„Karneval auf dem Börsenparkett: Wer tanzt vorne mit?“
Blick auf die Märkte
Bunte Polonaise: Schwankungsreicher Auftakt ins Kapitalmarktjahr
Als Norddeutsche liegt mir Karnevalsrhetorik nicht besonders nahe. Der Auftakt ins neue Börsenjahr allerdings glich in vielerlei Hinsicht dem Karneval: viel Bewegung, laute Töne und nicht selten abrupte Wendungen. Besonders an den Aktien-, Devisen- und Rohstoffmärkten ging es teils kräftig auf und ab. So verzeichneten Goldnotierungen nach einer fulminanten Kursrallye rund um den Monatswechsel die stärksten Verluste seit den 1980er Jahren (Quelle: LSEG, 09.02.2026).
Trotz dieses schwankungsreichen Umfelds konnten die internationalen Börsen, insbesondere in den Schwellenländern und Europa, überwiegend positive Wertzuwächse verbuchen. (Quelle: LSEG, 09.02.2026). Unter der Oberfläche zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede, bedingt durch verschiedene Einflussfaktoren:
Künstliche Intelligenz: Realer wirtschaftlicher Umwälzungsfaktor
So marschiert ein Dauergast an der Spitze der Polonaise: Künstliche Intelligenz (KI). Es ist kein neues Phänomen, dass das Investmentthema KI von allen Seiten abgeklopft wird. Auch in der vergangenen Woche: Der S&P 500 gab im Zuge eines globalen Ausverkaufs von Technologiewerten zeitweise nach (Quelle: LSEG, 09.02.2026).
Zwei zentrale Sorgen stehen dabei im Raum:
- Investitionsfrage: Werden die beträchtlichen Investitionen in KI tatsächlich nachhaltige Erträge generieren? Jeder Tanzschritt beim KI-Ausbau wird von den Kapitalmärkten aufmerksam verfolgt.
- Disruptionspotenzial: KI wird von den Märkten zunehmend als handfester wirtschaftlicher Umwälzungsfaktor wahrgenommen, der Geschäftsmodelle herausfordert und Gewinner und Verlierer klar trennt. Klar ist: KI ist längst kein abstraktes Narrativ mehr.
Dabei ist es wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass beide Befürchtungen nicht gleichzeitig zutreffen können.
Trotz unsicherer künftiger Einnahmen bleiben wir mit Blick auf die kommenden sechs bis zwölf Monate risikofreudig, gewichten US-Aktien mit KI-Bezug taktisch über und sehen gute Bedingungen für aktives Investieren. Der KI-Ausbau liegt derzeit in der Hand weniger Unternehmen. Selektivität bleibt das Gebot. Denn nicht jeder, der mitmarschiert, wird in jeder Phase der mehrstufigen Entwicklung von KI gewinnen. Nach wie vor sehen wir in der Phase des KI-Ausbaus Chancen auf der Infrastrukturebene – so bilden Halbleiter, Hardware, physische Komponenten das Rückgrat des digitalen Wandels.
Neben KI hält die geopolitische Gemengelage die Finanzmärkte auch in diesem Jahr auf Trab, sorgte zeitweise für Verunsicherung und lastete auf dem US-Dollar, ebenso wie die weltweit zunehmende Verschuldungssituation.
Zum Monatsende führte zu guter Letzt die Nominierung von Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank Fed zu Anpassungen am Rentenmarkt, Kursausschlägen beim Euro-Dollar-Kurs sowie bei Gold und Silber. Denn Warsh wird von Marktteilnehmern offenbar als ein Vertreter einer, zumindest auf die aufgeblähte Fed-Bilanz bezogen, strukturell weniger lockeren Geldpolitik interpretiert.
