INSIDE ALTERNATIVES

Auswahl eines alternativen Anlageinstruments

Hallo, ich bin Galina Volkova, Head of EMEA Strategy innerhalb der Sparte Global Product Solutions bei BlackRock. Die Privatmärkte spielen eine immer größere Rolle in Portfolios, denn sie bieten Anlagen mit Potenzial für langfristiges Wachstum, laufende Erträge und Diversifikation. Hier sind drei wesentliche Aspekte zum Verständnis von Fondsstrukturen, die vermögenden Anlegern in Europa den Zugang zu Privatmarktanlagen ermöglichen. Erstens: Der Zugang wird einfacher. Der Zugang war lange Zeit eine der größten Hürden an den Privatmärkten. Neue Fondsstrukturen helfen, das zu ändern, und öffnen Chacen an den Privatmärkten für mehr Anleger. Zweitens: Die Struktur ist wichtig. In Europa bieten Fondsstrukturen wie der ELTIF eine praktische und transparentere Möglichkeit zu investieren und tragen dazu bei, langfristige Anlagen mit langfristigen Wachstumschancen zu verbinden. Eigenschaften wie regelmäßige Liquidität, konstante Anlagen an Privatmärkten und einfachere Portfoliointegration können es leichter machen, alternative Anlagen zu bewerten und eine Anlage umzusetzen. Drittens: Privatmarktanlagen werden flexibler. Viele ELTIFs erlauben Zugang zu Evergreen-Fondsstrukturen. Dabei handelt es sich um offene Fonds mit periodischen Zeichungs- und Rückgabefenstern – was letztlich langfristig einen flexibleren Zugang zu Privatmarktanlagen bietet.

Galina Volkova, Head of EMEA Strategy bei BlackRock innerhalb der Sparte Global Product Solutions, erläutert drei wichtige Aspekte beim Einsatz leichter zugänglicher Vehikel, um vielfältigere Chancen bei alternativen Anlagen und an den Privatmärkten zu nutzen.

Das Wichtigste

Kapitalanlagerisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich angelegten Betrag möglicherweise nicht zurück.

  • Da alternative Anlagen zunehmend zu einem festen Bestandteil diversifizierter Portfolios werden, ist die Art und Weise, wie Anleger Zugang zu diesen Strategien erhalten, mittlerweile genauso wichtig wie die Strategien selbst.
  • Anlagen in Alternatives und die Privatmärkte können über verschiedene Strukturen mit jeweils unterschiedlichen Merkmalen und Anwendungsbereichen erfolgen.
  • Das Verständnis dieser Strukturen hilft Anlegern, ihre Allokationen in alternative Anlagen auf Ziele, Restriktionen und Erwartungen der Kunden abzustimmen.

Fondsstrukturen

Bevor man sich mit spezifischen Fondsstrukturen und regulatorischen Rahmenbedingungen befasst, ist es wichtig, die verschiedenen Strukturierungsmöglichkeiten eines Privatmarkt- oder Alternatives-Fonds zu verstehen. Es gibt Modelle mit Kapitalabruf und vollständig finanzierte sowie geschlossene oder offene Modelle. Ist der Fonds zeitlich unbefristet, wird er als „Evergreen“ bezeichnet.

Geschlossen

Im Wesentlichen stellen Investoren einem Fonds Kapital zur Verfügung, auf das der General Partner (GP) im Laufe der Zeit zugreift, um es über einen festgelegten Zeitraum zu investieren, bevor das Kapital samt Erträgen schließlich an die Investoren zurückgezahlt wird. Nach Ablauf der anfänglichen Zeichnungsphase gilt der Fonds als „geschlossen“ – das heißt, es können keine neuen Anleger mehr Anteile am Fonds erwerben.

