Einführung in die Privatmärkte
Hallo, ich bin Fabio Osta, Head of Alternatives für EMEA Wealth bei BlackRock.
Heute spielen die Privatmärkte eine immer wichtigere Rolle in der Weltwirtschaft. Sie werden für immer mehr Kunden zu einem zentralen Bestandteil ihres Gesamtportfolios.
Und dies geschieht zu einer Zeit, in der sie sich selbst in dreierlei Hinsicht weiterentwickeln:
Erstens: Die Privatmärkte werden zugänglicher.
Neue Strukturen machen es einfacher als je zuvor, die Privatmärkte für immer mehr unterschiedliche Investoren zugänglich zu machen.
Zweitens: Die Privatmärkte werden ganzheitlicher.
Im Kern geht es dabei um die Verzahnung öffentlicher und privater Märkte.
Da die Privatmärkte zugänglicher werden, dürften sie sich von einer Nischenanlage zu einem festen Bestandteil von Kundenportfolios entwickeln. Langfristig dürfte aus den klassischen 60/40-Portfolios aus unserer Sicht eher eine Aufteilung von 50/30/20 werden.
Drittens: Die Privatmärkte werden transparenter.
Investoren haben heute viel mehr Einblick in General Partners, zugrunde liegende Vermögenswerte und die Wertentwicklung als je zuvor. Und das ist wichtig, denn Transparenz ist entscheidend für Vertrauen, Portfoliokonstruktion und langfristige Anlageentscheidungen.
Fabio Osta, Head of Alternatives für EMEA Wealth, spricht über drei Aspekte, mit denen wir Wealth-Investoren helfen wollen, Chancen bei alternativen Anlagen und an den Privatmärkten zu nutzen.
Das Wichtigste
Kapitalanlagerisiko. Der Wert von Anlagen und die daraus erzielten Erträge können sowohl steigen als auch fallen und sind nicht garantiert. Anleger erhalten den ursprünglich angelegten Betrag möglicherweise nicht zurück.
- Die Privatmärkte sind ein wachsendes Segment alternativer Anlagen und entwickeln sich zu einem zentralen Bestandteil moderner Portfolios.
- Diese Strategien bieten differenzierte Ertragschancen durch Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien. Sie erfordern aber einen langen Anlagehorizont und eine sorgfältige Auswahl der Manager.
- Strukturelle Veränderungen, darunter der Umstand, dass immer weniger Unternehmen an die Börse gehen und die Kreditvergabe durch Banken nachlässt, sorgen für mehr Chancen und Wachstum an den privaten Märkten.
Was sind Privatmärkte?
Innerhalb alternativer Anlagen zeichnen sich die Privatmärkte dadurch aus, dass die entsprechenden Anlagen nicht an öffentlichen Börsen notiert sind oder dort gehandelt werden. Während der Zugang zu diesen Märkten früher erschwert war, bieten sie heute – dank ihrer stetigen Weiterentwicklung – neue Chancen für Anlageportfolios.
Dank Produktinnovationen können in den letzten Jahren immer mehr Anleger in Anlageklassen wie Private Equity, Private Credit, Immobilien und Infrastruktur investieren. Insgesamt werden die privaten Märkte von einer Nischenanlage, hauptsächlich von großen Institutionen genutzt, zu einem zentralen Bestandteil moderner Portfolios.
Die wichtigsten Anlageformen sind:
- Private Equity: Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen, einschließlich Buyouts, Growth Equity und Venture Capital
- Private Credit: Direktkredite und andere Kreditvergabestrategien außerhalb des Bankensektors an nicht börsennotierte Unternehmen sowie eine wachsende Zahl börsennotierter Unternehmen, die nach alternativen Kapitalquellen suchen
- Immobilien (Fremd- oder Eigenkapital): Strategien, die auf Erwerb, Verwaltung und/oder Veräußerung von Immobilien ausgerichtet sind, um Erträge zu erzielen
- Infrastruktur: Investitionen in Einrichtungen, Dienstleistungen und physische Systeme, die für das tägliche Leben und die wirtschaftliche Produktivität als unverzichtbar gelten
Was sind die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale an Privatmärkten?
Anlagen an Privatmärkten werden nicht wie Aktien und Anleihen an öffentlichen Börsen gehandelt, obwohl der Zugang dazu mittlerweile über nicht börsennotierte, registrierte Fondsvehikel möglich ist. In der Regel ist die langfristige Wertschöpfung wichtiger als die Quartalsergebnisse.