Insgesamt gab es klare Gewinner und Verlierer an den Börsen. Wir sehen die hohe Streuung der Performance als Zeichen, dass die Märkte selektiver werden. Gleichzeitig nimmt die Marktbreite weiter zu – sowohl branchen- als auch regionenübergreifend, gestützt unter anderem durch internationale Konjunkturimpulse. In der US-Gewinnberichtssaison für das vierte Quartal 2025 wurden die Gewinnschätzungen sowohl für die „Magnificent Seven“ als auch für den Rest des Index nach oben revidiert, was auf einen breiteren Gewinnaufschwung über die Mega-Caps hinaus hindeutet (Quelle: LSEG, 09.02.2026).
Geldpolitik: EZB bestätigt Zinspause
Der Rentenmarkt zeigte sich seit Jahresbeginn in der Tendenz stabil bis freundlich. Unterstützt durch jüngste Inflationsdaten und Erwartungen an weitere US-Zinssenkungen gab es dies- und jenseits des Atlantiks gerade bei kürzeren Laufzeiten wenig Grund zur Aufregung.
Die Fed beließ im Januar den Leitzins wie erwartet unverändert bei 3,5 bis 3,75 %. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) ließ den Zinssatz am vergangenen Donnerstag bei 2 %, was angesichts soliden, aber nicht rasanten Wachstums im Euroraum und nachlassender, möglicherweise unter 2 % sinkender Inflation eine nachvollziehbare Entscheidung ist (Quelle: Fed, EZB, LSEG, 09.02.2026).
Wir erwarten vorerst keine Anpassung der EZB-Zinsen in diesem Jahr – angesichts des unterliegenden Aufwärtsdrucks auf die Inflation durch anhaltende Lieferengpässe und eine etwas lockerere Fiskalpolitik, einschließlich der zunehmenden Staatsausgaben in Deutschland. Allerdings sollten Anleger auf Überraschungen vorbereitet bleiben, da die Konsenserwartungen von allmählich besserem Wachstum und sinkender Inflation ausgehen.
Blick voraus: US-Arbeitsmarkt, Gewinnsaison und Geopolitik
- US-Arbeitsmarkt: Neue Inflations- und Arbeitsmarktdaten, nachdem die Daten der vergangenen Monate durch den US-Regierungsstillstand im letzten Jahr verzerrt waren, sollen in dieser Handelswoche Aufschluss darüber geben, ob die „No hiring, no firing“-Stagnation (sinngemäß „keine Einstellungen, keine Entlassungen“) weiter anhält. Sollte dies der Fall sein und die Inflation wenig verändert bleiben, erwarten wir, dass die Fed das Zinsniveau bei ihrer nächsten Sitzung beibehält.
- Euroraum: In einem vergleichsweise leeren Datenkalender stehen der von der EZB veröffentlichte Lohnindikator – als Maß für den unterliegenden Inflationsdruck – und das Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal (zweite Veröffentlichung) samt Beschäftigungsdaten im Fokus.
- Gewinnberichtssaison: Die US-Berichtssaison ist bislang sehr robust verlaufen. Rund 60 % der S&P 500-Marktkapitalisierung haben berichtet, und der Konsens rechnet nun mit einem Gewinnwachstum von rund 13,5 % für das vierte Quartal – ein Anstieg gegenüber 8,9 % zu Beginn der Berichtssaison (Quelle: LSEG, 05.02.2026).
- Geopolitik: Nach dem Weltwirtschaftsforum in Davos steht in den kommenden Tagen die Münchner Sicherheitskonferenz an. Es bleibt zu beobachten, ob es den Märkten weiterhin gelingt, die schwelenden Spannungspunkte herauszufiltern. Die Botschaften aus Davos haben unsere Einschätzungen im globalen Ausblick für 2026 untermauert: Strukturelle Megakräfte geben den Ton an und Investoren werden in einer Welt mit höheren Finanzierungsbedarfen, punktuellen politischen Verwerfungen und anhaltenden Angebotsengpässen weiterhin höhere Risikoaufschläge für langfristige Staatsanleihen verlangen.
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