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INTERVIEW (12.11.2024):
Meike Schreiber und Markus Zydra, Süddeutsche Zeitung
Dirk Schmitz, der Deutschlandchef des Vermögensverwalters Blackrock, über seinen früheren Aufsichtsratschef, den CDU-Politiker Friedrich Merz, und die Frage, ob dieser bei Blackrock tatsächlich Multimillionär geworden ist.
Bevor Friedrich Merz, 68, in die Politik zurückging, war der Jurist von 2016 bis 2020 als Aufsichtsratsvorsitzender des weltweit größten Geldverwalters Blackrock in Deutschland. Dabei war er nicht nur Kontrolleur, sondern auch Finanzlobbyist: In Interviews warb er für die Fondsprodukte von Blackrock und trat auch auf Fachkongressen auf – damals kämpfte er noch vergeblich um den CDU-Parteivorsitz. Vor allem über Indexfonds (ETF) ist Blackrock an allen wesentlichen börsennotierten deutschen Unternehmen beteiligt und hat daher indirekt auch Einfluss auf die deutsche Wirtschaft. Blackrock steht wegen seiner Kontakte zu Regierungen, Notenbanken und Aufsichtsbehörden immer wieder in der Kritik. Auch Merz wird seine Tätigkeit dort weiterhin vorgehalten. Was sagt Merz’ alter Arbeitgeber zu dessen Arbeitserfahrungen? Blackrock-Deutschlandchef Dirk Schmitz gibt Auskunft.
SZ: Herr Schmitz, die Koalition ist zerbrochen. Bei Neuwahlen könnte Friedrich Merz neuer Bundeskanzler werden. Wäre er ein guter Kanzler?
Dirk Schmitz: Er war auf jeden Fall ein guter Aufsichtsratsvorsitzender unserer lokalen Rechtseinheit, der Blackrock Asset Management Deutschland AG, und er war auch ein guter Berater für die Geschäftsführung hierzulande. Ich habe auch persönlich mit ihm zusammengearbeitet. Seit 2020 ist er wieder in der Politik unterwegs, und dafür haben wir ihm damals alles Gute gewünscht. Ansonsten haben wir keine Berührungspunkte mehr – jeder muss selbst scheiden, wen er wählt.
Hatte er überhaupt die Expertise, um die Kontrolle ausüben zu können? Wir haben gehört, dass man ihm bei Blackrock erst mal erklären musste, was ein Indexfonds, also ETF, ist.
Er hat sich rasch in unser Geschäftsmodell eingearbeitet. Man muss als Aufsichtsrat wirklich nicht in jedem Fonds-Detail stecken. Da geht es nicht um das Operative, sondern um die Kontrolle. Er kennt sich in Finanzdingen gut aus, er war auch Aufsichtsratsmitglied der Deutschen Börse und bei der Bank HSBC Trinkhaus. Ich würde bestätigen, dass er ein gutes Verständnis für die Finanzwirtschaft hat.
Es wurde oft so dargestellt, dass er bei Blackrock ein hohes Tier war und ein Vermögen gemacht hat. Bei näherer Betrachtung fällt das Bild etwas in sich zusammen. Diese Münchner Blackrock-Tochter hatte ja nur rund 15 Mitarbeiter, und er hat ungefähr 150 000 Euro jährch verdient, richtig?
Tja, das können Sie vielleicht besser erklären, da muss man sich fragen, wie in Medien und Politik gewisse Bilder entstehen. Er hat unsere deutsche Rechtseinheit kontrolliert. Dort liegen 50 Milliarden Euro verwaltetes Vermögen, zum Beispiel kümmert sich ein Team um den größten Dax-ETF, der für viele unsere Kunden in Deutschland und weltweit eine wichtige Rolle spielt. Außerdem hat er wie schon erwähnt die Geschäftsführung in Deutschland beraten, und Deutschland ist ein sehr wichtiger Markt für Blackrock.
Hat Merz neben der Vergütung für den Aufsichtsrat noch eine Vergütung für die Beratung bekommen? Wir fragen so spitzfindig, weil Blackrock als Investor immer gute Corporate Governance anmahnt und wir uns fragen, wie man gleichzeitig für Geld beraten und kontrollieren kann.
Die Blackrock Asset Management Deutschland AG ist nicht börsennotiert, aber auch für sie gilt das Aktiengesetz. Da ist das klar geregelt. Bei vielen Unternehmen ist es gängig, dass Aufsichtsräte daneben auch beratend für sie tätig sind.
Aber zum Multimillionär ist er nicht geworden bei Blackrock?
Sie können auch mit mäßigem Einkommen zu Wohlstand kommen, wenn sie sparsam sind und gut anlegen, aber ich glaube, einige dieser Spekulationen können wir definitiv begraben, ja.
Stichwort Kontrolle: Als Merz bei Ihnen war, gab es eine Razzia in München wegen Cum-Ex, dazu laufen noch Ermittlungen. Blackrock soll als Leerverkäufer von Aktien Cum-Ex unterstützt haben. Hat Merz das denn untersuchen lassen in seiner Rolle als Aufsichtsratschef?
Der Untersuchungszeitraum liegt lange vor seiner Zeit. Wir haben immer eng mit den Ermittlungsbehörden kooperiert und werden dies auch weiter tun.
Gibt es Mandate, die Merz eingefädelt hat?
Nein, es ging darum, unseren Geschäftsauftritt allgemein in Deutschland zu diskutieren und darüber zu reden, wie wir uns über die nächsten Jahre weiterentwickeln können. Es gab auch Treffen mit Kunden oder natürlich auch seine Auftritte bei Veranstaltungen, dort legte er seine Sichtweise über Geopolitik und wirtschaftliche Zusammenhänge dar.
