Gibt es einen Erdrutschsieg für Clinton und die Demokraten?

Nein! Über eine Verlängerung des Ankaufprogramms habe der EZB-Rat auf seiner letzten Sitzung in der vergangenen Woche nicht diskutiert, gab Draghi auf der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag zu Protokoll. Mit dieser Aussage überraschte der Notenbankchef den einen oder anderen Marktteilnehmer, waren doch viele davon ausgegangen, dass Draghi eine Verlängerung der Ankäufe in vollem Umfang über den März 2017 hinaus zumindest in Aussicht stellen würde. Trotz dieses Kommentares deutet aus unser Sicht weiterhin vieles darauf hin, dass die EZB genau dies auf ihrer Sitzung im Dezember beschließen wird. Ein „Tapering“-Signal (was wohlgemerkt die logische Konsequenz wäre, sollte keine Verlängerung verkündet werden) käme zum jetzigen Zeitpunkt schlichtweg zu früh. Zu niedrig bleibt der nachfrageseitige Inflationsdruck in der Eurozone und zu niedrig die Wachstumsdynamik. Im Dezember dürfte es im Zuge des „Verlängerungsbeschlusses“ dann auch zu Anpassungen bei den Ankaufrichtlinien kommen, weil die Notenbank in Richtung Jahresende unter dem aktuellen Regelwerk Probleme bekommen könnte, insbesondere noch genug Bundesanleihen anzukaufen.

Diskussionen über eine baldige Rückführung des monatlichen Ankaufvolumens gewinnen dessen ungeachtet an Schwung. Auch wenn sich die EZB an diesen Spekulationen selbst nicht beteiligt, liefern sie doch einen Vorgeschmack auf das, was uns im kommenden Jahr bevorstehen könnte, wenn die Reduzierung der Anleihekäufe tatsächlich eine reale Option werden könnte. Verlängerung hin oder her: Draghis undeutliche Rhetorik im Hinblick auf die Fortführung des Anleiheankaufprogramms dürfte den Märkten nicht besonders schmecken, weil sie ohnehin schon nervösen Rentenmärkten weitere Unsicherheit zumutet.  

Einen Tag nach der EZB-Sitzung ging eine Meldung fast unter. Zumal sie auch noch nach Marktschluss über die Ticker lief: Die kanadische Ratingagentur DBRS hat ihr Rating für portugiesische Staatsanleihen im Gegensatz zu den drei großen Ratingagenturen nicht auf Ramschstatus herabgesetzt. Diese Nachricht ist insofern von besonderer Bedeutung gewesen, als dass eine Herabstufung zwangsläufig ein Ende der Käufe portugiesischer Staatsanleihen seitens der EZB zur Folge gehabt hätte. Portugiesische Banken wären wohler erheblich unter Druck geraten und uns somit daran erinnert, dass die Eurokrise bei weitem noch nicht ausgestanden ist. Aber auch ohne Herabstufung zum jetzigen Zeitpunkt zeigt diese Nachricht, wie dünn das Eis in vielen Teilen der Währungsunion immer noch ist.       

Derweil geht der Wahlkampf in den USA in seine absolut heißeste Phase. Heute in zwei Wochen wird in den USA gewählt und die Spannung steigt. Wettbüros hingegen taxieren die Wahrscheinlichkeit für einen Wahlsieg Clintons nach dem dritten und letzten TV-Duell in der vergangnen Woche mittlerweile auf über 85 Prozent. Angesichts der Besonderheit des Amerikanischen Wahlsystems sowie der Eskapanden um Trumps Vergangenheit sollte dies eine durchaus plausible Einschätzung darstellen. Für viele Anleger drehen sich die Überlegungen ohnehin kaum noch um die Frage, ob Clinton gewinnt, sondern eigentlich nur noch um die Höhe ihres Sieges. Damit verbunden ist die Frage, ob es der demokratischen Partei gelingen wird, eine oder vielleicht sogar beide Kammern des Kongresses zurückzugewinnen. Noch sind sowohl der Senat als auch das Repräsentantenhaus in der Hand der Republikaner. Während eine Zurückeroberung des Senats durch die Demokraten durchaus wahrscheinlich anmutet, dürfte des „Lower House“ rot, also republikanisch, wohl bleiben. Ein demokratischer Senat würde dennoch die Chance für Clinton erhöhen, einen größeren Teil ihres Wahlprogrammes durchzusetzen. Einigen Sektoren, wie beispielsweise den Öl- und Gaskonzernen, dürfte dies nur bedingt gefallen.  

Was bedeutet das für Anleger?

Das Warten auf die US-Wahl wird dieser Tage von den Berichtssaisons in den USA und Europa begleitet. Letztere hat in der vergangenen Woche an Fahrt gewonnen. Während die Ergebnisse hier bei uns in Europa bislang durchwachsen gewesen sind, wird die nächste Woche gerade aufgrund der Offenlegung vieler Quartalsberichte von Seiten großer europäischer Banken durchaus interessant. Insgesamt bleibt das Gewinnwachstum vor allem in jenen Sektoren schwach bis nicht vorhanden, in denen eine nur unterdurchschnittlich globale Geschäftsstrategie verfolgt wird. Nächste Woche legen 100 Unternehmen aus dem EuroStoxx 600 Rechenschaft ab. Die Märkte werden dies mit Argusaugen verfolgen.

Auf dem Datenkalender dieser Woche stechen jeweils die ersten Schätzungen für das britische sowie für das US-Wirtschaftswachstum im dritten Quartal heraus. Während für Großbritannien auch aufgrund des Brexit-Votums keine Beschleunigung zu erwarten ist, dürfte sich die Wachstumsdynamik in den USA in den Sommermonaten spürbar erhöht haben. Getragen wird das Wachstum jenseits des Atlantiks weiterhin vor allem vom privaten Konsum. Für US-Zinsen könnte eine robustere Wachstumszahl noch einmal Aufwärtsdruck bedeuten.

Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass sich die Aktienmärkte in dieser Gemengelage durchaus nicht unwohl fühlen. Für den DAX würde dies bedeuten, dass ein Test des Jahreshochs langsam aber sicher in Schlagdistanz kommt.