Einführung in Liquid Alternatives
Hallo, ich bin Jeffrey Rosenberg, Senior Fixed Income Portfolio Manager bei BlackRock Systematic.
Im aktuellen Marktumfeld mit hoher Aktienkonzentration und weniger Diversifikation durch klassische Anleihen brauchen Anleger stärker diversifizierte und differenzierte Ertragsquellen. Wir entwickeln Liquid Alternatives, um Finanzberater hier auf drei Arten zu unterstützen:
Erstens durch Erträge abseits des Markt-Betas, also über Ertragsfaktoren, die nicht an die Marktentwicklung gekoppelt sind. Hierfür nutzen wir die Streuung innerhalb wie zwischen den Märkten, um unterschiedliche Alphaquellen zu schaffen.
Zweitens durch Stabilität. Durch eine über dem Zielwert liegende Inflation haben Anleihen ihre Rolle als Absicherungsinstrument teilweise eingebüßt. Liquid Alternatives können Kunden helfen, eine defensivere Positionierung beizubehalten und Portfolios zu diversifizieren.
Und drittens durch vielfältigere Anlagechancen. Ein erweitertes Instrumentarium, darunter Techniken wie Long/Short-Strategien, eröffnet ein breiteres Spektrum an Möglichkeiten über verschiedene Märkte hinweg. Das Ergebnis ist eine neue Ertrags- und Diversifikationsquelle, die hilft, widerstandsfähigere Portfolios aufzubauen.
Jeffrey Rosenberg, Senior Systematic Fixed Income Portfolio Manager, erläutert, wie wir Liquid Alternatives entwickeln, um Finanzberater zu unterstützen.
Das Wichtigste
Kapitalanlagerisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich angelegten Betrag möglicherweise nicht zurück.
- Liquid Alternatives bringen oft hedgefondsähnliche Anlageansätze in täglich handelbare Anlageinstrumente ein und können so leichter auf differenzierte Ertragsquellen zugreifen.
- Sie erweitern das Instrumentarium über klassische Long-only-Aktien- und Anleiheportfolios hinaus und nutzen etwa Long/Short-Strategien, um weniger mit breiten Marktindizes korreliert zu sein.
- Da Liquid Alternatives weniger abhängig sind von der allgemeinen Marktentwicklung, können sie bestehende Portfolioallokationen ergänzen, die Diversifikation verbessern und höhere risikoadjustierte Erträge in Aussicht stellen.
- Der Erfolg hängt davon ab, auf Strategien zu setzen, die echte Diversifikationsvorteile und eine stetige Wertentwicklung bieten und auf die Kundenziele abgestimmt sind.
Was sind Liquid Alternatives?
Liquid Alternatives nutzen Anlageansätze, die bei Hedgefonds üblich sind, werden aber über leichter zugängliche, oft täglich handelbare Instrumente wie Investmentfonds und börsengehandelte Fonds (ETFs) angeboten. Sie investieren hauptsächlich in börsennotierte Wertpapiere und unterscheiden sich damit von Alternatives, die auf Privatmärkte ausgerichtet sind.
Das Interesse an Liquid Alternatives nahm nach der internationalen Finanzkrise 2008 zu, da Transparenz, Liquidität und Risikomanagement an Bedeutung gewannen. Differenzierte, gering korrelierte Ertragsquellen, bislang hauptsächlich über institutionelle Hedgefonds verfügbar, wurden wichtiger. In den Folgejahren haben Fondsmanager diese Strategien zunehmend in breiter zugängliche Anlagevehikel integriert, sodass sie für immer mehr Anleger verfügbar sind.
In Portfolios werden Liquid Alternatives üblicherweise genutzt, um die Diversifikation zu verbessern und höhere risikoadjustierte Erträge zu ermöglichen. Sie setzen auf differenzierte Ertragsquellen, die weniger von der allgemeinen Marktentwicklung abhängen, und können so nur gering mit traditionellen Aktien, Anleihen und sogar anderen Alternatives korreliert sein.
Wie funktionieren Liquid Alternatives?
Liquid Alternatives greifen auf ein breiteres Instrumentarium zu als klassische Aktien- und Anleihestrategien.