Wenn er sich als Bundeskanzler für die Fondsbranche starkmachen sollte, wird es immer heißen: Aha, ist ja klar, weil er bei Blackrock gearbeitet hat. Sorgt Sie das?
Die wenigsten von uns arbeiten nur für ein Unternehmen in ihrer Karriere. Friedrich Merz wird das sehr gut trennen können, und er wird sehr gut wissen, dass er in einer Partei oder einem Regierungsamt natürlich ganz andere Interessen vertreten muss. Aber natürlich ist Blackrock auch so weiterhin im Austausch mit Regierungsstellen in Berlin und Parteien.
In den USA ist es üblich, dass sich Firmen Ex-Politiker und deren Netzwerk einkaufen. Sie haben Angela Merkels früheren Berater Lars-Hendrik Röller als Berater geholt, und die ehemalige Blackrock-Volkswirtin Elga Bartsch ist ins Wirtschaftsministerium gegangen. Wen holen Sie sich aus der zerbrechenden Regierung, oder gibt es schon Bewerbungen?
Nein (lacht). Ich würde mir wünschen, dass Leute viel häufiger die Seite wechseln und entweder aus der Politik ins Wirtschaftsleben gehen oder aus dem Wirtschaftsleben in die Politik. In den USA ist das sehr viel mehr verbreitet. Wir können die ökonomischen Herausforderungen nur bewältigen, wenn wir ein wirklich sehr, sehr tiefes Verständnis haben für die jeweils andere Seite.
Das klingt so harmlos, aber hier geht es ja darum, dass sich Unternehmen Politiker regelrecht kaufen, zumeist, um ihre Partikularinteressen durchzusetzen, während weniger vermögende Lobbygruppen das nicht so gut können. Unterhöhlt das nicht die Demokratie?
Dass verschiedene Interessen vertreten werden, finde ich absolut legitim und auch wünschenswert in einer Demokratie. Natürlich ist es am Ende des Tages die Aufgabe der Regierung, einen Kompromiss oder eine gemeinsame Lösung zu finden. Als Blackrock vertreten wir zwar unsere Interessen als Fondsgesellschaft, aber in erster Linie die Interessen unserer Kunden, die uns ihr Geld anvertraut haben.
Blackrock ist die größte Kapitalsammelstelle der Welt. Wie schauen Sie auf den Standort Deutschland? Börsenchef Theodor Weimer hat jüngst gesagt, wir sind ein Entwicklungsland und keiner will investieren. Auch der Wahlsieg von Donald Trump gilt als große Bedrohung für die deutsche Wirtschaft.
Ich würde es balancierter sehen. Deutschland ist für uns außerhalb der USA einer der interessantesten Standorte, sowohl auf der Kundenseite als auch auf der Investitionsseite. Aber Deutschland muss sich schneller reformieren, um fit für die Zukunft zu sein. Was der Wahlsieg in den USA tatsächlich für die deutsche Wirtschaft bedeutet, bleibt abzuwarten.
Für Blackrock ist das Thema Nachhaltigkeit wichtig, heißt es – gleichzeitig haben Sie das entsprechende Akronym ESG aus Ihrem Sprachgebrauch verbannt. Ist das Thema tot, erst recht nach dem Wahlsieg von Donald Trump?
Nein, überhaupt nicht. Unser Vorstandschef Larry Fink sagte, er möchte ESG nicht mehr verwenden, weil das immer sehr stark im politischen Kontext benutzt wird. Wir haben jetzt schon eine Billion Dollar von unseren mittlerweile 11,5 Billionen Dollar in nachhaltigen Fondsprodukten investiert – das ging viel schneller als erwartet. In fast jedem Kundengespräch reden wir hierzulande über nachhaltige Finanzanlagen sowohl im Privatanlegerbereich, aber vor allen Dingen bei Profiinvestoren. Für viele unserer Kunden geht es da auch um Risikomanagement. Sie wollen ja nicht in Firmen investieren, die ihr Geschäftsmodell nicht nachhaltig gestalten und am Ende wertlos sind.
Aber es gibt politisch und gesellschaftlich starken Gegenwind?
Wir müssen auch in Deutschland darauf achten, dass die grüne Transformation fair ausfällt. Ansonsten wird es in der Bevölkerung viel Widerstand und Unmut geben. Bislang sind grüne Technologien und Produkte noch sehr teuer, da können wir die Menschen politisch nicht zwingen, diese zu kaufen.
Blackrock hat laut Umweltorganisationen immer noch 430 Milliarden Dollar in fossile Firmen investiert. Warum?
Weil wir treuhänderische Pflichten haben. Die 11,5 Billionen Dollar sind nicht unser Geld, es ist das Geld unserer Kunden, und es steckt in Produkten, die Investmentrichtlinien haben. Wenn Sie bei uns einen Dax-ETF kaufen, dann können Sie sicher sein, dass wir von Ihrem Geld die 40 Dax-Titel kaufen. Und da sind auch vielleicht Firmen dabei, die noch nicht CO2-neutral sind. Wenn wir Ihr Geld nehmen würden und einfach davon eine Sonnenanlage, eine Solaranlage in Spanien bauen, obwohl Sie einen Dax-ETF gekauft haben, würde die Finanzaufsicht Bafin uns hier zuschließen.
Urhebervermerk: Meike Schreiber und Markus Zydra / Süddeutsche Zeitung