Dr. Martin Lück
Ein Beitrag von
Dr. Martin Lück

Mexiko oder München, Hauptsache Italien. So könnte, in Abwandlung eines bekannten Fußballer-Bonmots, die nüchterne Erkenntnis der vergangenen Woche lauten, durften wir doch Zeugen weiterer Ausläufer der globalen Populismus-Welle werden. Weniger überraschend war dabei der deutliche Wahlsieg des mexikanischen Präsidentschaftskandidaten Andrés Manuel López Obrador (AMLO), der für sein von Korruption, Armut und Gewalt gebeuteltes Land eine radikale Abkehr vom bisherigen Establishment angekündigt und damit die Mehrheit der Wähler auf seine Seite gebracht hatte. Obwohl es sich hier nicht exakt um den typischen Fall populistischer Wahlerfolge in reichen Industrieländern, à la Brexit, Trump oder Lega/5Sterne, handelt, weist die Wahl in Mexiko dennoch die gleichen Ingredienzen auf. Denn das Ergebnis signalisiert, hier wie dort, dass die Entwicklung, welche das ‚westliche Modell‘ in den letzten Jahrzehnten genommen hat, vor allem was Wohlstandsverteilung und gesellschaftlicher Teilhabe betrifft, auf Sicht immer weniger mit herkömmlicher demokratischer Willensbildung zusammenpasst. Die Frustration abgehängter Mehrheiten sucht sich zunehmend Ventile außerhalb des politischen Mainstream. Dies alles ist aus Marktsicht keine Kleinigkeit, denn Mexiko ist nach den BRIC-Volkswirtschaften das größte Schwellenland, und mit einem BIP von 1,15 Billionen US-Dollar im Jahr 2017 deutlich größer als etwa die Türkei (0,84 Bio.), Argentinien (0,64 Bio.) oder Südafrika (0,35 Bio.). Richtung und Radikalität eventuell anstehender Veränderungen, die „AMLO“ nach seiner Amtsübernahme am 1. Dezember in Angriff nimmt, dürften also Einfluss auf Schwellenlandanlagen haben.

Eher überraschend dagegen, dass die gefühlte Notwendigkeit, populistische Trends zu befriedigen, auch im demokratisch gereiften Deutschland zu derart selbstzerstörerischen Akten führen kann wie jüngst am Beispiel der CSU zu bewundern. Die bayerische Version der Union, inzwischen wohl nur noch in dicken Anführungszeichen als „Schwesterpartei“ der CDU zu bezeichnen, hatte sich nun mal der Strategie verschrieben, im Hinblick auf die Landtagswahl am 14. Oktober die als Hauptrivalen identifizierte AfD am rechten Rand zu überholen. Das kann man so machen. Fraglich ist nur, ob die offensichtliche Strategie, dies in maximaler Konfrontation mit der Bundeskanzlerin auszutragen und geradezu offen darauf zu wetten, dass Angela Merkel beim Europäischen Rat mit ihren Vorschlägen zur Migrationsdebatte auf Granit beißen würde, nicht eine Spur zu riskant war. Denn diese Wette ist wieder einmal am erstaunlichen Geschick der Kanzlerin gescheitert, Zugeständnisse europäischer Partner zu erreichen, wenn es zu Hause Spitz auf Knopf steht. Nun gibt es für die CSU keinen gesichtswahrenden Exit mehr. Möglicherweise hat die Münchener Zentrale um den neuen starken Mann Markus Söder hier, um im aktuellen Fußballkontext zu bleiben, ein klassisches Eigentor geschossen.

Bedauerlich ist bei alledem, dass wegen der Konzentration auf Migrationsthemen der dringend notwendige Ausbau der europäischen Architektur beim Gipfel Ende letzter Woche weitgehend auf der Strecke geblieben ist. Lediglich bezüglich einer Nutzung es ESM als Absicherungstopf für abzuwickelnde Banken konnte Einigkeit erzielt werden. Dies war wichtig, denn bis dato erschien der im Rahmen des einheitlichen Abwicklungsmechanismus‘ vorgesehene Finanzrahmen mit 55 Mrd. Euro als zahnloser Tiger. Keine Fortschritte wurden dagegen bei anderen Themen erzielt, vor allem bei der ebenfalls umstrittenen europäischen Einlagensicherung. Unsere Vermutung, dass bezüglich dieses Themas Berlin den Integrationsideen des französischen Präsidenten noch deutlich weiter wird entgegenkommen müssen – nicht zuletzt, um Macron für Jens Weidmann als Draghi-Nachfolger zu gewinnen –, konnte also auf dem jüngsten Gipfel (noch) nicht bestätigt werden.

Was bedeutet das für Anleger? 

Populistische Verunsicherung ist schlecht für die Finanzmärkte. Greifbar wird dies etwa mit Blick auf Trumps Handelskriegsrhetorik, die auch letzte Woche die Aktienpreise wieder auf Talfahrt schickte. Da wir annehmen, dass Trump seine offensichtlich wachstumsschädlichen Verbalattacken vor allem mit Blick auf die Kongresswahlen am 6. November fährt, ist in nächster Zeit kaum Entspannung zu erwarten. Eher im Gegenteil. Gut nur, dass in diesem Kontext die Zentralbanken einen berechenbaren Kurs verfolgen. An den vermutlich in der zweiten Jahreshälfte anstehenden zwei Zinsanhebungen seitens der Fed dürfte auch der US-Arbeitsmarktbericht für Juni, der wichtigste Datenpunkt dieser Woche, nichts ändern. Nur eine sehr dramatische Abweichung von den erwarteten 190.000 neu geschaffenen Stellen und einem Lohnwachstum von 2,7% dürfte die Wahrscheinlichkeit des nächsten 25 Basispunkte-Schrittes schon im September abschwächen.

Diese Werbemitteilung dient rein zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung und kein Angebot zum Kauf von Anteilen an Fonds der BlackRock Gruppe dar. Diese Mitteilung unterliegt nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen. Das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen gilt daher nicht.

Eine Finanzanlage ist typischerweise mit gewissen Risiken verbunden. Der Wert einer Anlage sowie das hieraus bezogene Einkommen können Schwankungen unterliegen und sind nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Anleger nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Eine mögliche Kaufentscheidung darf ausschließlich auf Basis der Informationen getroffen werden, die der aktuelle Verkaufsprospekt, die vereinfachten Prospekte und/oder wesentlichen Anlegerinformationen, der Jahres- und Halbjahresbericht zur Verfügung stellen. Die Dokumente in deutscher Sprache zu den einzelnen Fonds finden Sie unter den angegebenen Links und bei den Fonds-Informationen.