Die Anlagen sind auf einen längeren Zeithorizont ausgelegt. Die Vermögenswerte sind im Allgemeinen weniger liquide als an öffentlichen Märkten, was bedeutet, dass sie langwieriger oder schwieriger zu verkaufen sind, während börsennotierte Investmentfonds auf tägliche Handelbarkeit ausgelegt sind. Als Ausgleich für die geringere Liquidität konnten Anleger in der Vergangenheit höhere Erträge erwarten – auch als „Illiquiditätsprämie“ bezeichnet.
Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Komplexität. Der Erfolg hängt von Fachwissen und Erfahrung ab. Die besten Manager wissen, wie man einzigartige Chancen entdeckt und komplexe Investitionen steuert, um Aussicht auf Ertrag zu haben. Die Managerauswahl ist daher entscheidend.
Warum Privatmärkte in Betracht ziehen?
- Mehr Chancen
Privatunternehmen sind ein wachsender Teil der Wirtschaft und bietet Möglichkeiten zum Vermögensaufbau, da immer mehr Unternehmen länger in privater Hand bleiben. - Differenziertes Ertragspotenzial
Privatmärkte haben in der Vergangenheit attraktive risikoadjustierte Erträge und differenzierte Anlagemöglichkeiten geboten. Die Ertragsunterschiede werden oft auf Illiquiditäts- und Komplexitätsprämien zurückgeführt. - Neue Zugangswege
Vor zehn Jahren waren Privatmärkte meist nur institutionellen Anlegern und vermögenden Privatpersonen vorbehalten. Brancheninnovationen sowie bessere Daten und mehr Transparenz machen sie für Privatanleger zugänglicher, sei es durch Evergreen-Produkte oder Gesamtportfolio-Lösungen und -Dienstleistungen, die Anlagen in öffentliche und private Märkte in einem einzigen Mandat bündeln.
Abbildung 1: Privatmärkte können langfristige Ertragschancen bieten
Quelle: Preqin Insights+, S&P CapIQ, Federal Reserve, MSCI. Stand 16. Mai 2025. Hinweis: Daten zu 10-Jahres-Erträgen auf Basis rollierender Erträge bis zum 4. Quartal 2024, annualisierter geometrisch berechneter Durchschnitt. Total-Return-Indizes. Indexerträge nur zur Illustration, kein Abbild der tatsächlichen Fondsperformance. Angaben ohne Managementgebühren, Transaktions- oder sonstige Kosten. Indizes werden nicht gemanagt, und man kann nicht direkt in einen Index investieren. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Anlageklassen-Proxys: Public REIT: S&P Global REITs TR Index, Public Infra: S&P Global Infrastructure Index, US-High-Yield: ICE BofA US High Yield Index, Russell 2000: Russell 2000 Total Return Index, S&P 500: S&P 500 Total Return Index. Immobilien, Private Debt, Infrastruktur und Private Equity werden durch das eigene Benchmarking-Team von Preqin® berechnet und basieren nicht auf öffentlich verfügbaren Indizes.
Was lässt die Privatmärkte wachsen?
Langfristige Trends sprechen weiterhin für Anlagen an den privaten Märkten.
An den öffentlichen Märkten ist das Risiko zunehmend konzentriert, da große Indizes von wachstumsorientierten Technologieaktien dominiert werden. Betrachtet man die Gesamtheit der börsennotierten Unternehmen, so machen die 20 größten Werte inzwischen mehr als 30% der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung aus – gegenüber knapp 14% im Jahr 2015 (siehe Abbildung 1). Dies geht mit einem Rückgang der Börsengänge in den letzten zehn Jahren einher, da Unternehmen länger in privater Hand bleiben.
Abbildung 2: Börsennotierte Aktien sind zunehmend konzentriert
Quelle: Preqin Insights+, Aladdin, MSCI, Stand November 2025, auf Basis der Marktkapitalisierung des MSCI ACWI IMI. Nur zur Illustration. Asset-Allokations- und Diversifikationsstrategien garantieren keine Gewinne und schützen auch nicht vor Verlusten. Indizes werden nicht gemanagt, Indexperformance nur zur Illustration. Man kann nicht direkt in einen Index investieren.
Die Kapitalbildung verlagert sich zunehmend auf private Märkte – heute befinden sich 81% der Unternehmen mit einem Umsatz von über 100 Millionen US-Dollar in Privatbesitz. Angesichts der rückläufigen Kreditvergabe durch Banken und schrumpfender öffentlicher Märkte ist privates Kapital zu einer unverzichtbaren Säule für die Finanzierung von Unternehmensinvestitionen, Innovationen und Wirtschaftswachstum geworden. Infolgedessen überdenken Investoren ihre traditionellen Anlagepositionen und prüfen, wie private Märkte ihr Anlagespektrum erweitern können.
