Welche rolle spielen Alternative Anlagen in den Portfolios von Anlegern?

Was sind Alternative Anlagen und was können sie bieten? Diese Frage sollte man klären, bevor man sich Gedanken über die Allokation macht. Vermögensverwalter fordern die Anbieter alternativer Anlagen auf, für mehr Klarheit zu sorgen und ihre Ansichten zu einer optimalen Allokation in Kundenportfolios darzulegen.

Alternative Anlagen werden eingesetzt, um das Risiko, insbesondere das Aktienrisiko, zu steuern und in einem Umfeld negativer Realzinsen alternative Ertragsquellen zu erschliessen[1].

Die Diskussionsteilnehmer verfügen über diversifizierte Engagements in alternativen Anlagen, wobei die Präferenzen variieren und von Sachwerten bis hin zu Hedgefonds reichen. Die Erfüllung der Portfolioziele der Kunden und die Transparenz des Ansatzes werden als die wichtigsten Faktoren ausgemacht. Ausserdem wird eine genauere Definition alternativer Anlagekategorien gefordert.

Die Teilnehmer der Diskussionsrunde stimmen darin überein, dass die Suche nach Wegen zur Steuerung der Volatilität, insbesondere der Aktienvolatilität, und die Suche nach alternativen Ertragsquellen in einem Umfeld, in dem die meisten Staatsobligationen keine positiven Realrenditen abwerfen, die Hauptmotive für eine Investition in Alternative Anlagen sind[2].

Diese doppelte Dynamik wird von William Dinning, Chief Investment Officer von Waverton Investment Management, erläutert. Das Unternehmen teilt das Universum in zwei Gruppen ein. Absolute-Return-Strategien sollen die Volatilität im Gesamtportfolio verringern und in Zeiten volatiler Aktienmärkte eine gewisse Rendite erzielen[3]. «Innerhalb der Absolute-Return-Strategien ist es schwierig, diejenigen zu finden, die genau das liefern, was sie versprechen. Die Suche lohnt sich aus unserer Sicht aber», sagt er.

Die andere Gruppe von Anlagen, die das Unternehmen von Dinning zusammenfasst, sind Sachwerte. Diese definiert er als Anlagen ausser Aktien oder traditionelle Immobilieninvestitionen, die eine gewisse Rendite bringen. «Ein Teil der Rendite stammt aus Erträgen, ein Teil aus Kapitalgewinnen», sagt er. Diese Allokation sei zwar nicht völlig konjunkturunabhängig, biete aber Zugang zu anderen Risikoprämien als konventionelle Aktien oder Unternehmensobligationen.

Diese Einschätzung teilt Alex Orr, Director im Team für Alternative Anlagen von BlackRock. Das Unternehmen sieht in allen Kundensegmenten klare Trends bei liquiden Alternativen und auf dem privaten Markt. «Bei liquiden Alternativen und Absolute-Return-Strategien lag der Fokus auf unkorrelierten Renditen», sagt er. Hier stünden zwei Aspekte im Vordergrund: zum einen das Risikomanagement, das sich in einem geringen Nettoexposure und der Minimierung des Marktrisikos äussere, und zum anderen die Expertise erfahrener Portfoliomanager, die auf der Long- und Short-Seite erfolgreich agiere.

Auf dem privaten Markt gebe es eine Vielzahl unterschiedlicher Investitionen, die von Private Equity und Privatkrediten bis hin zu Immobilien und Infrastruktur reiche. «Diese Anlageklassen besitzen unterschiedliche Merkmale und Vorteile. In den letzten Jahren wurde vermehrt in Sachwerte und Privatkredite investiert, da die Anleger nach höheren Renditen suchten», fügt er hinzu.

Shane Balkham, Chief Investment Officer von Beaufort Investment, definiert Alternative Anlagen als Investments, die «andere Ergebnisse als Aktien, Obligationen oder Immobilien liefern». Sein Unternehmen setzt hierfür auf einen Multi-Strategy-Fonds, der Derivate verwendet, um unterschiedliche Exposures in verschiedenen Märkten zu erreichen. Die goldene Regel bestehe darin, die zugrunde liegende Strategie zu verstehen: «Wir bevorzugen einfachere Lösungen. Wenn etwas unklar ist, lassen wir die Finger davon», sagt er.

«Wir bevorzugen einfachere Lösungen. Wenn etwas unklar ist, lassen wir die Finger davon.»

Shane Balkham, Chief Investment Officer von Beaufort Investment

Alternative Anlagen verstehen

Tom Davies, Senior Investment Manager bei Quartet Investment Managers, stellt fest, dass es entscheidend sei, alternative Ertragsquellen zu finden.

Gleichzeitig kann eine mangelnde Abgrenzung zwischen den verschiedenen Arten von alternativen Anlagen zu Risiken führen. Kelli Byrnes, Beraterin im Portfolio Analysis and Solutions-Team von BlackRock, weist auf die Gefahren einer Überkonzentration hin und bemerkt, dass der Anteil alternativer Anlagen in der Praxis manchmal aus einem einzigen Sachwertfonds bestehe.

«Unter alternativen Anlagen können alle Anlageklassen fallen, die nicht den traditionellen Aktien oder Obligationen zuzuordnen sind», erklärt sie. «Es ist entscheidend, genau zu verstehen, welche Rolle die alternativen Anlagen spielen sollen.»

Laut Balkham ist es hilfreich, bei der Betrachtung der Anlageklasse in umgekehrter Reihenfolge vorzugehen. «Ich würde es von hinten betrachten und mir die Frage stellen: Was wollen die Manager erreichen, und wäre dies auch mit traditionellen Anlagen möglich? Kann das Ziel, das mit dem alternativen Investment angestrebt wird, über eine Investition in Aktien, Obligationen und Immobilien erreicht werden?», fragt er.

Im Allgemeinen prüfe er, welche Bereiche an alternative Manager ausgelagert werden können. «Derivate sind ein offensichtliches Beispiel. Doch es ist wichtig, die Renditetreiber des jeweiligen Fonds zu analysieren und genau zu verstehen.» Sobald in dieser Hinsicht Klarheit bestehe, sollte man prüfen, ob der Anlageprozess robust, nachhaltig und wiederholbar sei, erklärt Balkham und fährt weiter: «Können die Manager dafür eine überzeugende Erfolgsbilanz vorweisen? Werde ich nachts ruhig schlafen können, weil ich weiss, dass der Fonds die Diversifikation des Gesamtportfolios verbessert?»

1: Risiken können zwar mithilfe des hierin beschriebenen Anlageansatzes gesteuert, jedoch nicht ausgeschlossen werden.

2: [Der Fonds/Die Strategie] sollte, absolut gesehen, nicht als risikoarm betrachtet werden und ist möglicherweise nicht für vorsichtige Anleger geeignet.

3: Durch seine Anlagestrategie bewegt sich ein «Absolute Return»-Fonds unter Umständen nicht im Einklang mit der Marktentwicklung oder profitiert nicht in vollem Umfang von einem positiven Marktumfeld.

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