Vorteile:

  • Potenziell höhere Erträge durch Verzicht auf eine Liquiditätsreserve
  • Potenziell bessere Ausrichtung auf langfristige Anlagestrategien, was zu höheren Erträgen führen kann
  • Klare Struktur mit festgelegten Zeitplänen für Kapitalabrufe und Ausschüttungen

Nachteile:

  • Mangelnde Liquidität
  • J-Kurven-Effekt auf die Rendite
  • Unregelmäßige und schwerer prognostizierbare Ausschüttungen
  • Möglicherweise hohe Gebühren, die die Nettorenditen beeinträchtigen können, dies insbesondere in den Anfangsjahren unter Einfluss des J-Kurven-Effekts, wenn Gebühren anfallen, bevor das Kapital vollständig investiert ist

Offen

Anleger können Anteile auf Basis des Nettoinventarwerts (NAV) in unregelmäßigen Abständen zeichnen und zurückgeben bzw. kaufen und verkaufen – allerdings oft unter Einschränkungen (bisweilen als „Gating“-Bestimmungen bezeichnet), um der Illiquidität der zugrunde liegenden Vermögenswerte Rechnung zu tragen. Diese Fonds haben eine unbegrenzte Laufzeit.

Vorteile:

  • Regelmäßige Liquidität für Anleger
  • Einfache Preisbildung auf Basis des NAV
  • Weniger ausgeprägtes J-Kurven-Renditeprofil

Nachteile:

  • Trotz besserer Liquidität als bei geschlossenen Fonds kann es zu Einschränkungen oder Aussetzungen bei der Rücknahme von Anteilen kommen
  • NAV-Berechnungen können langsamer oder weniger häufig erfolgen (z. B. vierteljährlich)
  • Möglicher Cash Drag*
  • Laufende Gebühren, die auf den NAV erhoben werden, können die Erträge im Laufe der Zeit schmälern, und die erforderliche kontinuierliche Bewertung der Vermögenswerte kann für zusätzliche Komplexität sorgen

* „Cash Drag“ bezeichnet die negative Auswirkung auf den Anlageertrag, die dadurch entsteht, dass Barmittel oder geldmarktnahe Anlagen gehalten werden, statt vollständig in renditestärkere Vermögenswerte zu investieren.

Vollständig finanziert

Vollständig finanziert bedeutet, dass Anleger bei der Zeichnung 100% des Kapitals im Voraus einzahlen. Der Fonds verfügt somit vom ersten Tag an über sein gesamtes Kapital und kann dieses unmittelbar investieren. Daher gibt es keine Kapitalabrufe, und der GP entnimmt schrittweise Liquidität, um Investitionen zu tätigen.

Das heißt aber auch, dass der Fonds zwangsläufig über gewisse Zeiträume hinweg Barmittel hält, was zu einem „Cash Drag“ führt. Vollständig finanzierte Fonds halten häufig einen Teil ihres Portfolios in liquiden Mitteln, um sicherzustellen, dass sie Anlegern Liquidität zur Verfügung stellen können. Einige Manager versuchen, den Cash Drag zu minimieren, indem sie diese liquiden Mittel aktiv managen – das ist ein wichtiger Faktor, auf den Anleger achten sollten.

Vorteile:

  • Einfache Finanzierung
  • Sofort investierbares Kapital für schnellere Investitionen und potenziell schnelleren Zugang zu Privatmarktanlagen; attraktiv für vermögende Anleger, die Wert auf Einfachheit, schnellere Investitionen und schnellere Erträge legen

Nachteile:

  • Möglicher Cash Drag
  • Liquiditätsprobleme können weiterhin bestehen

Kapitalabruf

Das ist der eher traditionelle Ansatz für Privatmarktfonds. Anleger sagen vorab einen bestimmten Kapitalbetrag zu (z. B. 10.000.000 US-Dollar), zahlen diesen jedoch erst ein, wenn er vom GP abgerufen wird – beispielsweise 2.000.000 US-Dollar im ersten Jahr, weitere 3.000.000 US-Dollar im zweiten Jahr usw. Dieses Vorgehen eignet sich besonders für langfristige Strategien und kann den Anteil ungenutzter Liquidität im Fonds verringern.

