Zentralbankpolitik: Alle Ampeln auf Grün!

Die Berichtssaison hat Fahrt aufgenommen. Mit der üblichen Verzögerung von rund zwei Wochen haben nun auch die börsennotierten Unternehmen in Europa begonnen, ihre Ergebnisse für das dritte Quartal bekannt zu geben. Nach einem verhaltenen Start vor allem auf Seiten amerikanischer Konzerne hat zuletzt die deutliche Mehrzahl der Berichte diesseits und jenseits des Atlantiks positiv überrascht. Wenn auch in vielen Fällen der Gewinnausblick für die Zukunft eher in Moll gehalten bleibt, stellt der durchaus positive Grundton der Ergebnisse für das abgelaufene Geschäft eine gute Nachricht für die Märkte dar.

In der laufenden Woche stehen vor allem die Quartalsergebnisse europäischer Großbanken im Fokus, darunter solche aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz. Vor allem der Zustand der im Euroraum beheimateten Institute dient hierbei als wichtiger Gradmesser für den Zustand des Finanzsektors. Kein Wunder, galt doch die nahezu eingefrorene Kreditvergabe vieler europäischer Banken infolge der Banken- und Eurokrise als entscheidendes Hindernis auf dem Wege gesamtwirtschaftlicher Erholung. Inzwischen hat die im Vorjahr auf den Weg gebrachte Bankenunion den Sektor merklich stabilisiert, jüngst bekanntgegebene tiefe Einschnitte bei Instituten, die ihren Wettbewerbern früher als Vorbilder dienten, haben aber die Branche wieder ins Rampenlicht rücken lassen. Der Tenor der diese Woche zu erwartenden Bankenberichte wird deshalb von vielen Anlegern mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt.

Von Seiten der Volkswirtschaft drohen unliebsame Überraschungen allenfalls Richtung Ende der Woche. Am Freitag um 14:30 Uhr berichtet das US Department of Labor wie jeden Monat von der Lage am US-amerikanischen Arbeitsmarkt. Wie immer steht und fällt die Marktreaktion hierbei mit der Zahl der neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft, die im Vormonat mit nur 142.000 böse enttäuscht hatte. Aber selbst wenn der Arbeitsmarkterholung in den USA tatsächlich die Puste ausgehen sollte, könnten sich Anleger damit trösten, daß diese „bad news“ dann wohl die Fed ein weiteres Mal von der befürchteten Zinsanhebung abhalten dürften.

Was bedeutet das für Anleger?

Womit wir wieder bei den Zentralbanken wären. Die Fed hat in ihrer Pressemitteilung letzte Woche in der Tat schon auf das verlangsamte Jobwachstum und den Stillstand der Arbeitslosenquote, die in den Vormonaten gesunken war, hingewiesen. Kommen die Daten am Freitag also schwach herein, dürfte die erste Anhebung der Fed Funds Rate seit rund neun Jahren, die von Investoren nun bei fast jeder Sitzung des Open Market Committee erwartet wird, ins Jahr 2016 aufgeschoben werden. Dann wären bad news wieder einmal good news, zumal die Europäische Zentralbank sich auch jüngst bereit gezeigt hatte, bei den Anleihekäufen nachzulegen und die asiatischen Zentralbanken die Liquiditätsampeln weiter auf Grün geschaltet lassen.

Vor dem Hintergrund dieser Gemengelage erwarten wir eine gute Woche, nicht nur für Aktien, sondern vor dem Hintergrund weiter bröckelnder Zinsen auch für Anleihen. Sofern unerwartete Störfeuer, etwa seitens der Geopolitik oder skandalträchtiger Unternehmensnachrichten, ausbleiben, sehen wir gute Aussichten für eine erfreuliche Börsenwoche.