Quelle: S&P Capital IQ, BlackRock. Anzahl globaler Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen US-Dollar, verfügbare Daten Stand 22. April 2026.
Abbildung 3: Immer mehr Chancen
Quelle: US Census Bureau – Center for Economic Studies, Business Dynamics Statistics (2022) und Datenbank der World Federation of Exchanges (weitere Informationen siehe Wichtige Hinweise), jeweils neueste Daten von 2022, abgerufen am 2. April 2025. Die Grafik zeigt das Wachstum oder den Rückgang börsennotierter wie nicht börsennotierter Unternehmen in den USA von 1988 bis 2022. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.
Abbildung 4: Rückzug der Banken aus den Kreditmärkten öffnet Möglichkeiten für private Finanzierungen
Nur zur Illustration. S&P LCD, Pitchbook LCD, Stand 31. März 2024, jeweils neueste verfügbare Daten. Es werden ausgewählte Zeitpunkte gezeigt, um einen Trend über mehr als 20 Jahre zu veranschaulichen. Als Nicht-Banken-Kreditgeber gelten Finanzinstitute ohne vollständige Banklizenz und solche, die keine öffentlichen Einlagen annehmen können. Dazu gehören Risikokapitalgeber, Versicherungsgesellschaften, Anbieter von Mikrokrediten und Wechselstuben (Quelle: Weltbank).
Abbildung 5: Traditionelle Portfolios entwickeln sich weiter
Da die privaten Märkte ein potenziell attraktives Risiko-Ertrags-Profil bieten, dürften mehr Anleger dazu übergehen, neben traditionellen Aktien und Anleihen auch in diese Märkte zu investieren.
Quelle: BlackRock Alternative Portfolio Solutions. Diese Informationen sind weder als Empfehlung für eine Anlage in eine bestimmte Anlageklasse oder Strategie noch als Zusicherung – oder auch nur als Schätzung – der künftigen Wertentwicklung zu verstehen. Vergangenheitsbeispiel: Portfolio aus 60% MSCI ACWI, 38% Bloomberg Agg Bond Index und 2% Barmitteln ggü. 51% MSCI ACWI, 22% Bloomberg Agg Bond Index, 2% Barmitteln, 9% Burgiss Private Equity Manager Universe (aus 7.727 Private-Equity-Fonds, Jahrgänge 1978–2023, zeitgewichtete Quartalserträge), 6% Cliffwater Direct Lending Index sowie eine Komponente von 10% „diversifizierende alternative Anlagen“, gespeist aus den Indizes Credit Suisse Equity Market Neutral, Credit Suisse Multi-Strategy und Credit Suisse Global Macro.
Zugang zu den Privatmärkten
In jüngster Zeit haben Investoren ihren Zugang zu Anlagen an den Privatmärkten vor allem durch nicht börsennotierte, registrierte Fonds erweitert, die vergleichsweise niedrige Mindestanlagesummen und eine unkomplizierte Berichterstattung bieten. So konnten mehr Anleger die Privatmärkte durch einfach umzusetzende Investitionen erschließen.
Wichtige Überlegungen für Investitionen in Privatmärkte
- Managerauswahl
Bei Strategien für private Märkte kann es zu erheblichen Ertragsunterschieden kommen. Achten Sie bei der Managerauswahl auf Branchenerfahrung, eine nachweisliche Erfolgsbilanz, Größe, Gebühren und Transparenz bei der Berichterstattung.
- Zugangsmöglichkeiten
Produktinnovationen haben Privatanlegern einen besseren Zugang zu den privaten Märkten ermöglicht. Neue registrierte Fondsstrukturen bieten mehr Transparenz und operative Effizienz als ihre Vorgänger.
- Liquiditätsbedarf
Auch wenn neue Strukturen möglicherweise eingeschränkte Liquidität und kürzere Sperrfristen im Vergleich zu traditionellen Fonds haben, sind Investitionen in die Privatmärkte auf einen längeren Zeithorizont zur Wertschöpfung ausgelegt. Berücksichtigen Sie bei Anlagen an diesen Märkten Ihren Liquiditätsbedarf und Ihren Anlagehorizont.
Private Märkte verändern die Art und Weise, wie Anleger über Portfoliokonstruktion denken. Da der Zugang immer leichter wird, spielen Private Equity, Private Credit, Infrastruktur und Immobilien neben traditionellen Aktien und Anleihen eine immer wichtigere Rolle. Mit durchdachter Umsetzung und langfristiger Perspektive können sie zu mehr Chancen und besseren Anlageergebnissen beitragen.