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MegaForces wie Künstliche Intelligenz (KI) transformieren die Weltwirtschaft und die globalen Finanzmärkte. Für neue Technologien wird immer mehr Kapital benötigt und der Ausbau von KI könnte in puncto Tempo und Umfang alles Bisherige in den Schatten stellen. Da die Märkte derzeit aber nur von wenigen dieser Kräfte angetrieben werden, ist es kaum möglich, ihrer Dynamik auszuweichen – auch nicht über breite Indizes. Wir bleiben risikofreudig und betrachten das Thema KI weiterhin als den wichtigsten Treiber für US-Aktien. Dies sind perfekte Bedingungen für aktives Investieren, also die Suche nach den Gewinnern und Verlierern des aktuellen KI-Ausbaus und der künftigen Anwendungen.
Die große Frage ist jedoch, ob sich das Wachstum von seinem langfristigen Trend lösen kann. Die USA haben die globale Wachstumsgrenze erreicht. Alle großen Innovationen der letzten 150 Jahre – von der Dampfmaschine über die Elektrizität bis hin zur digitalen Revolution – waren jedoch nicht stark genug, um das Trendwachstum von 2 % zu durchbrechen. Die Hürde ist also hoch, könnte nun aber erstmals übersprungen werden. Warum? KI ist nicht nur selbst eine Innovation, sondern hat auch das Potenzial, den gesamten Innovationsprozess neu zu gestalten. Schon bald könnte sie selbstständig neue Konzepte entwickeln, testen und optimieren. Dadurch könnten Innovationen an Fahrt gewinnen und wissenschaftliche Durchbrüche in den Bereichen Materialien, Medikamente und Technologien vorantreiben. Ein solcher sich selbst verstärkender Innovationsbeschleuniger ist der Schlüssel, um den Trend nach oben zu durchbrechen.
Die Grafik zeigt: In den letzten 150 Jahren wich das Wirtschaftswachstum der USA selbst in Phasen technologischer Umbrüche kaum von seinem langfristigen Trend von 2 % ab. Wir halten es für möglich, dass dieses Trendwachstum durch die von KI angestoßenen und beschleunigten Innovationen durchbrochen wird.
Quelle: BlackRock Investment Institute, Bureau of Economic Analysis und Macrohistory Database mit Daten von Haver Analytics, Dezember 2025
Anmerkung: Die historischen Daten wurden von Óscar Jordà, Moritz Schularick und Alan M. Taylor im Jahr 2017 unter dem Titel „Macrofinancial History and the New Business Cycle Facts“ im Macroeconomic Annual 2016, Band 31, des National Bureau of Economic Research (NBER) zusammengestellt. Herausgeber sind Martin Eichenbaum und Jonathan A. Parker. Chicago: University of Chicago Press.
Der KI-Ausbau liegt derzeit in der Hand weniger Firmen, deren Investitionen so gigantisch sind, dass sie sich auf die Gesamtwirtschaft auswirken. Um diese Unternehmen einschätzen zu können, müssen wir prüfen, ob ihre Rechnung aufgeht. Wir halten es für möglich, dass sich die Umsätze im Tech-Sektor in diese Richtung bewegen, denn die aktuellen KI-Entwickler verleiben sich Teile des Tech-Ökosystems wie Software ein. KI kann Aufgaben wie Programmierung automatisieren und wohl auch andere technische Dienstleistungen ersetzen. Dennoch werden sich die höheren Einnahmen auf immer mehr Sektoren sowie die gesamte Wirtschaft verteilen. Wahrscheinlich werden durch KI auch neue Einnahmequellen entstehen. In welchem Maße dies der Fall sein wird, bleibt abzuwarten. Das Aufspüren der Gewinner wird das Ziel aktiver Anlagestrategien sein. Gestützt auf solide Gewinnerwartungen bleiben wir daher bei US-Aktien und dem KI-Thema übergewichtet. Insgesamt könnten sich die Investitionen auszahlen, wenn auch nicht für alle. In der nächsten Phase wird es möglicherweise mehr um die Energieversorgung und das Auflösen von Engpässen gehen.