Vorteile:

  • Minimierter Cash Drag

Nachteile:

  • Unvorhersehbare Zeitplanung für Anleger
  • Neigt zu einem J-Kurven-Renditeprofil

Regulatorische Fondsstrukturen

Neben den oben genannten verschiedenen Fondsstrukturen, die alternative Fonds nutzen können, gibt es in der EMEA-Region regulatorische Strukturen/Wrapper, die sich jeweils für spezifische Anwendungsfälle eignen.

Regulatorische Strukturen Beschreibung Liquidität und Laufzeit Anwendungsbeispiel
ELTIF1 Der European Long-Term Investment Fund (ELTIF) ist ein Anlageinstrument, das es ermöglicht, Privatmarktfonds mit einer einzigen Vertriebszulassung EU-weit zu vermarkten. Das jüngste Update, ELTIF 2.0, bietet niedrigere Mindestanlagebeträge und regelmäßige Liquiditätsfenster sowie zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten für Vermögensverwalter. In der Regel bieten ELTIFs regelmäßige Liquiditätsfenster, beispielsweise vierteljährliche Rücknahmen. ELTIFs können für vermögende Anleger ein bequemer Weg zu Privatmarktinvestments sein. Aufgrund der jüngsten Anpassungen eignet sich der ELTIF jedoch für eine Vielzahl von Bereichen, von Beratung über diskretionäre Vermögensverwaltung bis hin zu digitalen Plattformen.
LTAF LTAFs (Long-Term Asset Funds) sind im Vereinigten Königreich durch die FCA regulierte Anlagevehikel, konzipiert für langfristige Investitionen in alternative Anlageklassen. Es sind offene Fonds, die Investitionen in eine breite Palette privater Anlageklassen ermöglichen, während sie gleichzeitig einen Liquiditätspuffer in öffentlich gehandelten Wertpapieren halten dürfen. Aufgrund des längeren Zeithorizonts von 10 bis 15 Jahren oder länger bieten sie in der Regel vierteljährliche oder halbjährliche Rückgabemöglichkeiten an. Geeignet für eine Vielzahl von vermögenden Anlegern, insbesondere jedoch für britische beitragsorientierte (DC) Altersvorsorgepläne.
SICAV SICAV (Société d’investissement à Capital Variable) sind in Europa öffentlich gehandelte offene Investmentfonds. Ähnlich wie bei offenen US-Investmentfonds werden Anteile auf Basis des Nettoinventarwerts des Fonds (NAV) gekauft und verkauft. Da SICAVs offene Fonds sind, hängt die Liquidität von den jeweiligen Bedingungen ab; in der Regel bieten sie jedoch regelmäßige Liquiditätsfenster. Ein vermögender Anleger, der in eine diversifizierte Palette von Anlageklassen investieren und dabei liquide bleiben möchte, kann dies mithilfe von SICAV-Fonds umsetzen. Denn es handelt sich um offene Fonds, die in unterschiedliche Anlageklassen investieren können.
AIFs Alternative Investmentfonds (AIF) sind Anlageinstrumente, bei denen Kapital von mehreren Anlegern gebündelt und anschließend in alternative Anlageklassen investiert wird. AIF ist ein Oberbegriff für verschiedene Fondsstrukturen, wie zum Beispiel ELTIFs und REITs. Je nach Fonds unterschiedlich. Ein vermögender Anleger, der seine Renditen steigern möchte, kann einen AIF nutzen, um ein Exposure an den Privatmärkten zu erzielen.

1 Quelle: ELTIF 2.0 (Verordnung (EU) 2023/606) zur Änderung der ursprünglichen ELTIF-Verordnung (Verordnung (EU) 2015/760).

