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China: moderatere Zeiten

14-Nov-2017
By BlackRock

In diesem Jahr wird China wohl überraschend stark wachsen, doch für 2018 deutet einiges auf eine Abkühlung hin. Für Investoren muss das nicht nachteilig sein.

Mit einem BIP-Wachstum von 6,8% im dritten Quartal 2017 hat China gerade im Vergleich zum Vorjahr erneut positiv überrascht. Das Land liegt damit abermals über dem Wachstumsziel der Regierung von mindestens 6,5%. Eigentlich hatte man am Markt – nach 6,7% 2016 – für 2017 mit einer niedrigeren Wachstumsrate gerechnet. Doch jetzt sieht es anders aus, auch der IWF hat im Oktober seine BIP-Wachstumsprognose für China für 2017 auf 6,8% heraufgesetzt.

Für etwas Unruhe sorgte der 19. Parteikongress im Oktober. Partei- und Staatschef Xi Jinping propagierte die absolute Vorherrschaft der Partei über Gesellschaft und Wirtschaft. Seine Theorie eines Sozialismus chinesischer Prägung im neuen Zeitalter liess er sogar in die Statuten der Partei aufnehmen. Er selbst wurde vom Parteikongress auf eine Stufe mit Staatsgründer Mao Zedong gestellt.

Xis erste Amtszeit war von Krisen geprägt. 2015 und Anfang 2016 brachen die chinesischen Aktienmärkte ein. Investoren mussten heftige Verluste hinnehmen. Der die chinesischen Festlandsbörsen abbildende CSI 300 hat das Minus trotz deutlicher Gewinne in den vergangenen anderthalb Jahren immer noch nicht wieder wettmachen können.

Mit neuen Schulden und Investitionen in die Infrastruktur versuchte China gegenzuhalten. Das verschärfte das grösste Problem im Land nochmals: die hohen Schulden. Diese könnten Marktbeobachtern zufolge – im günstigen Fall – das Wachstum bremsen, im schlimmsten Fall aber eine neue Schuldenkrise auslösen. Ein weiteres Problem sind eventuelle protektionistische Massnahmen von Donald Trump. Denn China ist mit seinen hohen Handelsbilanzüberschüssen im Verhältnis zu den USA immer wieder Zielscheibe des US-Präsidenten und nährt damit seine protektionistischen Ambitionen gerade gegenüber diesem Handelspartner.

Investoren sollten das im Auge behalten, aber darüber die positive wirtschaftliche Entwicklung dieser riesigen Volkswirtschaft nicht aus dem Blick verlieren. In China wurde in den vergangenen Jahren viel Begrüssenswertes auf den Weg gebracht: So sagte Xi dem Schattenbankensystem den Kampf an, ebenso der Korruption. Als Ziel propagiert wurde die Umstellung der Wirtschaftsstruktur hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft und somit zu einem Wachstum auf breiter Basis. Von diesem Kurs will Xi auch jetzt nicht abweichen. So kündigte er auf dem Parteikongress eine weitere Öffnung der chinesischen Wirtschaft an. Der Kampf gegen die Korruption soll weitergehen. Qualitatives statt quantitatives Wirtschaftswachstum – das bleibt das Credo Pekings. Dazu gehören auch eine sauberere Umwelt sowie ein besseres Bildungs- und Gesundheitssystem.

Aus diesem Grund spricht einiges dafür, dass China in den kommenden Jahren weiter kräftig wachsen wird – und dies wohl nicht allein im Sektor der produzierenden Industrien. Allerdings werden die Wachstumsraten tendenziell rückläufig sein. Der IWF hat seine Prognose für Chinas BIP-Wachstum zwar auch für 2018 hochgesetzt, die prognostizierte Rate liegt mit 6,5% damit unter den Vorjahren. Ob die Drosselung ohne «harte Landung» funktionieren wird, hängt auch davon ab, wie der Abbau der Schulden und der Übergang zur Dienstleistungsgesellschaft tatsächlich gelingen. Risiken bleiben zudem die eventuelle Verschlechterung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen sowie eine Eskalation in der Nordkorea-Krise oder ein Konflikt im südchinesischen Meer.

Dass China weiter wächst, und das Wachstum «gesünder» wird, sind gute Zeichen auch für andere Emerging Markets. Positiv stimmt im Übrigen, dass der Indexanbieter MSCI im Sommer 2018 222 chinesische A-Aktien – also solche, die in Shanghai und Shenzhen in Renminbi gehandelt werden – in den MSCI Emerging Markets Index aufnehmen wird. Das bedeutet: Durch entsprechende Indexprodukte wird dann zwangsgläufig vermehrt Kapital in die chinesischen Aktienmärkte fliessen.