Portfoliokonstruktion mit alternativen Anlagen
Hallo, ich bin Rafael Iborra, Head of Model Portfolio Solutions International bei BlackRock.
Die Portfoliokonstruktion erfordert klare Entscheidungen – um Risiko und Ertrag im Zeitablauf im Gleichgewicht zu halten, wobei jeder Teil des Portfolios eine festgelegte Rolle spielt. Da die Privatmärkte hierbei immer wichtiger werden, sind drei Aspekte zu beachten:
Erstens gehen private Märkte mit differenzierten Ertragsfaktoren einher.
Anders als bei börsennotierten Aktien und Anleihen werden die Erträge durch langfristiges Kapital, aktive Eigentümerschaft und weniger liquide Vermögenswerte bestimmt. Das führt zu anderen Performancemustern und größerer Streuung – es entstehen Chancen abhängig vom Marktzyklus.
Zweitens erweitern sie die Anlagechancen über die öffentlichen Märkte hinaus.
Private Investitionen bieten Zugang zu Unternehmen, Sektoren und Wertschöpfungsfaktoren, die an öffentlichen Märkten nicht verfügbar sind. Anleger haben so neue Möglichkeiten für Wachstum, laufenden Ertrag und Diversifikation.
Drittens können Anlagen an Privatmärkten, wenn sie durchdacht integriert werden, die Portfolioergebnisse steigern.
Zusammen mit Anlagen an öffentlichen Märkten können sie die Diversifikation verbessern, zu stetigeren Ergebnissen im Zeitablauf führen und helfen, Portfolios auf langfristige Ziele auszurichten – was wiederum zu stabileren Portfolios und höherem Ertragspotenzial beiträgt.
Rafael Iborra, Head of Model Portfolio Solutions bei BlackRock, erläutert drei zentrale Aspekte zur durchdachten Integration alternativer Anlagen (Alternatives) in Portfolios.
Das Wichtigste
Kapitalanlagerisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich angelegten Betrag möglicherweise nicht zurück.
- Da sich die Kapitalmärkte weiterentwickeln, gibt es auch immer mehr Möglichkeiten, traditionelle Portfolios um Anlagen aus dem Bereich der Privatmärkte zu ergänzen.
- Privatmarktanlagen haben in der Vergangenheit für höhere Portfolioerträge gesorgt, durch einzigartige Chancen und Eigenschaften, die Anlagen an öffentlichen Märkten ergänzen.
- Eine Strategie zur Integration privater Märkte in Portfolios macht aus der klassischen 60/40-Allokation ein „modernisiertes“ 50/30/20-Modell.
Neues Denken für einen neuen Markt
Herkömmliche diversifizierte Portfolios bilden üblicherweise breite Benchmarks ab. Auch wenn diese Referenzindizes transparent sind, ergeben sich aus Sicht der Portfoliokonstruktion gewisse Einschränkungen:
- Aktienindizes sind nach Marktkapitalisierung gewichtet, sodass die größten Unternehmen und Sektoren stärker berücksichtigt werden.
- Anleihenindizes sind nach Emittenten gewichtet, sodass Portfolios unbeabsichtigten Risiken in Bezug auf Duration und Kreditkonzentration unterliegen können.
Ein klassisches 60/40-Portfolio (60% Aktien/40% Anleihen) kann also ein höheres Risiko gegenüber zwei wesentlichen Ertragsfaktoren aufweisen: Aktien-Beta und Anleihenduration.
Allerdings haben immer mehr Anleger Zugang zu einem breiteren Kapitalmarktspektrum, verbunden mit der Aussicht auf bessere Portfolioergebnisse durch neue Risiko- und Ertragsquellen.
Ein Platz für die privaten Märkte
Die Privatmärkte werden immer wichtiger für Anleger, die Portfolios breiter aufstellen wollen, zumal sich an den Privatmärkten zunehmend mehr Chancen als an den öffentlichen Märkten auftun.
Während die Zahl börsennotierter Unternehmen in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen ist, nimmt die Zahl privater Unternehmen zu. In den USA ist die Zahl großer Privatunternehmen (mit mehr als 100 Mitarbeitern) in den letzten 30 Jahren um 46% gestiegen, während die Zahl börsennotierter Unternehmen um 24% gefallen ist.1 Doch dieser Trend beschränkt sich nicht auf die USA: Untersuchungen zeigen, dass die Zahl börsennotierter Unternehmen in vielen Industrieländern zurückgegangen ist.
Unternehmen greifen zudem immer öfter auf private Mittel zurück: 2024 wurden nur 25% des Leveraged-Loan-Marktes von Banken finanziert, verglichen mit 72% vor 30 Jahren.2
Alles in allem zeigt das, dass die moderne Kapitalbildung über Börsen hinausgeht, private Märkte eine größere Rolle spielen und Portfolios stärker an einer sich wandelnden und wachsenden Anlagelandschaft teilhaben können.
Das Instrumentarium der privaten Märkte
Private Equity und Private Credit sind zwei der häufigsten Anlageformen an den Privatmärkten. Beide haben in den letzten zehn Jahren höhere Erträge als traditionelle Anlageklassen erzielt, wie die folgende Grafik zeigt.