ELTIFs im Details

Die 2015 eingeführten ELTIFs sind regulierte Anlagevehikel, die darauf abzielen, langfristige Investitionen in die europäische Wirtschaft zu fördern. Vor Kurzem wurden die ELTIF-Vorschriften aktualisiert („ELTIF 2.0“). Ziel ist, sowohl professionellen als auch nicht professionellen Anlegern in Europa den Zugang zu Investitionen in Privatmärkten zu erleichtern. Durch offene und Evergreen-Strategien werden flexible Liquiditätsbedingungen geschaffen sowie das für Vermögensverwalter verfügbare Anlagespektrum mittels mehrerer neuer Vertriebskanäle erweitert.

Warum der ELTIF?

  • Der ELTIF ist die einzige Struktur, die sowohl professionellen als auch nicht professionellen Anlegern in Europa umfassenden Zugang zu Anlagen an den Privatmärkten in institutioneller Qualität ermöglicht.
  • Im Rahmen von ELTIF 2.0 können ELTIFs nun als Evergreen-Strategien mit offener Struktur verwaltet werden, was eine dynamischere Portfoliokonstruktion und flexible Liquiditätsbedingungen ermöglicht.
  • Der ELTIF erweitert das Spektrum der Anlagemöglichkeiten für Vermögensverwalter über verschiedene Kanäle hinweg, einschließlich Anlageberatung, digitaler Angebote und diskretionärer Vermögensverwaltung.
  • Er ermöglicht flexiblere Handelsbedingungen und eine höhere Liquidität für Anleger bei gleichzeitig niedrigerer Mindestinvestitionsschwelle.

Praxisbeispiele von ELTIFs

Neben dem Angebot direkter Transaktionen für vermögende Kunden an den Privatmärkten nutzen große Vermögensverwalter üblicherweise ELTIFs, um Anlagen an diesen Märkten zu ermöglichen – sei es durch Dachfonds, Sekundärmarkttransaktionen (Secondaries), Co-Investments oder Multi-Asset-Strategien innerhalb eines einzigen Portfolios.

Einige ELTIFs enthalten zudem eine kleine Liquiditätskomponente aus börsennotierten Vermögenswerten und Barmitteln, um die Abwicklung von Zeichnungen, Rücknahmen und Kapitalabrufen zu erleichtern. Dies ermöglicht es Anlegern, vom langfristigen Ertragspotenzial privater Märkte zu profitieren – und zwar über ein diversifiziertes, professionell strukturiertes Anlagevehikel, das leichter zugänglich und flexibler ist als herkömmliche geschlossene Fonds.

ELTIF 2.0 – Richtlinien und Zusammenfassung:  

Liquidität

ELTIFs können regelmäßige (bisweilen monatliche) Zeichnungsmöglichkeiten bieten.

Nach einer Anlaufphase werden Rücknahmen in der Regel vierteljährlich angeboten.

Es gibt keine festgelegte Mindesthaltedauer, bei einigen ELTIFs kann jedoch in den ersten Jahren eine Rücknahmegebühr anfallen.

Zulässige Vermögenswerte

ELTIFs können in alle Bereiche der Privatmärkte investieren, verschiedene Anlagearten nutzen (einschließlich Direktinvestitionen, Sekundärmarkttransaktionen und Co-Investments) und weltweit investieren. Ein Fonds kann zudem eine Liquiditätskomponente nutzen, um in börsennotierte Instrumente wie Aktien, Anleihen oder Geldmarktinstrumente zu investieren.

Diversifikation

Mindestens 55% eines ELTIF-Fonds müssen in zulässige Vermögenswerte investiert sein

Die maximale Allokation beträgt 20% für ein einzelnes Portfoliounternehmen oder einen einzelnen Vermögenswert, direkt oder indirekt, und maximal 10% für UCITS-fähige Vermögenswerte.

Zu den zulässigen Vermögenswerten gehören beispielsweise Aktien und eigenkapitalähnliche Instrumente, Schuldtitel, Loans und Sachwerte.

Weitere Überlegungen

Es gibt keine festgelegte Mindestanlagesumme. Einige Fonds können jedoch eine eigene Mindestanlagesumme bestimmen.

Quelle: BlackRock, Stand 30. April 2026. Nur zur Illustration.