Politischer Wackelkandidat USA?

Nach unerwartet schwachen Arbeitsmarktzahlen am Freitag beendeten die Aktienmärkte die Handelswoche erneut im Minus. Der DAX verlor über den Wochenverlauf -1.7%%, der Eurostoxx 50 -3.0% und der Dow Jones -0.2%. Ganz überraschend kam die schlechte Nachricht von nur 160.000 neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft im April, gut 40.000 weniger als der Marktkonsensus erwartet hatte, allerdings nicht. Schon am Vortag waren die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung höher ausgefallen als geschätzt, mit dem Ergebnis, daß der Vierwochendurchschnitt dieses Indikators leicht anstieg.

Nachrichten wie diese nähren Zweifel an der vielbeschworenen Robustheit des amerikanischen Arbeitsmarktes. Sie sind somit Wasser auf die Mühlen all derjenigen, denen daran gelegen ist, die US-Wirtschaft in schlechtes Licht zu rücken, allen voran den republikanischen Bewerbern um das US-Präsidentenamt. Seit Dienstag, als Donald Trump die Vorwahl in Indiana haushoch gewann, sein Hauptrivale Ted Cruz daraufhin seine Kampagne aufgab und auch der gemäßigte Gouverneur von Ohio, John Kasich, sich zurückzog, ist diese Bewerberschar auf den umstrittenen New Yorker Millardär zusammengeschnurrt. Auf dem republikanischen Nominierungsparteitag in Cleveland vom 18. bis 21. Juli wird deshalb kaum ein Weg an Donald Trump vorbei führen. Damit würde ein Szenario eintreten, welches kaum ein Politikanalyst zu Beginn von Trumps Kandidatur ernsthaft erwartet hatte. Es ist eines, das Amerika einen der schmutzigsten Wahlkämpfe seiner jüngeren Geschichte bescheren dürfte.

So skurril auch die Vorstellung eines US-Präsidenten Trump gerade aus europäischer Perspektive anmuten mag, so gering dürfte das damit verbundene Risiko einer extrem negativen Marktreaktion sein. Zu verworren sind bisher die als ökonomisch relevant einzustufenden Äußerungen des Kandidaten, und selbst dort, wo er klar Position bezieht wie etwa bei der Ablehnung von Freihandelsabkommen wie dem zur Zeit verhandeltet TTIP-Vertrag zwischen den USA und der EU wäre vermutlich der Schaden eher langfristig und daher keine akute Bedrohung für die Notierungen von Aktien, Bonds und Währungen.

Klarere Auswirkungen dürfte der US-Arbeitsmarktbericht dagegen auf die für den 15. Juni anstehende Entscheidung der Federal Reserve haben. Zusammen mit den schwächeren Jobdaten und der mit nur 0,5% annualisiertem BIP-Wachstum in Q1 enttäuschenden wirtschaftlichen Dynamik könnte es durchaus sein, daß die Fed, die unter der Führung von Janet Yellen ja ohnehin nicht als risikoliebend bekannt ist, einmal mehr auf eine weitere Zinsanhebung verzichtet. Bis heute haben die Fed Funds Futures eine Zinsanhebung komplett ausgepreist. Und da wir fest davon ausgehen, daß das FOMC die Märkte nicht mit Absicht auf dem falschen Fuß wird erwischen wollen, gehen wir davon aus, daß eine vielleicht doch geplante Zinserhöhung im Juni dann sehr bald in der entsprechenden Kommunikation von Fed-Offiziellen angedeutet werden müßte. In den Reden der letzten Woche waren davon kaum Spuren auszumachen.

Was bedeutet das für Anleger?

Für Anleger stellt sich in einem ersten Schritt die Frage, wie lange das risikofreundliche Umfeld noch anhält, und in einem zweiten, ob es dann gilt, Schwellenländer oder europäische Aktiva überzugewichten. Aus unserer Sicht spricht zur Zeit wenig gegen einen Fortbestand des relativ positiven Stimmungsbildes. Und solange Schwellenlandaktien und –anleihen deutlich attraktiver bewertet sind, gehen wir auch von einer weiteren Einengung der Bewertungslücke, mit anderen Worten einer Outperformance der Schwellenländer aus. Dies umso mehr, also über Europa noch das Damoklesschwert des Brexit hängt. Sollte dieses nach dem 23. Juni entfallen und ansonsten das ökonomische und politische Umfeld moderat positiv bleiben, stünde einer besseren relativen Bewertung Europas nichts mehr im Wege.