Chance auf höhere Erträge: Durchschnittliche Erträge über 10 Jahre, Stand Ende 2024
Quelle: Bloomberg, MPI, Erträge vom 31. Dezember 2014 bis zum 31. Dezember 2024. Private Equity: Preqin Private Equity Index, Stand 30. September 2024; Large Caps: MSCI ACWI NR Index; Small Caps: MSCI ACWI Small Cap NR; Private Credit: Preqin Private Debt Index; Agg Bonds: Bloomberg Global Aggregate TR Index; High Yield: ICE BofA US High Yield TR Index. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für oder ein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse. Indexperformance nur zur Illustration. Man kann nicht direkt in einen Index investieren.
Immobilien und Infrastruktur sind zwei weitere beliebte Anlageklassen der Privatmärkte. Als Portfoliobaustein verbinden sie oft die Aussicht auf Wertzuwachs und laufenden Ertrag mit Inflationsschutz, da es sich um Sachwerte mit messbarem wirtschaftlichem Wert handelt.
Die Erträge an Privatmärkten werden von anderen strukturellen Faktoren bestimmt als an öffentlichen Märkten, sodass die entsprechenden Anlagen eine attraktive Ergänzung eines diversifizierten Portfolios sein können:
- Die Anlagen bieten oft eine Illiquiditätsprämie, die eine mögliche Übergewichtung liquiderer Strukturen (und den damit verbundenen Ertragsverlust) ausgleichen kann.
- Regelmäßige Bewertung statt kontinuierlicher Preisbildung kann zwar weniger Transparenz bedeuten, aber auch eine geringere Anfälligkeit gegenüber Marktvolatilität in Reaktion auf Schlagzeilen.
- Durch die größere Streuung der Ergebnisse zwischen Managern wird deren Auswahl zu einem möglichen Differenzierungsvorteil.
- Unterschiedliche Kapitalzusagestrukturen oder Haltedauern führen zu mehr Wahlmöglichkeiten für Anlagehorizonte und -ziele.
Von 60/40 zu 50/30/20
Die „optimale“ Allokation von Privatmarktanlagen hängt von Zielen und Risikobereitschaft des jeweiligen Anlegers ab. Möchte er etwa langfristiges Wachstum oder laufenden Ertrag, und spielen steuerliche Aspekte eine Rolle?
Die Entscheidung kann durchaus individuell sein. Allerdings ist fraglich, ob im aktuellen Marktumfeld ein traditionelles 60/40-Portfolio nach wie vor geeignet ist. Möglicherweise muss der Begriff „Diversifikation“ neu definiert werden.
Mit einem 50/30/20-Modell lässt sich die heutige Chancenvielfalt besser abbilden:
- 50% börsennotierte Aktien
- 30% börsennotierte Festzinspapiere/Anleihen
- 20% alternative Anlagen, einschließlich Privatmärkte und Liquid Alternatives
Dieses Modell sieht vor, den Aktienanteil von 60% auf 50% und den Anleihenanteil von 40% auf 30% zu senken, sodass 20% verbleiben, um andere diversifizierte Ertragsquellen beizumischen.
Die Finanzierung dieser neuen Allokation wird sich spürbar auf das Risiko-Ertrags-Profil des Portfolios auswirken. Viele unserer Portfolioexperten bei BlackRock empfehlen, sofern möglich, hierfür einen „Like for like“-Ansatz: Strategien mit aktienähnlichen Risikoprofilen sollten aus Aktien, solche mit anleihenähnlichen Risikoprofilen aus Anleihen finanziert werden.
Die Umschichtung von Anleihen in risikoreichere Anlagen kann das Portfoliorisiko erhöhen, während die Umschichtung von Aktien in risikoärmere Anlagen das Risiko senken und sich auch auf die erwarteten Erträge auswirken kann.
Einstieg in die privaten Märkte
Moderne Kapitalmärkte gehen weit über die klassischen Benchmarks für börsennotierte Aktien und Anleihen mit Investment-Grade-Rating hinaus. Private Märkte bieten Zugang zu einzigartigen Chancen, die traditionelle Anlagen ergänzen können.
Laut einer aktuellen Umfrage von BlackRock rechnen Vermögensverwalter damit, dass bis 2030 deutlich mehr in private Märkte investiert wird. Bei über 70% der Anleger dürfte der Portfolioanteil zwischen 5% und 20% liegen, während heute etwa zwei Drittel der Anleger schätzungsweise nur 0% bis 5% in private Märkte investieren.3
Unabhängig davon, ob mit einem Anteil von 20% oder einem anderen, besser auf die Kundenbedürfnisse abgestimmten Anteil – wir bieten einen vierstufigen Rahmen für Konzeption und Umsetzung einer Strategie für die Privatmärkte:
1. Privatmarktanlagen wählen
Wählen Sie alternative Anlageklassen aus, die Ihre Portfolioziele stützen.
2. Allokation festlegen
Bestimmen Sie Ihre Positionsgröße auf Basis von Risiko- und Ertragsannahmen und dem Liquiditätsbudget.
3. Passende Anlage wählen
Wählen Sie das geeignete Anlageinstrument für die gewünschten Ziele.
4. Mit ähnlichen Anlageklassen finanzieren
Nutzen Sie traditionelle Anlageklassen als Finanzierungsquelle – unter Berücksichtigung von Risiko, Ertrag und Korrelation mit Aktien.