Um die Kluft zwischen den hohen Investitionen in den KI-Ausbau und den erst später fließenden Einnahmen zu überbrücken, sind langfristige Finanzierungen erforderlich. Ein höherer Verschuldungsgrad ist damit unvermeidlich und zeichnet sich bereits ab, wie die jüngsten Anleiheemissionen der Tech-Riesen zeigen. Die gute Nachricht ist, dass die aktuelle Verschuldung des Privatsektors, insbesondere der börsennotierten Tech-Firmen, unbedenklich ist. Zudem konnten die Tech-Giganten ihre Neuemissionen bislang problemlos am Markt platzieren. Ein Risiko sehen wir jedoch darin, dass strukturell höhere Kapitalkosten KI-Investitionen verteuern und die Gesamtwirtschaft belasten könnten. Ein höher verschuldetes Finanzsystem ist außerdem anfälliger für Schocks, wie etwa sprunghaft steigende Anleiherenditen infolge wachsender Haushaltssorgen oder der geldpolitischen Gratwanderung zwischen Inflationsbekämpfung und tragfähigen Kosten für den Schuldendienst. Hoch verschuldete Länder können solche Schocks schlechter abfedern und daher kaum zur Finanzierung des KI-Ausbaus beitragen.
In Märkten, die von wenigen Kräften angetrieben werden, ist „Diversifizierung” heute ein wesentlich größerer aktiver Schritt. Unsere Analyse zeigt, dass ein immer größerer Teil der Renditen von US-Aktien nach Berücksichtigung allgemeiner Faktoren wie Value und Momentum auf einen gemeinsamen Faktor zurückzuführen ist. Heute sind die Märkte insgesamt konzentrierter. Versuche, die starke Konzentration auf die USA oder das KI-Thema durch Diversifizierung, beispielsweise über andere Regionen oder gleichgewichtete Indizes, zu verringern, bedeuten einen größeren aktiven Schritt als zuvor. Dadurch sind Portfolios weniger bei dem dominanten Faktor dieses Jahres engagiert, von dem wir überzeugt sind. So ist der gleichgewichtete S&P 500 in diesem Jahr nur um 3 % gestiegen, sein kapitalisierungsgewichtetes Pendant dagegen um 11 %, wie Daten von LSEG zeigen (Quelle: LSEG, 28.11.25). Dies halten wir nicht für eine breite Allokation von Engagements zu Diversifizierungszwecken, sondern für eine aktive Positionierung von Portfolios, die mit hoher Überzeugungskraft erfolgen sollte. Hinzu kommt, dass eine solche „Diversifizierung” Portfolios kaum schützen wird, sollte das KI-Thema ins Stocken geraten. Im aktuellen Umfeld sehen wir keine einfachen passiven Lösungen für die Diversifizierung. Wir denken aber, dass sich Anleger weniger auf eine breite Risikostreuung und vielmehr auf ein ganz bewusstes Eingehen von Risiken konzentrieren sollten – oder anders ausgedrückt: auf einen aktiveren Ansatz. Strategien mit hoher Überzeugungskraft wie Private Markets und Hedgefonds bieten aus unserer Sicht Diversifizierung und ein starkes Renditepotenzial. Ein Großteil ihrer Performance ist idiosynkratisch, sodass Manager ihr Können unter Beweis stellen können.
Während der Ausbau der KI-Technologie derzeit das prägende Merkmal der US-Wirtschaft ist, konzentriert sich Europa vor allem darauf, Reformen zu ermöglichen, die das seit über einem Jahrzehnt mäßige Wirtschaftswachstum ankurbeln können. Einige konkrete politische Maßnahmen wurden bereits ergriffen, darunter die Überarbeitung des Stabilitäts- und Wachstumspakts (SWP) im Jahr 2024, welche die EU-Fiskalpolitik flexibler macht. So können Fiskalanpassungspläne nun von vier auf sieben Jahre verlängert werden, sofern sie mit Strukturreformen verknüpft sind. Diese Neuerung könnte den Regierungen mehr Spielraum für die Verfolgung strategischer Ziele geben. Wir erkennen drei zentrale Prioritäten der politischen Entscheidungsträger: Erhöhung der Verteidigungsausgaben, Energieunabhängigkeit und Mobilisierung der Spareinlagen.
