Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA
BlackRock Kapitalmarktstratege

„Endlich“ möchte man sagen – endlich ist das Finanzmarktjahr 2018 Geschichte. Wohin man schaut: Kaum eine Investmentstrategie, die das Jahr 2018 erfolgreich abschließen konnte. Angesichts negativer Wertentwicklungen über nahezu alle Assetklassen hinweg verwundert das jedoch nur wenig. Spärlich gesät sind die Aktienmärkte, die nicht das schwärzeste Jahr seit der Finanzkrise verzeichneten. Sharpe-Ratios breit diversifizierter Portfolios stürzten mit atemberaubender Geschwindigkeit von Rekordhöhen im Jahr 2017 innerhalb weniger Monate in negatives Terrain ab. Gleichzeitig mussten Investoren Abschied nehmen von vermeintlichen Gesetzmäßigkeiten des Marktes, an die man sich in den letzten Jahren mitunter gerne gewöhnt hatte. Denken wir etwa an die schmerzhafte Erfahrung aus dem Februar, seit der wir wissen, dass das konsequente Verkaufen von Volatilität am Optionsmarkt kein „No-Brainer“ mehr ist, um die Portfolioperformance zu optimieren. Oder denken wir an die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen, die im Jahr 2018 auf einmal positiv war. Bemerkenswert sicher auch die Notenbankpolitik der Fed, die mit ihrer Entschlossenheit im Jahr 2018 den einen oder anderen Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt haben dürfte.

Der harsche Stimmungsumschwung im Jahr 2018 hat zur Folge, dass Stand heute – zumindest gefühlt – ein hohes Maß an Negativität in den Kursen eingepreist scheint. Und das bei weiterhin guten, wenngleich sich eintrübenden Fundamentaldaten. Kann 2019 also nur besser werden? Ganz so einfach dürfte die Logik wohl kaum lauten, da sich die Ursachen für die Marktschwäche herzlich wenig um so profane Dinge wie einen Jahreswechsel scheren. Die Sorgen der Anleger dürften in 2019 ähnliche bleiben wie im Jahr 2018.

Dennoch besteht die Chance, dass 2019 ein solides Kapitalmarktjahr wird. Nehmen wir das Thema Handel. Nicht auszuschließen, dass die Warnung Apples aus der zurückliegenden Woche, wonach der Wirtschaftsabschwung in China (bzw. der Handelskrieg mit den USA) zu unangenehmen Gewinneinbußen in Cupertino führen könnte, die letzte große und notwendige Warnung für Donald Trump gewesen sein könnte, um die Verhandlungen zwischen den USA und China rasch zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Eskaliert der Handelskrieg nicht weiter, wäre ein wichtiger Pfeiler für ein erfolgreicheres Kapitalmarktjahr 2019 errichtet. Bereits zu Beginn dieser Woche führen Peking und Washington hochrangige Gespräche – weißer Rauch nicht ausgeschlossen.

Hilfreich für ein konstruktiveres Marktumfeld in diesem Jahr wäre sicher auch ein nachhaltiges Ende der Dollarstärke. Insbesondere für die in 2018 so gescholtenen Emerging Markets dürfte das gelten. Und tatsächlich spricht einiges dafür, dass 2019 nicht das Jahr des Greenback wird. Hauptursächlich dürfte ein im internationalen Vergleich vor allem in der zweiten Jahreshälfte stärker rückläufiges US-Wachstum sein. Zusätzlich könnten sich Anleger zunehmend um das stetig anwachsende Leistungs- und Budgetdefizit der USA sorgen, was dem Dollar wiederum schaden würde. Auch die Zinswende in Europa spricht gegen eine Abwertung des Euro im Vergleich zur US-Währung.

Was bedeutet das für Anleger?

Trotz dieser Hoffnungsschimmer dürfte es in 2019 ähnlich wackelig zugehen, wie schon in 2018. Jede Schwächephase wichtiger makroökonomischer Fundamentaldaten wird in 2019 sofort das Rezessionsgespenst an den Märkten umhergeistern lassen. Insbesondere dann, wenn es sich um eine synchrone Schwäche über mehrere Regionen hinweg handelt. Die Rückgänge bei den Einkaufsmanagerindizes in den USA und Europa in der letzten Woche haben uns hier ein Paradebeispiel geliefert. Allerdings – und das unterscheidet 2019 von 2018 – stiege bei einer Datenschwäche unmittelbar die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinsanhebungspause einer in 2018 wohl sehr datenabhängig agierenden US-Notenbank, sodass negative Marktreaktionen im Zweifel abgefedert werden könnten. Overnight Index Swaps in den USA preisten in der letzten Woche allerdings bereits eine volle Leitzinssenkung in den USA in 2019 ein, sodass der Markt hier bereits recht weit jenseits der „Dot-Plots“ der Fed positioniert scheint.

Starke Wirtschaftszahlen, wie etwa der überraschend starke Arbeitsmarktbericht aus den USA vom letzten Freitag, können das Pendel hingegen in die entgegengesetzte Richtung ausschlagen lassen, sodass die stärkere Datenabhängigkeit der US-Notenbank unter dem Strich dazu führen könnte, dass in 2019 nach der Aktienmarktvolatilität womöglich auch die Volatilität an den Rentenmärkten zunimmt.

Für die Aktienmärkte bleibt derweil die Hoffnung, dass das große Maß an Skepsis unter den Anlegern, wie es etwa die Zinserwartungen widerspiegeln, übertrieben ist. Ob der Rückenwind von Aktienrückkaufprogrammen und niedrigen Bewertungen bei gleichzeitig ambitionierten Gewinnerwarten ausreichen wird, bleibt abzuwarten. Aber was bekanntlich zuletzt stirbt, ist die Hoffnung.