Die BlackRock-Monatsbilanz:
Mamma Mia

Felix Herrmann
Ein Beitrag von
Felix Herrmann, CFA

Blog-Beitrag vom 04. Juni 2018

Der Wonnemonat Mai ließ sich an den Kapitalmärkten zunächst sehr positiv an. Die starke Berichtssaison in den USA – und mit Abstrichen auch in Europa – sorgte für steigende Aktienkurse auf beiden Seiten des Atlantiks. In den USA sind die Gewinne der Unternehmen in den ersten drei Monaten des Jahres um sage und schreibe 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen.

In Europa waren es immerhin noch sechs Prozent. Während in den Staaten jeder einzelne Sektor im ersten Quartal 2018 mehr Gewinn erzielen konnte als im ersten Quartal des Jahres 2017, schrumpften in Europa im selben Zeitraum die Gewinne bei den Versorgern, im Gesundheitssektor sowie bei den Unternehmen des Nicht-Basiskonsumgüterbereichs. Hauptursächlich für die Diskrepanz bei der Gewinnentwicklung zwischen den USA und Europa ist die Steuerreform aus dem Hause Trump, welche US-Firmen in einer recht späten Phase des ökonomischen Zyklus noch einmal einen warmen Regen in den Gewinn- und Verlustrechnungen beschert.

Interessanterweise spiegelte die relative Wertentwicklung der Aktienmärkte das Kräfteverhältnis bei den Unternehmensgewinnen im Mai zunächst ganz und gar nicht wider. Europäische Aktien haussierten, während Anteilsscheine aus den USA eher auf der Stelle traten. Aber auch für dieses Phänomen konnte die Ursache recht schnell ausgemacht werden, denn nachdem der Euro mehrere Monate in einer recht engen Spanne im Vergleich zum US-Dollar handelte, brach die Gemeinschaftswährung Ende April aus der Range aus und verlor an Boden. Diese Schwäche war Wasser auf die Mühlen europäischer Exportunternehmen – insbesondere in einer Zeit, die von globalen Diskussionen über Zölle und Handelsbarrieren geprägt ist.

Doch just in der Phase, da einige Investoren bereits wieder die Allzeithochs im DAX, S&P 500 & Co anvisierten, machten zwei Parteien in Italien der guten Stimmung an den Märkten den Gar aus. Mit dem Versuch, einen Euro-feindlichen Finanzminister zu installieren, scheiterten die Lega und die Fünf-Sterne-Partei an dem Widerstand des italienischen Staatspräsidenten. Als alle Welt von Neuwahlen ausging, rauften sich Lega und Fünf-Sterne-Partei überraschend doch zusammen und bildeten eine Regierung. Während die Abwendung von Neuwahlen vom Markt positiv aufgenommen wurde, bleiben die Fragen nach der Stabilität der Regierung und nach dem Grade der EU- und Eurofeindlichkeit von Lega und Fünf-Sterne-Partei.
Sollte eine eurokritische Regierung den Verbleib Italiens in der Währungsunion perspektivisch in Frage stellen, würde wieder das Gespenst einer auseinanderfallenden Eurozone umhergeistern, wobei die Phrase „die Eurokrise ist zurück“ dann noch eine Untertreibung sein könnte. Denn ein Euroaustritt Italiens wäre vermutlich das Ende der europäischen Gemeinschaftswährung.

Bis zum Eintritt dieses Schreckensszenarios muss allerdings noch viel schiefgehen. Nicht zuletzt müsste das Recht geändert werden, da ein Euroaustritt nach den Verträgen der Währungsunion gar nicht vorgesehen ist. Dennoch: Das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone war vielleicht noch nie höher als heute – nicht zuletzt, weil die Drohung eines Euroaustritts seitens Italien glaubwürdiger wäre als es beispielsweise damals bei den Griechen der Fall war. Italien erwirtschaftet Haushaltsprimärüberschüsse und fährt aktuell sogar einen Leistungsbilanzüberschuss. Beides macht das Land weniger abhängig von ausländischem Kapital und Italien somit theoretisch auch außerhalb des Euros überlebensfähig.

An den Märkten hatte die politische Unruhe in Italien Ende Mai einen extremen Renditeanstieg bei italienischen Staatsanleihen zur Folge. Europäische Aktien gerieten ebenfalls unter die Räder, wenngleich die Reaktionen an den Rentenmärkten deutlich heftiger waren. So waren die Tagesveränderungsraten der italienischen Spreads in der letzten Maiwoche sogar das Dramatischte, was die Märkte je gesehen haben. Diese Marktverwerfungen dürften letztlich wohl auch der EZB nicht entgangen sein, die sich das mit dem „Tapering“ im Herbst angesichts der Unruhe womöglich noch einmal gründlich überlegen wird.

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