Wie wird die Präsidentschaft Trump?

Marktbeobachter reiben sich verwundert die Augen. Nach dem Sieg Donald Trumps bei den US-Präsidentschaftswahlen ist der Untergang des Abendlandes ausgeblieben. Nicht nur das, in den ersten Tagen nach der Wahl preisten die Märkte sogar ein eher positives Szenario ein. Aktien lagen im Plus, Zinsen stiegen und sogar die Aussichten auf Inflation kehrten zurück. Verkehrte Welt jenseits des Atlantiks?

Bei BlackRock hatten wir mit einer relativ entspannten Marktreaktion gerechnet, aber die jüngsten Entwicklungen haben uns dennoch überrascht. Die Verluste an den europäischen und amerikanischen Aktienmärkten als unmittelbare Reaktion auf die Stimmauszählung hielten sich in engen Grenzen. Der DAX lag bei Markteröffnung am 9. November um gut 4% im Minus, erholte sich aber im Tagesverlauf auf ein Plus von rund 1,6%. Ähnlich sah der Verlauf bei US-Aktien aus, und der japanische Handel, der nach dem Drehen der europäischen und amerikanischen Börsen am Mittwoch schon beendet war, schloß sich am Folgetag mit einem Kurssprung nach oben an. Über den Wochenverlauf lagen die großen europäischen und amerikanischen Indizes um 3-5% im Plus. Der japanische Nikkei war mit 2.8% dabei.

Vielleicht noch bemerkenswerter ist die Entwicklung an den Rentenmärkten. Hatten als unmittelbare Reaktion auf Trumps Wahlsieg Anleger noch sichere Häfen bevorzugt und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen am frühen Mittwochmorgen um gute 10 Basispunkte nach unten getrieben, sorgte wenig später die Aussicht auf steigende Staatsausgaben unter einem Präsidenten Trump für anziehende Inflationserwartungen und eine deutlich steilere Zinskurve. Über den Wochenverlauf stand am Ende ein Plus von 37 Basispunkten. Auch der Dollar erholte sich schnell von seinen anfänglichen Verlusten gegenüber Yen und Euro. Inzwischen liegt die US-Währung deutlich in der Gewinnzone.

So sehr wir in der entspannten Marktreaktion auf dieses ohne Zweifel bemerkenswerte politische Ereignis eine weitere Parallele zum Brexit erkennen, so sehr erstreckt sich ebendiese Parallele auch auf die Skepsis bezüglich der längerfristigen Auswirkungen. Sollte nämlich der neu gewählte US-Präsident seine Wahlaussagen vollumfänglich durchsetzen, drohen nach kurzem Strohfeuer erhebliche ökonomische Langfristschäden, bis hin zu einer massiven Rezession in den Jahren 2018 und 2019. Zwar hat Donald Trump seine Wahlkampfhits, vor allem den Bau der Mauer zu Mexiko und die Deportation aller illegalen Einwanderer, schon relativiert. Am Ende wird es aber darauf ankommen, mehr Transparenz auch bezüglich anderer ökonomisch relevanter Ankündigungen zu erhalten, darunter die geplanten Infrastrukturinvestitionen und Steuersenkungen einerseits, sowie die handelsfeindliche „America first“-Politik andererseits. Bisher setzen Marktteilnehmer eindeutig auf die eher wachstumsfreundlichen Komponenten. Die marktbasierten US-Inflationserwartungen für den Fünfjahresbereich schossen nach der Wahl um 20 Basispunkte nach oben.

Was bedeutet das für Anleger?

Während also die Welt versucht, sich ein Bild von dem Präsidenten Donald Trump zu machen, den wir am wahrscheinlichsten zu erwarten haben, bleiben die Finanzmärkte bemerkenswert entspannt. Die Volatilität europäischer Aktien sprang rund um den Wahltag auf etwa 25, um dann gleich wieder auf etwa 20 nachzugeben, deutlich unter dem bisherigen Jahresdurchschnitt. Der Goldpreis gab zum Ausgang der Wahlwoche auf 1.229 Dollar nach, ein Minus von 5,8% im Wochenverlauf. Offenbar glauben nach der Wahl per saldo weniger Anleger, Gold als Absicherung im Portfolio zu benötigen.

Im Gegenzug haben sich die Spreads europäischer Staatsanleihen ausgeweitet. Hier wird das Risiko steigender Zinsen vor allem für hochverschuldete Länder thematisiert. Der Renditeabstand italienischer Staatsanleihen lag zum Ende letzter Woche um 12 Basispunkte höher als am Freitag davor, seit Jahresbeginn hat sich der Spread inzwischen um 84 Basispunkte ausgeweitet. Hier spielt vor allem der Blick auf das nächste politische Event-Risiko, das italienische Verfassungsreferendum, eine Rolle. Es soll am 4. Dezember stattfinden, falls nicht im Zusammenhang mit den neuerlichen schweren Erdbeben eine Verschiebung beschlossen wird. Im Fokus steht bei dem Referendum vor allem die Reformfähigkeit des Landes und damit die Voraussetzung dafür, daß die Volkswirtschaft auf Sicht wieder stärker wachsen kann. Italien ist seit gut einem Jahrzehnt die am schwächsten wachsende Ökonomie der Eurozone, erst Ende letzter Woche senkte die Ratingagentur Standard & Poor’s ihre Schätzung für das BIP-Wachstum 2017 von 1,3 auf 0,8%.