FÜR QUALIFIZIERTE ANLEGER

Faktor-Investing: mehr als die Marktrendite

11-Sep-2017
By BlackRock

Renditetreiber systematisch auszunutzen, das ist das Ziel von Faktor-Investing. Jeder Faktor hat seine Stärke – aber nicht zu jeder Zeit.

Niedrige Zinsen, weit gelaufene Aktienmärkte, instabile Korrelationen: Leicht haben es Anleger derzeit nicht. Seit einigen Jahren ist daher Faktor-Investing en vogue – vor allem bei institutionellen Anlegern, aber auch zunehmend bei privaten. Faktor-Investing verspricht höhere risikobereinigte Renditen und eine zusätzliche Portfoliodiversifizierung.

Doch was ist Faktor-Investing eigentlich? Hintergrund ist die Feststellung, dass es bestimmte quantifizierbare Eigenschaften von Wertpapieren gibt, die höhere Erträge liefern als der Marktdurchschnitt. So konnte zum Beispiel festgestellt werden, dass sich Value-Aktien, also gemessen an Fundamentaldaten wie Gewinn und Cashflow unterbewertete Wertpapiere – langfristig überdurchschnittlich entwickeln. Beim Faktor-Investing wird daher das Portfolio mithilfe von Faktoren so ausgerichtet, dass – das ist das Ziel – eine Überrendite im Vergleich zum Gesamtmarkt herauskommt.

Zu den bekanntesten Faktoren im Aktienbereich zählen Quality, Value, Size, Momentum und Minimum Volatility. Im Rahmen von Quality-Strategien werden Unternehmen guter Qualität ausgewählt, festgemacht zum Beispiel an soliden Erträgen und einer hohen Eigenkapitalrendite. Size-Strategien zielen auf Aktien kleiner Unternehmen ab, Momentum- Strategien auf Aktien mit einer zuletzt überdurchschnittlichen Entwicklung. Der Minimum Volatility-Faktor stellt darauf ab, dass sich schwankungsärmere Aktien in einem volatilen Marktumfeld besser entwickeln als stark schwankende.

Zahlreiche empirische Untersuchungen haben die langfristige Überlegenheit von Faktor- Strategien gegenüber dem allgemeinen Aktienmarkt bestätigt. Im Anleihebereich ist Faktor- Investing noch nicht so etabliert, doch gibt es auch hier erste vielversprechende Ansätze.

Wichtig ist: Kurzfristig ist eine Underperformance von Faktor-Strategien durchaus möglich,denn nicht alle Faktorstrategien laufen in allen Phasen des Konjunkturzyklus gleich gut. So bewähren sich Value- und Size-Strategien besonders in Phasen schwachen und anziehenden Wachstums. Läuft die Konjunktur noch, das Wachstum lässt aber nach, schneiden Quality-Titel besonders gut ab. Das gilt auch für Krisenzeiten. Momentum- Strategien punkten hingegen insbesondere in langlaufenden Hausse-Phasen.

Für Anleger ist das Timing allerdings alles andere als leicht. Daher gibt es seit einiger Zeit Multi-Faktor-Strategien, die auf ein diversifiziertes, auf mehrere Faktoren ausgerichtetes Engagement abzielen. Wegen der geringen Korrelation der Faktoren zueinander können sich Multi-Faktor-Strategien unter vielen Marktbedingungen positiv entwickeln.

Anleger haben die Wahl: Wer die Faktorallokation in die Hände von Fachleuten legen möchte, für den bieten sich aktiv gemanagte Fonds an, etwa Produkte mit strategischer und taktischer Faktorallokation. Seit einigen Jahren gibt es darüber hinaus die Möglichkeit, auch über ETFs von dieser Strategie zu profitieren, mit einem Single- oder einem Multi-Faktor- Ansatz. Solche ETFs beziehen sich auf transparente, faktorbasierte Indizes. Anleger, die selbst für die Allokation in ihrem Portfolio Sorge tragen wollen, finden hier kostengünstige Bausteine.

Faktor-Investing, ob aktiv oder passiv, bietet Anlegern also die Chance auf eine überdurchschnittliche Rendite, weniger Risiko und eine bessere Diversifizierung des Portfolios – keine schlechten Argumente also im derzeitigen Umfeld.