Ein gängiger Ansatz ist, sowohl Long- als auch Short-Positionen einzugehen. Fondsmanager können Long-Positionen in Wertpapieren aufbauen, denen sie eine überdurchschnittliche Wertentwicklung zutrauen (relative Gewinner), und gleichzeitig Short-Positionen in denjenigen halten, bei denen sie eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung erwarten (relative Verlierer). Diese Flexibilität sorgt für mehr Chancen und ermöglicht Erträge durch relative Performanceunterschiede bei weniger Abhängigkeit von der allgemeinen Marktentwicklung, manchmal als Beta bezeichnet.
Diese Unterschiede in der relativen Wertentwicklung (oder die Abstände zwischen Gewinnern und Verlierern innerhalb und zwischen Märkten) nennt man Streuung. Ein Marktumfeld mit stärkerer Streuung kann Chancen für Relative-Value- und aktive Strategien bieten, höhere Erträge zu erzielen.
Wie die Grafik unten zeigt, hat die Streuung angesichts höherer gesamtwirtschaftlicher und politischer Unsicherheit zugenommen. Das zeigt sich auf Mikroebene, wo der Abstand zwischen den Aktien mit der besten und der schlechtesten Wertentwicklung größer geworden ist, wie auf Makroebene, wo die Ertragsunterschiede nationaler Aktienmärkte zugenommen haben, da sich Wirtschaft und Politik auseinanderentwickelt haben. Eine stärkere Streuung schafft ein günstigeres Umfeld für Strategien, die von relativen Performanceunterschieden profitieren.
Abbildung 1: Stärkere Streuung innerhalb und zwischen Märkten
Quelle: BlackRock, mit Daten von FactSet, Stand 31. Dezember 2025. Jährliche Streuung der Aktien berechnet als Differenz des durchschnittlichen Netto-Gesamtertrags der performancestärksten 50% der Titel des MSCI ACWI Index (Werte ab dem Median) und des Durchschnitt der schwächsten 50%. Das Diagramm zeigt den Durchschnitt der jährlichen Streuung über die einzelnen Zeiträume. Jährliche Streuung der Länder berechnet als Differenz der Wertentwicklung des stärksten und des schwächsten Landes. Das Diagramm zeigt den Durchschnitt der jährlichen Streuung über die einzelnen Zeiträume. Indexerträge nur zur Illustration, ohne Berücksichtigung von Managementgebühren oder Kosten. Indizes werden nicht gemanagt, und man kann nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Liquide alternative Anlagen nutzen auch häufig Derivate, wie Optionen, Terminkontrakte, Futures und Swaps. Diese Instrumente ermöglichen es Fondsmanagern, ihre Markteinschätzungen für unterschiedliche Anlageklassen, etwa Aktien, Zinsinstrumente, Unternehmensanleihen, Währungs- und Rohstoffstrategien, ausdrücken.
Über Derivate lässt sich eine Marktposition mit deutlich weniger Kapital aufbauen. Sie können daher eine kapitaleffiziente Möglichkeit bieten, ein Exposure aufzubauen. Verbleibende Mittel werden oft in kurzfristige Instrumente wie Schatzwechsel (Treasury Bills) investiert. So kann in die Fondsperformance sowohl der Ertrag, den die aktive Positionierung erzielt, als auch die Rendite aus den Geldmarktinstrumenten einfließen. Mit Derivaten lassen sich Markteinschätzungen flexibler und effizienter in Portfolios einbringen, sie bergen aber auch zusätzliche Risiken (siehe unten).
Welche Arten von Liquid Alternatives gibt es?
