Die Stadt der Zukunft entwerfen

Bietet die aktuelle Pandemie die Chance, grosse Städte durch gezielte Investitionen in eine intelligente Infrastruktur umzuwandeln?

Bis im Jahr 2050 werden mehr als zwei Drittel der Menschen in städtischen Ballungsräumen leben. Europa ist dieser Entwicklung sogar noch voraus: Fast drei Viertel der Bevölkerung leben in immer grösser werdenden Städten.[1]

Es waren auch die städtischen Gebiete, die in den letzten Monaten die Hauptlast der Covid-19-Pandemie getragen haben, sowohl wirtschaftlich als auch in Bezug auf die Gesellschaft. Eine Frage hat deshalb an Aktualität gewonnen: Wie kann das Zusammenleben von vielen Menschen an einem Ort am besten bewältigt werden? Der Prozess der Urbanisierung wird sich kaum mehr verlangsamen, denn Städte bilden die Basis für Fortschritt. Während immer grössere Städte unsere Gesellschaft vor grosse Herausforderungen stellen, bietet sich für Investoren die Möglichkeit, Kapital in neue Finanzierungslösungen zu investieren, die diesem Trend Rechnung tragen.

Lösungen für intelligente Städte

Je grösser die Städte werden, desto eher werden technologische Lösungen gesucht, um die damit einhergehenden Probleme anzugehen und künftiges Wachstum zu bewältigen. Die Idee der «intelligenten Städte» hat zweifellos an Boden gewonnen. Technologiebasierte Lösungen setzen auf effizientere öffentliche Dienstleistungen, um die städtische Umwelt grüner und sicherer zu machen. Solche Initiativen decken eine ganze Reihe von Bereichen ab, aber einige wenige Projekte sehen besonders vielversprechend aus. Investoren haben damit die Möglichkeit, die Städte der Zukunft mitzugestalten.

So war der Bereich erneuerbare Energien im vergangenen Jahr der aktivste Sektor bei Infrastrukturinvestitionen, auf den mehr als 50% der Transaktionen entfielen[2]. Bis 2050 werden erneuerbare Energien wie Wind, Sonne und Wasserkraft voraussichtlich zwei Drittel des weltweiten Strombedarfs erzeugen. Es wird erwartet, dass Elektrizität weltweit am meisten Energie verbrauchen wird: Von einem Anteil von heute 19% am Energiebedarf auf 45% bis im Jahr 2040[3]. Die Nutzung erneuerbarer Energien in diesem Umfang wird weitreichende Veränderungen in der gesamten Wertschöpfungskette der Elektrizität erfordern. Dies bietet Chancen für Investoren, die sowohl finanzielle Ziele wie auch Nachhaltigkeitsziele verfolgen.

Der Verkehr ist ein weiterer wichtiger Treiber für Wirtschaftswachstum und Wettbewerbsfähigkeit, und Investitionen in diesen Bereich können gezielt getätigt werden. Der IWF schätzt, dass für jeden Dollar, der in die Verkehrsinfrastruktur investiert wird, die Produktion um fast drei Dollar steigt. Bessere öffentliche Verkehrsnetze sind auch die Voraussetzung, um das Ziel der Europäischen Union zu erreichen, welches die verkehrsbedingten Treibhausgasemissionen bis 2050 um 60% reduzieren will. Zugleich wird durch den öffentlichen Verkehr die Lebensqualität der Stadtbewohner verbessert. 

Konnektivität ist das Schlüsselwort der meisten Initiativen für intelligente Städte. Intelligente Energie- und Verkehrsnetze sind durch Technologien wie das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) miteinander verbunden. Damit ist es möglich, untereinander zu kommunizieren und rasch auf eine sich verändernde Nachfrage zu reagieren – oder die Nachfrage gar bewusst zu steuern. Damit diese digitale Infrastruktur funktioniert, braucht es neue Technologien wie 5G. Der Telekommunikationssektor bietet daher eine wichtige Investitionsmöglichkeit.

