Monatsbilanz Juli 2019: Notenbanken, Trump und “BoJo“ zerren an den Kursen

Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA
BlackRock Kapitalmarktstratege

Beitrag vom 2. August 2019

Das Monatshighlight im Juli gab es kurz vor Ultimo: Mit einer Leitzinssenkung um 25 Basispunkte hat die US-Notenbank am 31. Juli zum ersten Mal seit rund elf Jahren die Zinsen gesenkt. Ein Schritt der sich bereits seit mehreren Wochen angedeutet hatte.

Anders als die EZB, die im Juli eine Lockerung der Geldpolitik für den Herbst in Aussicht gestellt hat und dabei mehr oder weniger „klassisch“ auf eine Verschlechterung der makroökonomischen Fundamentaldaten reagiert, handelte es sich bei der Fed um einen „Insurance Rate Cut, also eine Zinssenkung, die als Versicherung gegen mögliche schlechte Zeiten in der Zukunft zu interpretieren ist – und vor allem: eine Zinssenkung, die nicht notwendigerweise den Beginn eines Zinssenkungszyklus darstellt.

Zentralbanken werden also in der spätzyklischen Phase, in der wir uns mittlerweile beim Blick auf die globale Konjunktur befinden, nicht die Spielverderber sein, die beim Aufschwung den Stöpsel ziehen (Ein Muster, welches wir in früheren Zyklen durchaus des Öfteren beobachten konnten). Entsprechend richtet sich der Blick auf andere potenzielle Auslöser einer weiteren wirtschaftlichen Abschwächung oder gar einer Rezession.

Ganz weit vorne mit dabei ist diesbezüglich der Konflikt zwischen den USA und China. Seit Mai herrschte mehr oder weniger Eiszeit zwischen Washington und Peking. Im Juli wurde der offizielle Gesprächsfaden zwar wieder aufgenommen. Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sich die rhetorische Schärfe, die Donald Trump gegenüber Chinas Regierung an den Tag legt, stets in starker Abhängigkeit zur aktuellen US-Aktienmarktentwicklung zu stehen scheint. Nachdem der S&P 500 Ende Juli ein neues Allzeithoch erklomm, feuerte der US-Präsidenten offenbar aus einer gefühlten Position der Stärke heraus mehrere Salven in Richtung Peking und beschwerte sich über nicht eingehaltene Zusagen seitens China. Entsprechend nervös reagierten Anleger, die sich immer mehr darum sorgen, was für Schaden der Konflikt in der Zukunft noch anrichten könnte.

Die Tatsache, dass bereits einiges an Porzellan zerschlagen wurde, lässt sich an der gegenwärtig miserablen Verfassung der Industrie in weiten Teilen der Welt – aber ganz besonders in Deutschland – ablesen. Die negativen Nachrichten aus dem verarbeitenden Gewerbe häufen sich. Zunahme der Zeitarbeit, erste Entlassungen, rückläufige Auftragseingänge, schlechte Stimmung, Investitionszurückhaltung. Die Symptome in der deutschen Industrie sind klar rezessionärer Natur.

Ob sich die Stimmung in den Chefetagen deutscher Firmen weiter eintrübt, dürfte auch von den Entwicklungen auf der britischen Insel abhängen. Seit Juli ist Boris Johnson, genannt „BoJo“, neuer britischer Premier und Befürchtungen, Johnson könnte ein britischer Trump werden und zwar dem Sinne, dass er tatsächlich das liefert, was er predigt, nehmen zu. Sein erklärtes Ziel ist bekanntermaßen ein Brexit bin Ende Oktober – „ohne Wenn und Aber“. Ein Schreckensszenario – nicht nur für deutsche Autobauer. Ich halte allerdings nach wie vor eine Variante, die Neuwahlen und/oder ein zweites Referendum enthält, für wahrscheinlicher als einen harten Brexit.

Letztlich dürfte mit dem Blick auf den Rest des Jahres die Gretchenfrage lauten, ob und wenn ja wie lange der Dienstleistungssektor der Schwäche der Industrie widerstehen kann. Irgendwann schlägt ein schwacher Arbeitsmarkt auch auf den Konsum durch. Automatische Stabilisatoren dürften einen zeitnahen Einbruch des Konsums verhindern. Eine unendliche Immunität kann und wird es aber sicher nicht geben.

 

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