Um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken, werden auch zahlreiche Reformen auf Mikroebene erforderlich sein. In diesem Bereich gibt es ebenfalls Fortschritte. Das hat die europäischen Märkte im Jahr 2025 unterstützt. Mit Blick nach vorn glauben wir, dass diese Reformen einen Großteil der Leistungslücke zwischen europäischen und US-Aktien der letzten 15 Jahre (8,6 % pro Jahr laut MSCI-Daten) schließen könnten (Quelle: MSCI, 28.11.25). Dies reicht jedoch noch nicht aus, um eine anhaltende Outperformance Europas zu bewirken. Um die Kapitalrendite europäischer Unternehmen zu verbessern – insbesondere im Vergleich zu den USA – muss mehr getan werden.
Wir bleiben Finanzwerten weiterhin positiv gegenüber eingestellt. Die Bilanzen – insbesondere die der großen Banken – sind solide, die Profitabilität ist hoch und wir dürften den Höhepunkt der Regulierung hinter uns haben. Zudem könnte KI Kosteneinsparungen ermöglichen. Darüber hinaus wird der Sektor voraussichtlich eine zentrale Rolle bei den steigenden öffentlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur spielen. Als Hauptanbieter von Retail-Investmentprodukten in Europa könnte er die Schnittstelle sein, um europäische Sparer stärker an die Kapitalmärkte heranzuführen. Wir bekräftigen auch unsere positive Einschätzung für Versorger und Infrastruktur. Wir sehen den politischen Fokus auf Energie als einen wichtigen kurzfristigen Treiber für europäische Versorger – insbesondere für Unternehmen mit starkem Engagement im Bereich Stromnetze und Netzbetrieb. Wir ändern unsere taktische Präferenz von Industrieunternehmen hin zum Gesundheitswesen: Der Sektor wird im Vergleich zu seiner 10-Jahres-Historie mit einem Abschlag gehandelt (anders als der Gesamtmarkt). Die Free-Cashflow-Generierung liegt direkt hinter der IT-Branche, und wir sehen den Sektor als potenziellen frühen Profiteur von KI (Quelle: LSEG, 28.11.25).
Unser bevorzugtes Land bleibt Spanien. Die inländischen Fundamentaldaten sind robust, die Bewertung und das Gewinnmomentum sind im Vergleich zu den Wettbewerbern weiterhin günstig und unsere bevorzugten Sektoren sind in Spanien ebenfalls gut vertreten. Im Bereich Fixed Income bevorzugen wir generell Europa gegenüber anderen Regionen. Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Europa erschweren, dauerhaft hohe Haushaltsdefizite – selbst vor dem Hintergrund einer flexibleren Fiskalpolitik. Europas Ausgangslage (sowohl beim Defizit als auch bei der Verschuldung) ist besser als in vielen anderen großen Märkten. Aus unserer Sicht sollte sich dies in einem geringeren Aufwärtsdruck auf die Term-Prämie* niederschlagen als in den USA oder Japan. Auch unsere langjährige Präferenz für europäische Kreditengagements, die sich bisher bewährt hat, bekräftigen wir. Die KI-Investitionen (Capex) in Europa werden voraussichtlich deutlich hinter denen in den USA zurückbleiben, was die Möglichkeit einer erneuten Hebelung im privaten Sektor begrenzt. Euro-High-Yield-Anleihen handeln derzeit nahe historisch niedriger Spreads. Sie dürften jedoch weiterhin durch eine etwas verbesserte Wirtschafts- und Gewinnentwicklung im kommenden Jahr sowie durch nach wie vor geringe Ausfallraten unterstützt werden.
* Die Term-Prämie ist ein zusätzlicher Zinssatz, den Anleger verlangen, wenn sie langfristige Anleihen kaufen – als Ausgleich dafür, dass sie ihr Geld länger binden und dabei mehr Risiken eingehen.