Investitionen in die Infrastruktur

Nach der globalen Finanzkrise haben viele Städte harte Sparmassnahmen ergriffen. Es schlug die Stunde von Private Equity, also von privatem Beteiligungskapital, mit dem die Infrastrukturentwicklung in den Städten finanziert wurde. Covid-19 hat den Finanzbedarf noch einmal markant erhöht. Bislang waren die meisten dieser Investitionen aber institutionellen Anlegern vorbehalten. Ihnen kam entgegen, dass sie mit Infrastrukturprojekten ihre langfristigen Verbindlichkeiten decken und die nötige Rendite erzielen konnten.

Für nicht-institutionelle Investoren wurden Infrastrukturprojekte als mögliche «Alternativen» in die Vermögensallokation einbezogen. Aufgrund der unterschiedlichen Risikoprofile bei Infrastrukturanlagen muss auf jeden Fall ein differenzierter Ansatz gewählt werden. Infrastrukturinvestitionen bieten sowohl Investment-Grade- als auch hochverzinsliche Ertrags-Chancen, während weiter oben im Risiko-/Ertragsspektrum Infrastrukturaktien höhere Wachstumschancen bieten können. Im Allgemeinen gelten Investitionen in eine Infrastruktur als wenig risikoreich. Aufgrund steigender Bewertungen können Vermögenswerte in der Entwicklungs- oder Bauphase jetzt ein noch besseres Risiko-Rendite-Profil aufweisen.

Für die meisten Investoren sind finanzielle Erträge allerdings nicht das einzige Ziel. Investitionen in intelligente Städte bieten die Chance, die Städte der Zukunft mitzugestalten. Investoren können ihre Investitionen zudem auf ihre wichtigsten Ziele wie die Bekämpfung des Klimawandels oder die Verringerung der Einkommensunterschiede ausrichten.

Zeit für ein Umdenken

Auch wenn es bei einigen Infrastrukturprojekten in der Bauphase aufgrund von Lieferketten- und Arbeitsunterbrüchen zu kurzfristigen Verzögerungen gekommen ist, hat die Pandemie die Nachfrage nach den meisten intelligenten städtischen Infrastrukturen nicht gebremst. Der Verkehrssektor wurde vorübergehend in Mitleidenschaft gezogen, da viele Beschäftigten von zu Hause aus arbeiten. Einige fragen sich, ob die Nachfrage jemals wieder das Niveau von vor der Pandemie erreichen werde. Aber mit dem allgemeinen Bevölkerungswachstum dürfte es weiterhin eine hohe Nachfrage nach Transportmöglichkeiten geben – selbst dann, wenn mehr Menschen in abgelegenen Gebieten arbeiten. Was sich allenfalls verändert ist die Art des Transports. Viele Städte haben die Covid-Verschnaufpause genutzt, um an einer Änderung des Verkehrsmixes zu arbeiten, z.B. an der Erweiterung und Verbesserung ihrer Velowege und der Trottoirs.

Covid-19 hat zweifellos zu einer vorübergehenden Entspannung der Situation in vielen Städten geführt. Nun werden Forderungen nach einem «grünen Wirtschaftsaufschwung» laut: Er will die Krise als Chance nutzen und die Städte nicht nur klimafreundlicher, sondern auch widerstandsfähiger machen. Anstatt eine existenzielle Bedrohung für die Städte zu sein, könnte die Pandemie im besten Fall zu einem nachhaltigeren und integrativeren Städtebau führen. Anleger, die jetzt in Infrastrukturprojekte investieren, haben deshalb die Chance, diese Zukunft aktiv mitzugestalten.

(E) BrandConnect, einer kommerziellen Abteilung von The Economist Group, die unabhängig von den Redaktionen von The Economist und The Economist Intelligence Unit arbeitet. Weder (E) BrandConnect noch seine angeschlossenen Unternehmen übernehmen irgendeine Verantwortung oder Haftung für das Vertrauen einer Partei in diesen Inhalt.

[1] UN, 68% of the world population projected to live in urban areas by 2050, says UN, Mai 2018
[2] BlackRock, Renewables are proving resilient, Mai 2020
[3] BlackRock, Renewables are proving resilient, Mai 2020