Beschleunigter Wandel

Obwohl China im Laufe der Zeit zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nach den USA aufgestiegen ist, war es ausländischen Investoren bislang oft nur begrenzt möglich, die Wachstumschancen des Landes zu nutzen. Das ändert sich nun. Die Behörden wollen den Zugang zu den chinesischen Aktien- und Anleihenmärkten erleichtern und internationale Standards einführen. Diese Entwicklung hat erhebliche Folgen für alle Investoren, für Privatanleger ebenso wie für große institutionelle Anleger. Aus dem tiefgreifenden Wandel in China ergeben sich Chancen, die man nicht mehr ignorieren darf. Desinteresse an diesem Markt könnte sich als teuer erweisen, vor allem auf lange Sicht.

Es gibt keine Garantie für ein positives Anlageergebnis.

Positionen ausländischer Investoren in China
(in % des Onshore-Marktes)

Die Beteiligungen ausländischer Investoren in China

Quelle: Wind, Stand März 2020. Die Positionen ausländischer Investoren in Onshore-Aktien und -Anleihen wurden bis 2013 auf Basis der QFII-Bestände (Qualified Foreign Institutional Investor) der und der Anleihenbestände über CIBM Direct (China Interbank Market) geschätzt. Ab 2014 dienen die von der PBoC gemeldeten Aktien- und Anleihenbestände ausländischer Investoren als Grundlage.

Anleihenkäufer sind willkommen

Der Aufschwung des chinesischen Anleihenmarktes erfolgte weitgehend ohne Beteiligung ausländischer Investoren – nur rund 3% des Marktes mit einem Volumen von 14 Billionen US-Dollar befinden sich in ausländischer Hand.  Dies dürfte sich angesichts der besseren Zugangs-kanäle und der Anpassung an internationale Standards bald ändern.

Im April 2019 wurden chinesische Staatspapiere sowie Anleihen der chinesischen institutionellen Banken in den Bloomberg Barclays Global Aggregate Index, eine wichtige Benchmark für die internationalen Anleihenmärkte, aufgenommen. Unserer Schätzung nach könnte dies zu ausländischen Zuflüssen von mindestens 150 Milliarden US-Dollar führen, ganz einfach durch die Neugewichtung der passiven Strategien, die im 20-monatigen Aufnahmezeitraum (bis November 2020) an diesen Index gebunden sind. Auf Basis des aktuellen Marktwerts wären das etwa 6% des weltweiten Index.  Die Bewegungen am chinesischen Anleihenmarkt würden diese Entwicklung beeinflussen. Zudem berücksichtigt diese Schätzung nicht die möglichen Zuflüsse aus aktiven Strategien (d.h. Strategien, die im Vergleich zu einem bestimmten Index besser als der Markt abschneiden sollen). Diese Zuflüsse könnten hoch sein, sind jedoch schwieriger zu prognostizieren.

Hochwertige Aktien

Anleger können das Potenzial chinesischer Onshore-Aktien unseres Erachtens nicht mehr übersehen. Mit mehr als 3.500 börsennotierten Unternehmen  bieten die in Shanghai und Shenzhen gehandelten A-Aktien Investoren Zugang zu einem Markt, der ihnen früher kaum offenstand. Angesichts gelockerter Beschränkungen und weiterer Marktliberalisierung können ausländische Anleger heute A-Aktien kaufen und die Liquidität über Stock Connect verwalten. Das Programm wurde von den Börsen in Hongkong, Shanghai und Shenzhen eingeführt, um den Handel der dort notierten Wertpapiere zu straffen.

Unterstützt wird die Transformation chinesischer A-Aktien in eine internationale Anlage¬klasse durch die Aufnahme in wichtige Indizes bekannter Anbieter. 2018 begann MSCI, A-Aktien in seine Indizes aufzunehmen und will sie ab Ende des Jahres deutlich höher gewichten. FTSE dürfte bald folgen. In vielen Fällen sind A-Aktien die einzige Möglichkeit für Anleger, in hochwertige chinesische Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen, geringer Anfälligkeit für politische Entscheidungen und hohem Wachstumspotenzial aufgrund steigender Konsumausgaben und technologischer Fortschritte zu investieren.

Quelle: Wind, März 2020.
2 Quelle: Bloomberg Barclays, Juni 2020.
3 Quelle: Wind, Juni 2020.