Zentralbanken lassen tief blicken

Die Aktienmärkte haben in den vergangenen fünf Handelstagen die Verluste der Vorwoche mehr als aufgeholt. Der DAX legte um rund 3,7% zu und steht nun wieder klar über der 11.000 Punkte-Marke. Auch der S&P 500 schaffte über die Handelswoche ein sattes Plus von 3,3%.

Grund für den Optimismus der Aktieninvestoren schien einmal mehr der Blick auf die Zentralbanken zu sein. Aus den Sitzungsnotizen des letzten Fed-Meetings im Oktober wird deutlich, daß die überwiegende Zahl der Fed-Gouverneure die US-Wirtschaft inzwischen für hinreichend robust hält, um einen höheren Zentralbankzins zu verkraften. Besonders bemerkenswert liest sich ferner der Hinweis, daß man erst weitere Nachrichten vom Arbeitsmarkt abwarten wolle, bevor es Zeit sei, die Zinsanhebung zu beschließen. Wie wir heute wissen, hat sich ja genau dieser Arbeitsmarkt mit 271.000 neu geschaffenen Stellen im Oktober und einem auf 2,5% gegenüber Vorjahr beschleunigten Stundenlohnwachstum genau so robust präsentiert, wie die Fed sich das wohl als Voraussetzung für den Lift-off vorgestellt hatte.

Der US-Rentenmarkt zeigte sich bemerkenswert unbeeindruckt von der sich abzeichnende Zinsanhebung. Die Rendite des 10 year Treasury Bond gab im Wochenverlauf sogar um ein paar Basispunkte nach, auf weiterhin sehr niedrige 2,24%. Auch Schwellenlandanleihen lassen bisher nicht auf übermäßige Nervosität schließen, gute Nachrichten in Bezug auf die Gefahr einer erneuten Schockreaktion wie im Frühjahr und Sommer 2013, als Angst vor einer Zinserhöhung in den USA zu erheblichem Sell-off in den Schwellenländern führte.

Auch die EZB veröffentlichte das Ergebnisprotokoll ihrer letzten Ratssitzung. Hierbei fiel besonders die deutliche geäußerte Sorge bezüglich der bisher erreichten Normalisierung der Inflationsrate auf. Die Kerninflationsrate sei weiterhin zu niedrig, hieß es, und offenbar bezweifelten einige Ratsmitglieder, ob die bisher beschlossenen Maßnahmen im gegenwärtigen Umfeld ausreichen, um die Ziele der EZB zu erreichen. Der Markt las diese Zweifel als weiteren Hinweis auf neue Lockerungsmaßnahmen am 3. Dezember. Der Euro reagierte kaum, er hatte gegenüber dem Dollar aber schon über den früheren Wochenverlauf rund anderthalb Cent nachgegeben.

Was bedeutet das für Anleger?

Somit sieht es so aus, als bereiteten die Zentralbanken den Weg für einen versöhnlichen, vielleicht sogar guten Jahresabschluß. Interessanterweise findet all dies in einem Umfeld eher durchwachsener Nachrichten bezüglich der Wachstumsdynamik statt. Zwar gab es in der vergangenen Woche auch ermutigende Datenpunkte, wie etwa den stärker als erwartet gestiegenen ZEW-Index in Deuschland oder die ebenfalls etwas kräftiger als geschätzt gestiegene Inflation in den USA und Europa. Die US-Industrie hingegen berichtete erneut einen Outputrückgang im Oktober, die japanische Wirtschaft hatte am Wochenanfang sogar schon mit dem Rückfall in die Rezession überrascht.

Auch in der nächsten Woche dürften der Markt wieder mit einigem Interesse auf den Kalender der Makrodaten schauen. Im Mittelpunkt stehen vor allem Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal aus diversen Eurozonenländern und den USA. Besondere Aufmerksamkeit wird darüber hinaus der Ifo-Index am Dienstag erhalten, für den eine leichte Abschwächung erwartet wird. Zins- und Aktienmärkte dürften dennoch diese Nachrichten entspannt zur Kenntnis nehmen, sofern nicht Überraschungen von der Zentralbankseite den erwartungsvollen Blick auf den Dezember trüben. Wir erwarten in Summe eine seitwärts bis leicht positiv verlaufende Aktienwoche und wenig Bewegung bei den Zinsen.