Liquid Alternatives umfassen verschiedene Arten von Strategien, ausgerichtet auf unterschiedliche Marktdynamiken und Ertragsfaktoren, darunter:
- Long/Short Equity: strebt Ertrag durch Aktienauswahl an, während eine gewisse Netto-Long-Position beibehalten wird
- Equity Market Neutral: setzt Long/Short-Strategien ein, die das Marktrisiko nahe null halten sollen
- Global Macro: will Relative-Value- und direktionale Strategien über Länder, Anlageklassen und Branchen hinweg nutzen
- Multi-Strategy: investiert in mehrere alternative Strategien innerhalb eines Portfolios und kombiniert sich ergänzende mit diversifizierenden Ertragsfaktoren
- Managed Futures: setzt Trendfolge-Techniken ein, um in Zeiten anhaltender Preisentwicklungen Erträge zu erzielen
- Event-Driven: zielt darauf ab, aus Unternehmensereignissen wie Fusionen, Übernahmen und Umstrukturierungen Kapital zu schlagen
- Relative Value/Arbitrage: versucht, Preisunterschiede zwischen verwandten Finanzinstrumenten zu nutzen, bei insgesamt geringerem Risiko
- Digital Assets: ermöglicht Anlagen in blockchainbasierten Vermögenswerten und entsprechenden Strategien für eine differenzierte Wertentwicklung im Vergleich zu traditionellen Märkten
Diese Strategien können einzeln oder in Kombination im Rahmen einer diversifizierten Allokation in alternative Anlagen eingesetzt werden. Da sie unterschiedliche Chancen erschließen, können Liquid Alternatives weniger mit anderen Portfoliobestandteilen sowie untereinander korreliert sein. Angesichts der Bandbreite an Strategien und der entsprechenden Portfolioergebnisse ist es entscheidend, dass Anleger Fonds im Einklang mit den Anlagezielen des Kunden auswählen.
Wo könnten Liquid Alternatives in Portfolios passen?
Liquid Alternatives dienen in Portfolios oft einer besseren Diversifikation und höheren risikoadjustierten Ergebnissen. Das ist für die Portfoliokonstruktion zunehmend wichtiger, da die Diversifikation durch traditionelle Aktien-Anleihen-Allokationen angesichts steigender Aktienkonzentration und einer weniger verlässlichen stabilisierenden Wirkung von Anleihen nachgelassen hat.
Wie unten gezeigt, können Liquid Alternatives das Portfoliorisiko senken und die Erträge über unterschiedliche Risikoprofile hinweg verbessern. In jedem Fall wird die Allokation vor allem aus Festzinspapieren finanziert, während der Anteil an Aktien leicht gesenkt wird. Dies zeigt einen Wandel hin zu stärker diversifizierten Ertragsquellen in konservativen, moderaten und wachstumsorientierten Portfolios.
Abbildung 2: Anlagen in Liquid Alternatives können für bessere Portfolioergebnisse sorgen
Quelle: BlackRock, mit Daten von Morningstar Direct, Stand 31. Dezember 2025. Diversifikation garantiert keine Gewinne und schützt auch nicht vor Kapitalverlust. Proxy für Aktien: iShares Core S&P 500 ETF (IVV), Proxy für Anleihen: iShares Core US Aggregate Bond ETF (AGG). Allokation in Alternatives als Anteil von jeweils 5% an folgenden Fonds: BlackRock Tactical Opportunities Fund Inst Shares (PBAIX), iShares Systematic Alternatives Active ETF (IALT), Global Equity Market Neutral Fund Inst Shares (BDMIX) und Systematic Multi-Strategy Fund Inst Shares (BIMBX). Indexperformance nur zur Illustration. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für oder ein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse. Anlageerträge und Kapitalwerte können schwanken, sodass die Anteile eines Anlegers bei Rücknahme mehr oder weniger wert sein können als ursprünglich. Alle Erträge verstehen sich unter Wiederanlage von Dividenden und Kapitalgewinnen. Die aktuelle kann niedriger oder höher ausfallen als die gezeigte Wertentwicklung. Informationen zur aktuellen Wertentwicklung zum Monatsende finden Sie unter blackrock.com.
Worauf sollten vermögende Anleger bei Liquid Alternatives achten?
Liquid Alternatives umfassen mehrere Strategiekategorien, und die Ergebnisse können selbst bei Strategien mit ähnlichen Mandaten erheblich variieren. Bei der Bewertung sollten vermögende Anleger Diversifikationspotenzial wie Beständigkeit der Erträge im Zeitablauf berücksichtigen.
