Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalmarktstrategie BlackRock

Viele sagen, Donald Trump habe niemals wirklich vom Wahlkampf- in den Präsidentenmodus umgeschaltet. Spätestens seit dem gestrigen President’s Day und dem, was Trump am Wochenende zum Besten gegeben hat, dürfte aber der Wahlkampf 2020 als eröffnet gelten. Scharfe Attacken auf die demokratische Opposition wechselten sich ab mit Trumps Lieblingsthemen: die Mauer an der Grenze zu Mexiko, Zölle gegenüber bösen Handelspartnern und Abwehr vermeintlich terroristischer Einwanderer. Dabei wird vor allem deutlich, dass der umstrittene US-Präsident entgegen weit verbreiteter Ansichten doch so etwas wie einen Plan hat. Der nämlich besteht darin, seine Wählerbasis, jene 30-35% unerschütterlicher Trump-Anhänger, bei der Stange zu halten. Diese Gruppierung, vornehmlich ältere, unterdurchschnittlich gebildete weiße Männer, werden auch 2020 den Kern von Trumps Wählerschaft bilden. Um sie zu kämpfen könnte sich lohnen, denn erinnern wir uns: Zwar holte Hillary Clinton 2016 über drei Millionen Stimmen mehr als Trump, war am Ende aber dennoch unterlegen. Der günstige Zuschnitt der Wahlbezirke, zu genau diesem Zweck unter früheren republikanischen Präsidentschaften angelegt, sorgte dafür, dass Trump mehr Wahlmänner auf seiner Seite hatte. Für 2020 bedeutet dies, dass er vermutlich über seine eigenen Hardcorewähler hinaus nur etwa 10-15% der moderaten Republikaner oder Wechselwähler braucht, um erneut ins Weiße Haus einzuziehen.

Aus Kapitalmarktsicht ist diese Erkenntnis insofern bedeutsam, als alle genannten Punkte Einfluss auf Aktien, Anleihen und Währungen haben. Trumps Kampf um die Mauer an der mexikanischen Grenze hat bereits zu einem fünf Wochen langen Government Shutdown geführt, und die Konsumentenstimmung deutet auf messbare Bremsspuren in der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage hin. Die jetzt erfolgte Verhängung des nationalen Notstandes zeigt einmal mehr, dass Trump jedes Mittel recht ist, um seiner Wählerbasis gegenüber als unerschrockener Kämpfer für seine Wahlversprechen dazustehen. Auch der Streit mit der EU um Einfuhrzölle auf Autos dürfte Investoren schrecken und am Ende in den USA selbst mehr Arbeitsplätze – und damit potentiellen Konsum – kosten als in Europa selbst. Und die Drohung der US-Regierung, in Syrien gefangen genommene IS-Kriminelle mit EU-Pass einfach laufen zu lassen, sollten die EU-Länder sie nicht aufnehmen und ‚zu Hause‘ vor Gericht stellen, ist ein beispielloser Affront gegenüber eigentlich befreundeten Ländern und dürfte zudem einen wachstumsdämpfenden Einfluss auf die Wirtschaftsbeziehungen haben. Was wir also schon seit 2016 ahnen, also seit erstmals das Schreckensbild einer möglichen Präsidentschaft Trump auf den Radarschirmen auftauchte, nämlich dass eine derartiges Regime für alle Seiten ökonomisch schädlich sein könnte, scheint Schritt für Schritt auf erschütternde Weise Gewissheit zu erfahren. Und das, obwohl sich wohl kaum jemand hat vorstellen können, wie skrupellos dieser Präsident wirklich agieren würde.

Dabei gäbe es auch ohne Trump genügend Grund, sich um die Finanzmärkte Sorgen zu machen. Zuletzt waren es vor allem Frühindikatoren in Europa, die auf eine drastische Verlangsamung des Wachstums hingedeutet hatten. In dieser Woche gibt es in Form der Einkaufsmanagerindizes und des Ifo-Index frische Daten dazu. Aber es ist zunehmend auch die US-Wirtschaft, deren Dynamik in Zweifel gezogen wird. Die meisten Schätzungen liegen für 2019 in der Größenordnung eines BIP-Wachstums von etwa 2,5%. Rechnet man den Sondereffekt der Steuerreform heraus, bedeutet dies, dass auch die US-Wirtschaft im Durchschnitt 2019 nur etwa in Höhe des Potentialwachstums, also rund 1,8%, wachsen dürfte. Bei weiter nachlassendem fiskalischen Stimulus könnte sich also auch Amerika stärker abschwächen als bisher viele erwarten. Zwar haben in der laufenden Berichtssaison rund 71% der US-Firmen die Analystenerwartungen übertroffen – ein solider Wert in der Nähe des langjährigen Durchschnitts -, aber die Revisionen der Schätzungen sind nach wie vor südwärts gerichtet. Steigen also die Kurse weiter, werden die Märkte immer teurer – und damit fragiler.

Was bedeutet das für Anleger?

Auffällig bleibt bei alledem die ‚Barbell-Positionierung‘ vieler Investoren. Während auf der einen Seite Sicherheit gesucht wird – belegt etwa durch 0,1% Rendite auf 10-jährige Bundesanleihen oder ebenfalls niedrige 2,67% auf entsprechende US-Papiere -, steigen die Preise von Risikoaktiva. Dass darunter Schwellenlandaktien eine wichtige Rolle spielen, bestätigt unsere Einschätzung. Denn vor allem Unternehmen in Asien sind günstig bewertet. Insbesondere Zuflüsse in chinesische Aktien erreichten über die ersten sechs Wochen des Jahres Rekordstände. Der Dollarkurs, ein stark beachteter Parameter, wenn es um Schwellenlandanlagen geht, erscheint dabei lediglich in der europäischen Wahrnehmung als Störfaktor. Aus globaler Sicht gilt dies weit weniger, denn während der Dollar gegenüber dem Euro seit Jahresbeginn leicht aufgewertet hat, neigt er gegenüber Schwellenländern eher zur Schwäche. Wir bleiben folglich bei unserer Einschätzung, dass die US-Währung in diesem Jahr nicht wie 2018 ein Hemmschuh für Schwellenlandaktien sein wird, und dass Schwellenlandanleihen in lokaler Währung unter Risiko-Ertragsgesichtspunkten eine attraktive Ergänzung im Portfolio sein können.


MKTGH0219E-747498