trump, sich seinen Wählern einerseits als starker Präsident zu präsentieren, der den Kampf gegen den Terror knallhart fortsetzt. Andererseits kann Trump nach der Vergeltungsaktion Irans, bei der nach offiziellen Angaben keine US-Soldaten zu Schaden kamen, die Dinge nun gesichtswahrend auf sich beruhen lassen – zumindest bis auf weiteres. Negative Auswirkungen auf den Wahlkampf sind nicht zu erwarten – ganz im Gegenteil. Mit der Unterzeichnung des „Phase One Deals“ mit China kann der US-Präsident in dieser Woche darüber hinaus noch einen weiteren Erfolg für sich verbuchen – auch wenn sich die Unterzeichnung womöglich um einige Tage verzögern könnte. Gerade die Zusage der Chinesen, rund 200 Milliarden US-Dollar zusätzlich an Erzeugnissen aus den USA zu importieren, wird nicht nur bei Trumps Stammwählerschaft gut ankommen, sondern bei vielen US-Exportunternehmen. Trump tut der US-Wirtschaft gut – zumindest sehen das nach Umfragen der Peterson Foundation 51 Prozent der US-Amerikaner so.

Rückenwind für Trump zu Beginn des Wahljahres also. Rückenwind, den Trump aber auch dringend zu brauchen scheint, denn noch nie seit Gerald Ford im Jahr 1976 waren die Zustimmungswerte zu Beginn eines Wahljahres für einen amtierenden Präsidenten so schlecht wie für Donald Trump. Nur rund 42 Prozent sprechen sich in Umfragen derzeit für Trump aus. Umfragewerte, die Trump nicht gerne sehen wird. Allerdings dürften ihn diese Zwischenstände auch nicht um den Schlaf bringen, denn nicht selten sind Umfragewerte amtierender Präsidenten in Wahljahren geklettert. Hinzu kommt, dass sich Trump scheinbar auf seine Stammwähler verlassen kann. Wenn in den Küstenstaaten wie New York oder Kalifornien die Zustimmungswerte weiter sinken, sollte ihn dies herzlich wenig interessieren, da diese Staaten im November ohnehin an die Demokraten gehen werden. Was zählt, ist die Mehrheit im Electoral College – und hier stehen die Zeichen für Trump nicht so schlecht.

Da in der vergangenen Woche das britische Unterhaus dem Austrittsabkommen von Boris Johnson zugestimmt hat und auch ein Durchwinken im Oberhaus als sicher gilt, können sich Anleger nun auf die globale wirtschaftliche Lage und hier vor allem auf die anstehende Berichtssaison für das Schlussquartal des Jahres 2019 konzentrieren. Traditionell nimmt diese zunächst in den USA Fahrt auf. Während der Markt nach den Gewinnrückgängen im S&P 500 in Q1 bis Q3 auch im vierten Quartal mit einem Minus rechnet, könnte am Ende doch ein Gewinnzuwachs stehen. Im Durchschnitt fiel das Gewinnwachstum der 500 grössten US-Unternehmen über die letzten fünf Jahre 3,6 Prozentpunkte besser aus als von den Analysten prognostiziert. Sollte dies der Fall sein, könnte statt eines moderaten Gewinnrückgangs am Ende doch ein Plus zu Buche stehen. Diese Nachricht könnte in den „Goldlöckchen-Kanon“ solider Wirtschaftsnachrichten der letzten Wochen mit einstimmen – wie etwa dem US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag – und so dem Kursanstieg der letzten Tage weiteres Futter liefern.

Was bedeutet das für Anleger?

Da die De-Eskalation zwischen den USA und Iran genauso schnell erfolgte wie die Eskalation können sich Anleger zu Beginn des neuen Jahrzehnts nun mit grösserer Ruhe der alles entscheidenden Frage dieser Zeit zuwenden: Wie erziele ich ansehnliche Erträge in einer Zeit ohne Zinsen? Die kurze Antwort: Wie schon zum Ende des letzten Jahrzehnts wird auch in der anstehenden Dekade kein Weg an Aktien vorbeiführen.

In der ersten Woche des neuen Jahres ist angesichts der Spannungen im Nahen Osten allerdings zunächst wieder einmal ein wöchentlicher Rekordbetrag in Anleihefonds geflossen, während Aktienfonds Abflüsse verzeichneten. Ein Muster, das wir aus dem letzten Jahr noch sehr gut kennen. Durchaus nicht ausgeschlossen, dass sich dieser Trend auch nach Beruhigung der Lage erst einmal fortsetzt. Hintergrund: Durch den starken Anstieg der Aktienkurse im letzten Jahr ist die Aktienquote in vielen Portfolios ganz automatisch gestiegen und muss nun reduziert werden.

Über kurz oder lang sollte der Trend in Richtung Anleihen jedoch zum Erliegen kommen. Erstens sind die Zinsen und Spreads zu Beginn dieses Jahres niedriger als noch vor Jahresfrist. Zweitens ist anders als im letzten Jahr bis auf weiteres mit keiner zusätzlichen Lockerung der Geldpolitik zu rechnen.

Dieses Material soll nicht als Prognose, Research oder Anlageberatung herangezogen werden und stellt keine Empfehlung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzprodukten oder zur Annahme einer Anlagestrategie dar. Die geäusserten Meinungen beziehen sich auf den 14. Januar 2020 und können sich ändern, wenn die nachfolgenden Bedingungen variieren.

  

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