Auf der Jagd nach grösserem Wachstum

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Die Covid-19-Pandemie hat dazu geführt, dass die Menschen vermehrt zu Hause geblieben sind. Sie hat aber auch Unternehmen davon abgehalten, an die Börse zu gehen. Ist dies nur ein vorübergehender Einbruch oder wird der Rückgang von Dauer sein?

Börsengänge (IPOs) sind bereits seit einem Jahrzehnt weltweit rückläufig. Seit sich aber die Folgen der Covid-19-Pandemie in der ersten Hälfte des Jahres 2020 mit voller Wucht bemerkbar machten, kamen Börsengänge praktisch zum Erliegen. In Europa erfolgten nur noch 28 Börsengänge, verglichen mit 53 in der ersten Hälfte des Jahres 2019. Auch das wertmässige Volumen ist massiv eingebrochen: Von 12,2 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro1.

Noch deutlicher war der Rückgang an der Londoner Börse, wo im zweiten Quartal nur ein einziger Börsengang (eines Venture-Capital-Trusts) stattfand. In Europa gab es im vergangenen Jahr 106 IPOs. Zum Vergleich: 2011 waren es noch 457. Auch hier ging der Wert deutlich zurück und liegt mit 22 Milliarden bei etwas mehr als einem Drittel des Wertes von 2015. 2

Im Gegensatz dazu haben sich die privaten Märkte von 2,5 Billionen Dollar im Dezember 2007 auf 7,7 Billionen Dollar im Jahr 2020 verdreifacht. Zwar ist es noch zu früh, um abschliessend zu beurteilen, ob Covid-19 den Rückgang der Börsengänge langfristig beschleunigt. Allerdings stellen wir fest, dass sich Investoren auf der Suche nach höheren Renditen und einer besseren Diversifikation zunehmend privaten Marktwerten zuwenden.

Das Wachstum der privaten Märkte

Zu den privaten Marktinvestitionen zählen alle illiquiden Investitionen. Private Equity (PE) und Risikokapital (VC) sind zwei der bekanntesten Kategorien. Während VC-Fonds in Neugründungen und andere junge Unternehmen investieren, die Potenzial für langfristiges Wachstum aufweisen, unterstützt PE tendenziell reifere Unternehmen, die Kapital benötigen, um bedeutende Veränderungen zu finanzieren. Beide Aktivitäten sind unerlässlich, damit Unternehmen später entweder für einen Börsengang gerüstet sind oder als Alternative zum Börsengang aus eigener Kraft wachsen können.

Es gibt zahlreiche Gründe für das Wachstum der privaten Märkte. Einer davon ist ganz klar der zunehmende Wunsch vieler Unternehmen, länger privat zu bleiben. Die Kosten und der Ärger, ein Unternehmen an die Börse zu bringen und dort auch zu bleiben, sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Reifere Unternehmen, die an die Börse gegangen sind, können PE nutzen, um sich wieder ins Private zurückzuziehen.

Die Zunahme passiver Investitionen hat auch dazu geführt, dass ein früher Börsengang für Unternehmen weniger attraktiv ist. Kleinere Unternehmen sind nicht gross oder liquide genug, um in viele der Indizes aufgenommen zu werden, die von passiven Fonds nachgebildet werden. Zudem sind die verbleibenden aktiven Investoren tendenziell weniger bereit, bei kleineren Firmen ein Risiko einzugehen. Institutionelle Anleger legen stattdessen einen grossen und wachsenden Anteil ihres Vermögens an privaten Märkten an. Mit ihren langfristigen Verbindlichkeiten können sie abwarten und einen längeren Horizont anstreben. Allerdings geht eine bessere Rendite in der Regel zulasten der Liquidität. Genügend Ressourcen sowie das Fachwissen institutioneller Anleger sind deshalb zwingend nötig, um die richtigen Gelegenheiten zu eruieren, da es deutlich weniger Daten über Privatunternehmen gibt.3

Zugang zu privaten Märkten

Im Vergleich zu öffentlich kotierten Vermögenswerten weisen Vermögenswerte auf dem privaten Markt eine geringere buchhalterische Volatilität auf. Sie sind von der Stimmung isoliert, sind weniger anfällig für Zwangsverkäufe. Einige Vermögenswerte sind auch weniger mit den öffentlichen Märkten korreliert. Sie sind jedoch längerfristig und weniger liquide als ihre öffentlichen Pendants, weshalb private Märkte bisher hauptsächlich institutionellen Anlegern vorbehalten waren.

Mit zunehmender Reife des Marktes wurden mehr Produkte entwickelt, welche die Renditen der privaten Märkte auch in einer Struktur anbieten können, die besser auf den einzelnen Anleger zugeschnitten ist. Dachfonds, die Anteile an privaten Partnerschaften halten, oder ETFs, die einem Index von öffentlich gehandelten Unternehmen folgen, der in private Aktien investiert, sind mögliche Optionen.

Der Mangel an öffentlich zugänglichen Informationen über Privatunternehmen führt dazu, dass rigorose Kriterien bei der Risikoprüfung, Disziplin und Geduld erforderlich sind, um die richtigen Investitionen zu tätigen. Diese Anforderungen haben im Laufe der Covid-19-Pandemie noch zugenommen, da die Investoren von den Unternehmen eine noch umfassendere Offenlegung und Analyse ihrer Annahmen verlangen, um in Szenarien zu planen. Während die Zukunft naturgemäss immer ungewiss ist, scheint sie das jetzt ganz besonders zu sein.4

Investitionen für den Aufschwung

Wo es Risiken gibt, bieten sich aber immer auch Chancen. So könnten sich diese beispiellosen Zeiten als eine Boomzeit für private Märkte herausstellen. Für den privaten Markt zählte bereits das Jahr direkt nach der globalen Finanzkrise zu den besten, die es je gab. Der aktuelle Markt bietet eine ähnliche Gelegenheit, um von der wirtschaftlichen Erholung zu profitieren.

Das derzeitige Umfeld ist aufgrund der Reife des Sektors und der Verfügbarkeit von Kapital natürlich nicht dasselbe wie nach der Finanzkrise. Es ist auch deshalb anders, weil die Erholung nicht für alle Bereiche gilt – es wird eine grössere Streuung der Ergebnisse über Volkswirtschaften, Sektoren und Unternehmen geben, da die Pandemie strukturelle Veränderungen in der Wirtschaft vorantreibt.

Gut ausgewählte private Vermögenswerte können jedoch in geschützten Strukturen immer noch bessere Renditen und Spreads bieten als liquidere Vermögenswerte. Vielmehr unterstreichen die Auswirkungen von Covid-19 und die daraus resultierende Marktvolatilität die Wichtigkeit des privaten Vermögens beim Aufbau widerstandsfähigerer Portfolios.

[1] PWC, IPO Watch Europe Q3 2020, Juli 2020  

[2] EY, IPOs all but absent in Q2, but existing issuers rushed to market to raise cash, Juli 2020

[3] The Economist , Privacy and its limits: Everyone now believes that private markets are better than public ones, Januar 2020 

[4] PWC, IPO Watch Europe Special Edition: Dealing with the impact of Covid-19, Juni 2020

(E) BrandConnect, einer kommerziellen Abteilung von The Economist Group, die unabhängig von den Redaktionen von The Economist und The Economist Intelligence Unit arbeitet. Weder (E) BrandConnect noch seine angeschlossenen Unternehmen übernehmen irgendeine Verantwortung oder Haftung für das Vertrauen einer Partei in diesen Inhalt.