Diversifiziert die Strategie Ihr aktuelles Portfolio sinnvoll? Hilfreich ist die Frage, wie sich die Strategie in der Vergangenheit gegenüber bereits investierten wichtigen Anlageklassen wie Aktien, festverzinslichen Wertpapieren oder Privatmärkten entwickelt hat.
Wichtig zu berücksichtigen ist die Korrelation mit diesen Anlagen, da eine geringere Korrelation auf ein differenzierteres Renditeprofil hinweisen kann, das das Gesamtportfolio ergänzt. Ebenso wichtig ist, das Beta der Strategie einzuschätzen, also ihre Sensitivität gegenüber allgemeineren Marktbewegungen. Ein niedrigeres Beta steht für eine geringere Anfälligkeit gegenüber Marktschwankungen.
Korrelation wie Beta können variieren, je nachdem, ob eine Strategie darauf abzielt, ein bestimmtes direktionales Risiko zu mindern oder zu nutzen. Entscheidend ist zu verstehen, wie diese Risiken in das Portfolio passen, und sicherzustellen, dass sie bestehende Risiken ergänzen, statt sie zu verstärken.
Hat die Strategie im Laufe der Zeit dauerhafte, stabile Erträge erzielt? Liquid Alternatives sind langfristig ausgerichtet und zielen darauf ab, in unterschiedlichsten Marktumfeldern Erträge bei vergleichsweise geringer Volatilität zu erzielen. Die Bewertung der Performance in steigenden wie in fallenden Märkten kann helfen zu beurteilen, wie stabil die Erträge sind.
Kennzahlen wie die Sharpe Ratio, definiert als Überrendite eines Portfolios gegenüber dem risikofreien Zinssatz im Verhältnis zur Volatilität, können helfen zu bestimmen, wie effizient eine Strategie Risiko in Rendite umgewandelt hat. Höhere Werte weisen auf mehr Effizienz hin. Zusätzlich können Angaben zur Partizipation an Auf- oder Abschwüngen Einblick geben, wie die Strategie in unterschiedlichen Marktumfeldern abgeschnitten hat. Eine Strategie, die häufig an Kursgewinnen partizipiert und gleichzeitig das Verlustrisiko begrenzt, kann darauf hindeuten, dass Erträge eher auf differenzierten Anlageansichten beruhen als auf breitem Marktengagement.
Die Grafik unten veranschaulicht die Bandbreite von Erträgen und Korrelationen bei Liquid Alternatives und verdeutlicht, wie stark die Ergebnisse selbst innerhalb ähnlicher Kategorien variieren können. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, nicht einfach nur in die Kategorie zu investieren, sondern gezielt Strategien auszuwählen, die auf die Portfolioziele abgestimmt sind und bestehende Engagements sinnvoll ergänzen.
Abbildung 3: Liquid Alternatives, die das Portfolio stabilisieren können
Quelle: Morningstar, Stand 31. Dezember 2025. Durchschnitte der Kategorien Multi-Strategy, Macro Trading und Equity Market Neutral von Morningstar. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für oder ein Hinweis auf zukünftige Ergebnisse.
Was sind die Risiken von Liquid Alternatives?
Liquid Alternatives bergen wie alle Anlagen Risiken. Die Ergebnisse variieren je nach Strategie und können durch Marktbewegungen, Short-Positionen und den Einsatz von Derivaten beeinflusst werden. Obwohl Liquid Alternatives oft zur Verbesserung der Diversifikation eingesetzt werden, können sie dennoch Verlustphasen erleben, und Diversifikation allein eliminiert das Anlagerisiko nicht. Liquid Alternatives umfassen mehrere Strategiekategorien, und die Ergebnisse können selbst bei Strategien mit ähnlichen Mandaten erheblich variieren, daher ist eine gründliche Due Diligence und durchdachte Fondsauswahl entscheidend.
Darüber hinaus bringen Liquid Alternative-Strategien, die Derivate einbeziehen, zusätzliche Überlegungen und Risiken mit sich, einschließlich Hebelwirkung und Sensitivität gegenüber Marktbewegungen. In bestimmten Fällen können Verluste die ursprüngliche Investition übersteigen, und die Liquidität der zugrunde liegenden Instrumente kann je nach Marktbedingungen variieren.