Monatsbilanz Dezember: Vogelpark EZB

Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA
BlackRock Kapitalmarktstratege

Monat in 90 Sekunden

Beitrag vom 6. Januar 2020

Mit dem Dezember 2019 geht ein Jahr zu Ende, in dem bedeutsame langfristige Trends ihre Grenzen ausgetestet haben. Wachsende Ungleichheit und der Vormarsch des Populismus hatten Konsequenzen für Steuern und Regulierung. Handelskonflikte und Deglobalisierung bremsten das Wachstum und trieben die Inflation an. Die Zinsen näherten sich ihren Untergrenzen, sodass geldpolitische Maßnahmen zunehmend wirkungslos verpufften. Und mit Nachhaltigkeit verbundene Faktoren wie der Klimawandel hatten reale Folgen für die Vermögenspreise, rückten sie doch zunehmend in den Fokus der Anleger.

An den Börsen verlief der letzte Monat des unverhofft positiven Finanzmarktjahres 2019 hingegen eher unspektakulär. Die Aktienmärkte in Industrie- und Schwellenländern traten weitestgehend auf der Stelle, während die Renditen deutscher und US-amerikanischer Staatsanleihen nur um einige wenige Basispunkte nach oben klettern. Die gute Nachricht war: Eine Wiederauflage des desaströsen Dezembers 2018 gab es nicht. Mit einem Plus von mehr als 25 Prozent verzeichnete der DAX gar das stärkste Jahr seit 2013.

Eines der absoluten Highlights des Monats Dezember war sicher die erste EZB-Sitzung unter Christine Lagarde. Auf sympathische Art und Weise gab die neue EZB-Präsidenten den Märkten zu verstehen, dass sie es fortan mit einem neuen Vogeltypus in Sachen Geldpolitik zu tun haben. Lagarde möchte nämlich weder im Lager der Tauben (zu dem häufig ihr Vorgänger Mario Draghi gezählt wurde) noch in dem der Falken verortet werden. Vielmehr versteht sich Lagarde nach eigener Aussage als „Eule“, welche die EZB mit einer gehörigen Portion Weisheit in eine ungewisse und gleichermaßen herausfordernde Zukunft steuert.

Die wichtigste Aufgabe Lagardes im kommenden Jahr wird der längst überfällige „strategische Review“ der europäischen Geldpolitik sein – wohlgemerkt der erste seit 2003. Im Zentrum dürfte unter anderem die Frage stehen, ob die EZB ihr Mandat – die Sicherung der Preisstabilität – mit einer anvisierten Inflationsrate von unter aber nahe zwei Prozent noch zeitgemäß zu erfüllen versucht. Während Lagarde ergebnisoffen in die Analyse gehen möchte, dürfte klar sein, dass die EZB gut beraten wäre, sich schleunigst als der Sackgasse heraus zu manövrieren, in die sie in den letzten Jahren geraten ist. Wobei an dieser Stelle noch einmal deutlich gesagt sei: So richtig und wichtig die Lockerungspolitik unter Draghi war, die Verantwortung für die Misere der EZB ist auch und vor allem auf Seiten der Regierungen in Madrid und Rom sowie Paris, Brüssel und Berlin zu suchen.

Letztlich haben uns die Jahre 2018 und 2019 gelehrt, dass die Diagnose von Mohamed El-Erian aus dem Jahr 2016, wonach Zentralbanken „the only game in town“ sind, durchaus zutreffend war. Im Jahr 2018 war es die Straffung der Geldpolitik, die die Märkte in Aufruhr versetzte. In diesem Jahr stach die noch zu Jahresbeginn nicht für möglich gehaltene Lockerungspolitik großer Zentralbanken die „wall of worry“ (bestehend aus geopolitischen Sorgen wie dem Brexit und dem Handelskrieg) aus. Insofern muss sich bei der Beantwortung der Frage, wohin es mit den Märkten in 2020 geht, der Blick unweigerlich auf die Zentralbanken richten – und Lagarde wird Antworten liefern müssen.

 

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