Navigieren in einem alternativen Universum

Meiner Ansicht nach besteht die grösste Herausforderung für die Vermögensverwalter darin, genau zu wissen, welchen Risiken ihre Kunden ausgesetzt sind.

Marcos Camhis
FOS Vermögensverwaltung

«Unsere Hedge-Fonds-Zuteilungen sind im Laufe der Zeit ziemlich konstant geblieben, und die meisten Kunden halten in diesem Bereich zwischen 10% und 15%. Insgesamt sind wir der Meinung, dass sie attraktive Renditen und eine gute Dekorrelation zu traditionellen Anlageklassen bieten.»
Izabel Moura, Brainvest

Für Marcos Camhis, CEO von FOS Asset Management, ist klar: «Während einige alternative Anlageklassen – insbesondere Hedge-Fonds – immer wieder in den Schlagzeilen sind, hat das Anlageuniversum zahlreiche weitere Möglichkeiten zu bieten.» So gebe es im Bereich Alternative Anlagen viele Chancen, und der Begriff selbst sei so etwas wie ein Auffangbecken geworden. «Im Wesentlichen umfasst er alles, was nicht einfach nur ein traditionelles Portfoliogrundgerüst ist – also beispielsweise Aktien, Anleihen oder Bargeld.»

Diese grosse Vielfalt sowie die unterschiedlichen Risiko-/Ertragsprofile und Liquiditätsaspekte jeder einzelnen Anlageklasse böten zwar zusätzliche Diversifikationsmöglichkeiten, stellten aber auch eine Herausforderung dar. Gemäss Marcos Camhis ist für den Erfolg entscheidend, wie gut Alternative Anlagen zu den anderen Anlagen der Kunden passen. «Alternative Anlagen sind ein wichtiges Instrument für die Diversifikation und für stabile Erträge. Dennoch ist es unabdingbar, die Kohärenz der Allokation innerhalb des Gesamtportfolios eines Kunden zu verstehen», erklärt er. So könnte ein Kunde beispielsweise ein beträchtliches Engagement in Long- und Short-Equity-Hedgefonds haben, um dies wieder auszugleichen.  

Eine weitere spezifische Herausforderung stellt laut Marcos Camhis der Zugang dar. Der Hedge-Fonds-Bereich wurde nach und nach demokratisiert, und viele Manager würden heute in einem stark regulierten Umfeld agieren, insbesondere bei so genannten OGAW1 -Produkten. «Durch diese Entwicklung sind solche Produkte für ein breites Spektrum von Anlegern zugänglich geworden und bieten eine viel grössere Liquidität.»

Die Dinge klar halten 

Andere Bereiche dagegen können deutlich weniger liquide sein. Zum Beispiel sind innerhalb von Private Equity und Immobilien sieben- bis zehnjährige Investitionszyklen immer noch die Norm. «Meiner Ansicht nach besteht die grösste Herausforderung für die Vermögensverwalter darin, genau zu wissen, welchen Risiken ihre Kunden ausgesetzt sind, und ihnen dies klar zu erklären. Ansonsten besteht das Risiko, dass ein Vermögensverwalter eine langfristige Investition vorschlägt, deren Auswirkungen der Kunde nicht vollständig abschätzen kann», sagt er.

Innerhalb seines eigenen Unternehmens teilt Marcos Camhis Alternative Anlagen in verschiedene Liquiditätsklassen ein. «Während meiner früheren Erfahrung als Hedge-Fonds-Investor habe ich viele Diskrepanzen in diesem Bereich gesehen, zum Beispiel Fonds-Portfolios mit monatlicher oder vierteljährlicher Liquidität, die illiquiden Private-Equity- und Immobilienbeständen zugeteilt wurden», erklärt er. Damals sei ihm die Wichtigkeit klarer Liquiditätsprofile bewusst geworden.

Eine Möglichkeit, dennoch auf traditionell illiquide alternative Anlageklassen wie Private Equity, Immobilien und Infrastruktur zuzugreifen, sind für Marcos Camhis börsenkotierte Produkte. «Diese haben viele Vorteile: Sie bieten ein gewisses Mass an Regulierung, und die Liquiditätsprämie2 ist in der Prämie bzw. dem Abschlag des Handelspreises deutlich sichtbar.» An den Londoner Börsen ging die Anzahl börsenkotierter Hedge-Fonds-Produkte nach 2008 deutlich zurück. Es gab dafür vermehrt Alternativen aus den Bereichen Infrastruktur, erneuerbare Energien und Private Equity. An der Schweizer Börse sind derzeit börsenkotierte Immobilien bei Investoren besonders beliebt.  

Das weniger liquide Ende des alternativen Spektrums sei ein Wachstumsbereich für Brainvest gewesen, sagt deren Anlagespezialistin Izabel Moura. «Wir haben unsere Allokation in Alternative Anlagen in den letzten fünf Jahren schrittweise erhöht. Wir sind zwar nach wie vor Hedge-Fonds-Investoren, aber der grösste Teil des Zuwachses entfällt auf weniger liquide Strategien wie Private Equity, privates Fremdkapital und Risikokapital», so Izabel Moura.  

Grund dafür sei die sinkende Rendite auf festverzinsliche Anlagen: «Wir glauben, dass es jetzt eine deutliche Asymmetrie für die Kunden gibt, was die Höhe der Gewinne oder Verluste betrifft. Und wir haben uns alternativen Anlagen zugewandt, um den Rückstand wieder aufzuholen», führt sie aus. 

Als alternative Einkommensquelle sei für ihre Firma der Immobilienbereich interessant. «In diesem Bereich bevorzugen wir einkommensschaffende Strategien mit realen Basiswerten, die uns eine gewisse Garantie bieten», stellt sie fest. Dementsprechend sei der Grossteil der privaten Schulden der Firma mit Immobilien verbunden.  

Gleichzeitig seien Hedge-Fonds weiterhin ein Teil der Kundenportfolios. «Wir verfolgen innerhalb der Hedge-Fonds einen breit gefächerten Ansatz und setzen auf verschiedene Anlageklassen», sagt Izabel Moura. «Unsere Hedge-Fonds-Allokationen sind im Laufe der Zeit ziemlich konstant geblieben, und die meisten Kunden halten zwischen 10% und 15% in diesem Bereich. Insgesamt sind wir der Meinung, dass sie attraktive Renditen und eine gute Dekorrelation zu traditionellen Anlageklassen bieten.»

1 Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren

2 Eine Liquiditätsprämie ist die Bezeichnung für den zusätzlichen Ertrag einer Anlage, die nicht ohne weiteres zum fairen Marktwert verkauft werden kann.