Für qualifizierte Anleger: Der aktuelle Blick auf die Märkte

Die One-Man-Show ohne Ende

17-Jul-2018
By BlackRock

Man würde sich fast wünschen, dass unsere Wochenbetrachtung an den Finanzmärkten einmal ohne die Nennung des Namens „Trump“ möglich wäre. Aber auch in dieser Woche tut uns der US-Präsident diesen Gefallen nicht. Zu omnipräsent, zu bedeutsam für die globale Wirtschaft ist sein „Wirken“. Über die Tatsache, dass sein Auftritt auf dem Nato-Gipfel nicht als Blaupause für den modernen Diplomaten-Knigge diente, hätte man als Anleger noch geradeso hinwegsehen können. Sein Verhalten beim Besuch bei Theresa May in Grossbritannien: trampelig aber nicht wirklich marktrelevant. Mit seiner Drohung, Zölle in Höhe von 10 Prozent auf weitere Importe aus China in der Grössenordnung von 200 Milliarden US-Dollar zu verhängen, schüttelte er die Märkte allerdings erneut kräftig durch. Da wir glauben, Trump mittlerweile ganz gut einschätzen zu können, liegt nahe, dass er auch dieses Mal gedenkt, tatsächlich umzusetzen, was er twittert. Soll heissen: Vermutlich verliert er keine Zeit und die Zölle greifen womöglich bereits ab September dieses Jahres.

Im Gegensatz zu den Zöllen, die bislang seitens der USA neu verhängt wurden, dürfte spätestens mit dieser weiteren Massnahme der US-Konsument die Auswirkungen des Handelsstreits deutlich zu spüren bekommen. Denn während die neu erhobenen Zölle bis dato vor allem importierte Industriegüter betroffen haben, wird bei der nun geplanten Grössenordnung von 200 Milliarden US-Dollar voraussichtlich kein Weg mehr an der Importbesteuerung von Konsumgütern vorbeiführen. (Höhere) Zölle werden sich letztlich durch die Wertschöpfungsketten „fressen“ und Walmart & Co in den USA dazu veranlassen, neue Schilder mit teureren Preisen zu drucken – Trumps Wähler dürften „not amused“ sein, zumal höhere Preise am Ende auch das Wachstum in den USA dämpfen. Dass Trump die Eskalation des Handelskonflikts dennoch vorantreibt, könnte daran liegen, dass der US-Präsident einen negativen Effekt für die US-Konsumenten und somit letztlich auch für seine Umfragewerte wenn überhaupt erst für die Zeit nach den US-Zwischenwahlen erwartet. Auch vor dem Abwenden wichtiger Spendengeber für die Republikanische Partei scheint er sich nicht zu fürchten. Bis zu den Wahlen möchte Trump ganz offensichtlich weiterhin als der Hardliner wahrgenommen werden, den er seit Amtsantritt gegeben hat.

Aber nicht nur der US-Konsument dürfte durch den eskalierenden Konflikt in Mitleidenschaft gezogen werden. Zahlreiche Unternehmen mit Sitz in den USA könnten durch den Handelskonflikt sogar gleich doppelt bestraft werden. Einmal, wenn sie höhere Zölle auf Vorprodukte zahlen und zum zweiten bei höheren Exportzöllen beim Verschiffen in das Zielland. Die Liste der Verlierer ist aber noch länger. 70 der grössten 100 Exportfirmen in China sind ausländische Unternehmen. Somit erstreckt sich der Schaden über die ganze Welt und könnte durchaus grösser ausfallen als Trump es sich derzeit auszumalen vermag.

