China und der zweite Blick

BlackRock Redaktion
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Beitrag vom 19. August 2019

Der Handels- und Währungskrieg mit den USA und die drohende konjunkturelle Abkühlung ziehen Aufmerksamkeit auf sich. Doch auf den zweiten Blick könnte die aktuelle Marktöffnung Chinas für ausländisches Kapital langfristig entscheidende Chancen bieten.

Manchmal lohnt sich der zweite Blick auf eine Sache. Für Anleger zum Beispiel der Blick auf China. Die Medien sind voll von Nachrichten, die nicht gerade aufmuntern. Ein Handels- und Währungsstreit, der erst noch sein Ende sucht. Eine Konjunktur, die sich – trotz der Bemühungen der chinesischen Regierung – verlangsamt: Das alles scheinen keine Nachrichten, die Anleger zum Investieren locken. Und in der Tat zeigen sich auch Experten in ihrer kurz- bis mittelfristigen Erwartung an die Entwicklung der chinesischen Wirtschaft erst einmal verhalten.

Wer jetzt nicht tiefer blickt, könnte aber einen entscheidenden Wendepunkt in der Bedeutung Chinas für ein diversifiziertes Anlegerportfolio übersehen. Denn China ist zwar zweitgrößte Volkswirtschaft nach den USA. Aber spiegelt sich das in den Portfolios internationaler Investoren tatsächlich wider? Lange war es schwierig, von einer Anlage in chinesische Aktien und Anleihen zu profitieren, ausländische Anleger hatten nur Zugang zu den sogenannten H-Aktien, Red Chips und P-Chips – knapp der Hälfte des Gesamtvolumens des chinesischen Aktienmarktes (siehe Grafik).

So zeigen sich auch immer noch die Folgen der jahrzehntelangen Beschränkung: Einer Gesamtmarktkapitalisierung des chinesischen Aktienmarkts von 7,4 Billionen US-Dollar stehen nur vergleichsweise kleine 350 Mrd. US-Dollar gegenüber, die weltweit in Fonds mit Fokus auf China investiert sind.

Nun öffnet die Regierung in Peking die Kapitalmärkte zunehmend. Seit einiger Zeit sind auch chinesische A-Aktien, die ausländische Institute zuvor nur unter großen Restriktionen handeln konnten, besser zugänglich. Ein weiterer großer Teil des chinesischen Aktienmarktes öffnet sich damit für internationales Kapital, konkret zusätzliche 38% (siehe Grafik).

Perspektivisch könnte also noch viel mehr Kapital in chinesische Aktien gelenkt werden – mit Kurschancen für Anleger, die investiert sind. Die Einschätzung gegenüber China-Aktien dürfte sich damit weltweit verändern: Von einer Nische, die taktisch genutzt werden kann, zu einen unverzichtbaren Bestandteil eines diversifizierten Portfolios.

China: Anteil der Aktienarten an der Gesamtmarktkapitalisierung

Quelle: MSCI, Stand: 30. April 2019; Gewichtungen können sich ändern. Ergibt aufgrund von Rundungseffekten in der Summe ggf. nicht 100%.

 

Auf der Anleiheseite ein ähnliches Bild: Bislang waren chinesische Lokalwährungsanleihen fast ausschließlich in chinesischer Hand, genau genommen zu 98% . Mit der Aufnahme chinesischer Staatsanleihen und von Anleihen staatsnaher Banken in den globalen Anleiheindex Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond dürfte sich das ändern. Seit April dieses Jahres werden die Positionen im Index aufgebaut. Bis 2020 soll der Prozess abgeschlossen sein. Dann entfallen von den 54 Billionen US-Dollar, die im Index berücksichtigt sind, rund 6% auf über 300 chinesische Wertpapiere.

Chinesische Anleihen könnten in vielen Portfolios zur Diversifikation beitragen, da sie eine sehr niedrige Korrelation zu Staatsanleihen entwickelter Märkte aufweisen und in verschiedenen Laufzeiten attraktivere Erträge aufweisen als zum Beispiel Staatsanleihen aus den USA, Europa oder Japan.

Wer überzeugt ist, dass sich auf den zweiten Blick in China langfristige Chancen eröffnen, kann diese übrigens gezielt, kostengünstig und transparent mit ETFs umsetzen. Denn die gibt es inzwischen für die Nutzung ganz spezifischer Chancen sowohl an den Aktien- wie an den Anleihemärkten. Mehr dazu: hier.

 

1) Börsen Shanghai und Shenzhen, Stand: 30. Mai 2019.
2) Schätzung von BlackRock, Stand: Ende Januar 2019.
3) Quelle: Bloomberg/JP Morgan, Stand: Mai 2019
4) Quelle: Bloomberg Barclays, Stand: 28. Februar 2019
5) Quelle: BlackRock, Stand 1. Juli 2019

 

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