Für qualifizierte Anleger : Aktueller Blick auf die Märkte

Tanzpartner gesucht

18-Sep-2017
By BlackRock

Ein als langweilig abgestempelter Bundestagswahlkampf neigt sich dem Ende entgegen. Während beiden großen Volksparteien zumindest in den Umfragen auf der Zielgeraden ein wenig die Luft auszugehen scheint, sehen die meisten Auguren die AfD aktuell als drittstärkste Kraft – allerdings bleiben ihr die FDP, die Grünen und auch die Linke dicht auf den Fersen. Eine Mehrheit für die Union und die FDP erscheint immer noch möglich, ist aber nach dem Stand aktueller Umfragen eher unwahrscheinlich. Vieles deutet somit darauf hin, dass Merkel für vier weitere Jahre mit ihrem höchstpersönlichen „Lieblingspartner“, der SPD, die Geschicke in Deutschland lenken wird.

Auf welche Koalition wir uns zukünftig tatsächlich einstellen dürfen, sollte bereits am Abend des 24. September recht klar erkennbar sein, da es aus unserer Sicht nur zwei realistische Varianten gibt. Entweder „schwarz-gelb“ oder eine Fortsetzung der „GroKo“. Reicht es rechnerisch für schwarz-gelb, dürfte kaum ein Weg an dieser Konstellation vorbeiführen. Reicht es nicht, erleben wir wohl vier weitere Jahre eine Große Koalition. Andere bunte Varianten, wie etwa eine „Jamaika“-Koalition, erscheinen uns aufgrund deutlicher zwischenparteilicher Differenzen kaum vorstellbar.

Wie schnell die Koalitionsverhandlungen verlaufen werden, dürfte entscheidend von den Kräfteverhältnissen im neuen Bundestag abhängen. Käme die CDU/CSU mit einem deutlichen Vorsprung von 15-20 Prozentpunkten vor der SPD ins Ziel, könnte eine geschwächte SPD unter Umständen zu einigen raschen Zugeständnissen bereit sein, sodass eine Regierungsbildung letztlich etwas weniger Zeit in Anspruch nehmen könnte. Auch die Diskussion, ob die SPD das Finanzministerium besetzen darf, wäre in diesem Szenario wohl schnell zu Ungunsten der Sozialdemokraten beendet. Bei einer rechnerischen Mehrheit für schwarz-gelb ist hingegen vorstellbar, dass sich die FDP sehr teuer verkaufen wird. Je stärker das Ergebnis der Liberalen ausfällt, desto langwieriger könnten die Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen verlaufen. Eine derart schnelle Koalitionsverhandlung wie in 2013, als die Gespräche nach 35 Tagen abgeschlossen waren, ist diesmal eher unwahrscheinlich.

Die Bundestagswahl wird in diesen Tagen jedoch nicht das einzige politische Highlight sein, da die französische Regierung am Freitag die Verordnungen zur Arbeitsmarktreform beschließen wird. Am darauffolgenden Montag können diese dann in Kraft treten. In der letzten Woche hat es bereits an vielen Orten in Frankreich Demonstrationen gegen dieses wichtige Projekt des neuen französischen Präsidenten Macron gegeben. Weitere Proteste sind bereits angekündigt. Aufzuhalten ist die Reform wohl dennoch nicht mehr. Das Gesetz, welches neben einer Lockerung des Kündigungsschutzes auch eine Aufweichung der Tarifverträge vorsieht, könnte in unserem Nachbarland dazu beitragen, den Gordischen Knoten der hohen Arbeitslosigkeit zu durchschlagen. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes dürfte durch die Reform deutlich steigen. In Frankreich liegt die Arbeitslosenquote mit rund zehn Prozent auf einem doppelt so hohen Niveau wie bei uns hier in Deutschland. Sollte sich diese durch die Reform reduzieren und sollte sich das enorme wirtschaftliche Potenzial in Frankreich entfalten, könnte die europäische Wachstumsstory auch strukturell betrachtet neues Futter erhalten.

Was bedeutet das für die Anleger?

Die Politik als solche war es auch, welche die Finanzmärkte in den letzten Tagen bewegt hat – auch, wenn das, was rund um Nordkorea geschieht, häufig noch mit dem Zusatz „Geo“ versehen wird. Nachdem es rund um Pjöngjang kurzzeitig ruhiger geworden war, nahmen nämlich „geopolitische“ Spannungen nach einer erneuten unverblümten Provokation aus Nordkorea in Richtung Japan und USA in Form eines Raketentests abermals zu. Trotz des kurzfristigen Pawlowschen Fluchtreflexes in sichere Häfen wie US-Staatsanleihen, stellte sich an den Märkten äußerst rasch so etwas wie ein Gewöhnungseffekt ein. US-Aktienmärkte kletterten am Freitag sogar noch auf frische Allzeithochs. Scheinbar gilt das Motto: Solange es keine Anzeichen einer ernsthaften weiteren Eskalation gibt, gilt „business as usual“. Ein Muster, das wir leider schon von Terroranschlägen gewohnt sind. Bleibt nur zu hoffen, dass man außerhalb Nordkoreas weiter kühlen Kopf bewahrt und es weiter lediglich bei einem „Schattenboxen“ bleibt.

Auch die Geldpolitik mischt diese Woche kräftig mit. In Washington D.C. wird die US-Notenbank wohl das letzte Kapitel zum Thema ultralockere Geldpolitik aufschlagen. Mit der voraussichtlichen Verkündung des Beginns der Bilanzreduzierung steht auch den Rentenmärkten jenseits des Atlantiks in diesem Herbst noch einmal ein Test bevor. Die gute Berechenbarkeit der Operation lässt jedoch nicht nur vermuten, dass sich der Gegenwind für US-Treasuries & Co in Grenzen halten wird, sondern auch, dass das Vorhaben bereits weitestgehend eingepreist ist. Marktteilnehmer werden daher eher gespannt Zwischentönen Yellens zum geplanten Pfad der zukünftigen Zinspolitik lauschen.

Bis Ende 2018 stellt die US-Notenbank laut ihrer „Dot-Plots“ vier weitere Anhebungen in Höhe von 25 Basispunkten in Aussicht. Der Markt rechnet eher nur mit einer. Diese Diskrepanz birgt einen gewissen Sprengstoff, da Investoren die Entschlossenheit der US-Notenbank trotz der verhaltenen Inflationsdynamik unterschätzen könnten. Rückblickend hatten zu Jahresbeginn wohl auch nur wenige damit gerechnet, dass die Fed in 2017 zweimal (womöglich sogar dreimal) die Zinsen anhebt und zudem auch noch die Bilanzreduzierung auf den Weg bringt. Sollte die Fed ihren Plan auch in 2018 derart stringent durchziehen, besteht für US-Renditen kaum noch Spielraum nach unten.