Chinas Regierung befindet sich hingegen angesichts der Heftigkeit der Konfrontation in einer durchaus schwierigen Position. Zum einen ist da die Schwäche der lokalen Aktienmärkte, die ihr zu schaffen macht: Da Anleger vermuten, der Handelsstreit wird die chinesische Wirtschaft hart treffen, verkaufen sie chinesische Aktien. Festland-Aktien aus China sind seit dem globalen Kurshoch im Januar der schwächste Markt der Welt mit einem Minus von mehr als 20 Prozent. Zum anderen ist da der sinkende Spielraum der Chinesen in punkto Vergeltungsmöglichkeiten. Da China schlichtweg deutlich weniger aus den USA importiert als umgekehrt, sind die Chinesen gar nicht in der Lage, eine Auge-um-Auge-Zahn-um-Zahn-Strategie bis zum bitteren Ende mitzugehen. Möglicherweise wird die chinesische Regierung daher andere, subtilere Wege beschreiten müssen, um Trump Einhalt zu gebieten. Denkbar ist etwa eine indirekte Einflussnahme auf die US-Regierung über grosse US-Firmen. Drittens wachsen in Peking die Sorgen vor einem handelsbedingten wirtschaftlichen Abschwung. Um diesen abzufedern, steht zu vermuten, dass in die chinesische Regierung bereits jetzt ein Programm zur Erhöhung der Staatsausgaben in der Schublade liegen hat.

Was bedeutet das für Anleger?

Die Nervosität ist an den Märkten allerorten zu spüren. Beispiel Schwellenländer: Die geringe Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Beruhigung des Handelskonflikts veranlasst derzeit viele Anleger dazu, sich von Risikoaktiva aus den Schwellenländern zu trennen, da diese wirtschaftlich am meisten unter Friktionen im Welthandel leiden dürften. In den zurückliegenden zehn Wochen zogen Anleger 17 Milliarden US-Dollar aus Emerging-Markets-Aktienfonds ab. Das ist die schwerste Durststrecke seit mehr als zwei Jahren. Beispiel Ölpreis: Auch das schwarze Gold gerät vor dem Hintergrund des Handelskonflikts unter Druck. Am vergangenen Mittwoch erlebte das Öl der Sorte Brent sogar den schwärzesten Tag seit rund zwei Jahren. Warnungen der International Energy Agency, wonach freie Produktionskapazitäten – insbesondere im Mittleren Osten – immer rarer werden, stoppten den Ausverkauf jedoch recht rasch. Wir rechnen im weiteren Jahresverlauf trotz Handelskonflikt mit einem festeren Ölpreis.

Nutzniesser der derzeitigen Spannungen zwischen den USA und dem Rest der Welt, sind einige der klassischen sicheren Häfen. Deutsche und mit Abstrichen US-Staatsanleihen erleben in diesem Sommer ihren zweiten Frühling. Gold hingegen wird seinem Anspruch als Krisenwährung auch weiterhin nicht gerecht und stellt viele Anleger damit vor ein Rätsel. Am Freitag fiel der Preis des Edelmetalls in US-Dollar gar auf den niedrigsten Stand des Jahres. Zurzeit scheint die Regel zu gelten: Egal was passiert, der Goldpreis fällt. Weder ein Ende der Dollar-Aufwertung, noch fallende US-Renditen oder eine steigende Risikoaversion der Anleger konnten den Sturz verhindern. Hoffnung bringt nun jedoch die Charttechnik. Ende 2017 konnte der damalige Kursverfall genau bei dem aktuellen Niveau gestoppt werden. Was folgte, war eine Rallye um mehr als 100 US-Dollar pro Unze. Ob sich die Geschichte wiederholt, bleibt jedoch abzuwarten.

Den von uns erwarteten Rückenwind erfahren dieser Tage US-Aktien. Unsere bevorzugte Aktienmarktregion profitierte jüngst von den ersten Unternehmensberichten zur Gewinn- und Umsatzentwicklung im zweiten Quartal. Da von der politischen Front kaum gute Nachrichten zu erwarten sind (Trump/Handelskrieg, Italien/Euro oder Brexit), lasten alle Hoffnungen der Märkte auf der nun begonnenen Berichtssaison. Wir gehen davon aus, dass die Hoffnungen nicht enttäuscht werden.