In der vergangenen Woche haben Aktienmärkte diesseits und jenseits des Atlantiks eine Verschnaufpause eingelegt, nachdem sie in den fünf Handelstagen davor einen Teil der Verluste aus August und September aufgeholt hatten. Die Freitagsendstände waren in Europa nahezu unverändert gegenüber dem Start am Montagmorgen. Im Wochenverlauf gewann der DAX leicht um 0.1%, der Eurostoxx50 um 0.4%. Etwas dynamischer legte der S&P500 in den USA zu, um 0.9%. Auch die japanischen Aktienmärkte haben sich in der Tendenz seitwärts bewegt  (Nikkei -0.8%), ein weiterer Hinweis auf die zuletzt immer stärkere Korrelation der Aktienmärkte in verschiedenen Regionen. Lediglich der Hang Seng-Index gewann deutlicher mit 2.7% gegenüber der Vorwoche. Staatsanleihen fungierten weiter als sichere Häfen, die Renditen der 10 Jahres-Treasuries und der 10 Jahres-Bundesanleihe blieben über die Woche nahezu unverändert, bei 0,57% bzw. 2,04%.

Die Zurückhaltung vieler Investoren läßt sich mit gegensätzlichen Signalen erklären. Einerseits bleiben die Wachstumssignale aus verschiedenen Teilen der Welt eher ernüchternd, während die Geldpolitik jüngst Hoffnung auf weitere Unterstützung aufkommen ließ. Was das Wachstum betrifft, deuten bei uns in Europa die meisten Indikatoren auf eine Phase moderaten Wachstums hin, aber es bleiben erhebliche Zweifel, ob die Dynamik für einen Abbau der Überkapazitäten, allem voran der nach wie vor viel zu hohen Arbeitslosigkeit, ausreicht. Noch bedeutsamer für die Finanzmärkte ist aber die jüngst greifbarer gewordene Wachstumsabschwächung in China und die Frage, ob Regierung und Zentralbank die Mittel haben, Schlimmeres zu verhindern. In den Vereinigten Staaten halten sich hartnäckig  Zweifel über die Robustheit des Arbeitsmarktes und die Abhängigkeit der Reindustrialisierung vom Wohl und Wehe der Ölindustrie. Da hilft es nicht, daß die Analystenschätzungen bezüglich der Gewinne amerikanischer Unternehmen seit einiger Zeit nach unten gerichtet sind.

Womit wir bei einem weiteren, vielleicht dem entscheidenden Grund für die abwartende Haltung vieler Investoren wären: dem Beginn der US-Berichtssaison. Sollte sich die eher pessimistische Tendenz bestätigen, die den Gewinnausblick der ersten berichtenden Unternehmen in der vergangenen Woche charakterisierte, dann dürfte dem Aktienmarkt für die nächsten Monate ein entscheidender Antrieb fehlen: die Untermauerung des Kursanstieges von der fundamentalen, der Gewinnseite. Zu sehr waren bis zum Spätsommer die Kurse in der Hoffnung darauf gestiegen, daß die wirtschaftliche Erholung sich fortsetzt und die Unternehmensgewinne davon profitieren. Die Reaktion der Aktienmärkte auf den ausgebliebenen „Lift-off“ der Fed im September ist ein beredtes Zeichen dafür, daß Investoren begonnen hatten, sich von monetärem Stimulus auf fundamentales Gewinnwachstum umzufokussieren.

Was bedeuet das für Anleger?

Bekannterweise hat sich die Welt seit der letzten Fed-Sitzung weiter gedreht. Inzwischen wird die Aussicht auf weitere Hilfe seitens der Zentralbanken wieder dankbar zum Anlaß genommen, einen Teil der scharfen Spätsommerkorrektur zu egalisieren. Dies betrifft gleichermaßen die immer weiter um sich greifende Sichweise, daß die Fed in diesem Jahr die Zinsen wohl nicht mehr erhöht, wie auch die Hoffnung auf eine Ausweitung der Anleihekäufe durch die EZB und wachstumsfördernde Maßnahmen der People Bank of China.

Unterm Strich dürften sich diese positiven und negativen Signale, also Wachstums- und Gewinnsorgen einerseits, Hoffnung auf weitere Zentralbankhilfe andererseits, auch in dieser Woche die Waage halten. Investoren sollten auf weiter hohe Volatilität vorbereitet sein.