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Anleihen aus Schwellenländern: attraktiv für laufende Erträge

31-Okt-2017
By BlackRock

Emerging Markets sind die Wachstumsregionen der Welt. Investitionen in Schwellenländeranleihen bieten daher viele Chancen. Allerdings ist der Wirtschaftsraum alles andere als homogen. Zudem sprechen inzwischen teilweise hohe Bewertungen der Anleihen für selektives Vorgehen.

Bonds aus Schwellenländern gelten in Zeiten wie diesen als interessante Alternative zu Niedrigzinsanleihen aus entwickelten Industrieländern. Wegen der höheren Wachstumsraten und der niedrigeren Bonität der Emerging Markets im Vergleich zu Industrieländern bieten sie grundsätzlich die Chance auf attraktive Spreads. Dazu kommen Diversifikationsvorteile durch die niedrige Korrelation zu anderen Anlagen. Emerging Markets Debt ist daher längst im Mainstream angekommen.

In der ersten Jahreshälfte 2017 lagen Investoren mit Emerging Markets Debt genau richtig: Die Kurse für Schwellenländer-Bonds in US-Dollar haben deutlich angezogen, die für Anleihen in lokaler Währung durch die Erholung vieler Schwellenländerwährungen sogar noch mehr. Dem vorausgegangen war ein schwieriges Jahr 2016: Der Ölpreisverfall und die Sorgen um China hatten den Anleihen anfangs heftig zugesetzt. Erst darauf folgte eine Erholung. Zum Jahresende gab es dann wieder Rückschläge durch die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, die Ängste vor zunehmendem Protektionismus und politischer Polarisierung zwischen den grossen Wirtschaftsregionen schürte.

Auch der Markt für Staats- und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern hat sich dynamisch entwickelt und wächst immer noch. Die Liquidität ist in vielen Fällen kein Problem mehr. Neben Anleihen in Lokalwährungen gibt es auch solche in Hartwährungen, vor allem US-Dollar, aber auch in Euro. Zahlreiche Papiere verfügen über ein Investment Grade- Rating. Wer nicht direkt investieren will, dem steht eine grosse Palette an aktiv gemanagten Fonds bereit, die auf das Generieren von Alpha abzielen – breit aufgestellt oder mit regionalem Schwerpunkt. ETFs ermöglichen zudem eine einfache, kostengünstige und transparente Anlage im Markt. Produkte mit Hedging schliessen Währungsrisiken aus. Im Ergebnis können ganz unterschiedliche Investorenbedürfnisse angesprochen werden.

Aktuell gibt es für Festverzinsliches aus Schwellenländern viele gute Argumente: Da ist zum einen das stabile globale Umfeld mit soliden Wachstumsraten fast überall auf der Welt. Der internationale Handel zieht wieder an. Die Währungen der meisten Schwellenländer haben nach der Schwächephase wieder deutlich zulegen können. Rückenwind kommt auch von den für viele Emerging Markets wichtigen Rohstoffen: Der Ölpreis hat sich stabilisiert, die Preise vieler Industriemetalle haben Mehrjahreshochs erreicht.

Zudem haben sich die Leistungsbilanzen der meisten Schwellenländer in den vergangenen Jahren verbessert, die Anfälligkeit etwa gegenüber einer US-Zinserhöhung ist damit gesunken. Druck durch einen rapide wieder steigenden US-Dollar ist nicht zu erwarten, die Leitzinserhöhungen in den USA werden voraussichtlich weiter moderat ausfallen. Viele Zentralbanken in Emerging Markets haben – anders als die Notenbanken in den Industrieländern – darüber hinaus auch noch die Möglichkeit, ihre Leitzinsen zu senken. Die Inflation dürfte also gedämpft bleiben. Im Vergleich zu Industrieländeranleihen sollten sich Anleihen von Schwellenländern daher besser entwickeln, die Spreads sollten sinken.

Doch den aktuellen Chancen stehen auch Risiken gegenüber: So könnten die Schwellenländer leiden, wenn die Wachstumsdynamik in der Welt abflacht, die US-Renditen schneller steigen als erwartet oder auch der US-Dollar sich doch rapide verteuern sollte. Gefragt ist zudem ein selektiver Ansatz. Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland: Wieder stabileren Ländern wie Brasilien und Russland stehen problematische Länder wie die Türkei und höchst riskante Länder wie Venezuela gegenüber.

Vor allem aber sind die Bewertungen wegen der sehr guten Entwicklung von Emerging Markets-Anleihen in der ersten Jahreshälfte schon hoch – nicht nur der auf US-Dollar lautenden Papiere, sondern auch der in lokalen Währungen. Emerging Markets Debt taugt daher im Moment eher als laufende Ertragsquelle. Auf hohe Kursgewinne sollten Anleger nicht spekulieren.