Monatsbilanz September 2019: Einig uneinig

Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA
BlackRock Kapitalmarktstratege

Beitrag vom 2. Oktober 2019

Die globalen Aktienmärkte konnten sich im September von den starken Rückschlägen im August erholen und bewegen sich wieder auf dem Niveau von Ende Juli. Trotz nach wie vor besorgniserregender (geo-)politischer Ereignisse, wie etwa dem Anschlag auf Ölförderstätten in Saudi-Arabien oder einem möglichen Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, hatten wieder einmal die Zentralbanken einen großen Anteil am Kursanstieg.

Dabei scheint es einen Konsens von Japan über die Türkei bis hin nach Mexiko, die USA und die Eurozone zu geben: Überall auf der Welt schlagen immer mehr Notenbanken abermals den Weg in Richtung expansivere Geldpolitik ein. Seit Jahresbeginn wurden global bereits über 30 Leitzinssenkungen beschlossen. Mehr als 50 sind für die nächsten 12 Monate eingepreist.

Was vordergründig nach Einigkeit aussieht, sorgt hinter den Kulissen zunehmend für Sprengstoff. Behauptete Draghi auf der letzten Pressekonferenz noch, dass eine eindeutige Mehrheit des EZB-Rats hinter den getroffenen geldpolitischen Entscheidungen steht, wird der Widerstand gegen die ultralockere Geldpolitik in der Eurozone immer deutlicher. Zuletzt gipfelten diese Diskrepanzen in einem Paukenschlag: Das einzige deutsche Mitglied im Direktorum der EZB, Sabine Lautenschläger, kündigte überraschend ihren vorzeitigen Rücktritt an. Offenbar war sie nicht bereit, Draghis Abschiedsgeschenk, mit dem er die Märkte wieder einmal positiv überraschen konnte, mitzutragen. Während sowohl die Senkung des Einlagesatzes um 10 Basispunkte auf -0,5% als auch die Wiederaufnahme des Anleiheprogramm mit einem monatlichen Ankaufvolumen von EUR 20 Mrd. ab November erwartet wurden, gelang Draghi ein Coup mit einer Neuerung bei der Ausgestaltung des QE-Programms. Die Zentralbank kauft mit offenem Programmende solange Anleihen auf, bis die Inflation erkennbar wieder in Richtung 2%-Ziel konvergiert.

Dies alles geschieht wenige Wochen bevor Mario Draghi von Christine Lagarde abgelöst wird und es stellen sich die Fragen, ob die neue EZB-Chefin die zwei Lager im Rat vereinen kann, ob sie tatsächlich die lockere Geldpolitik weiterführen wird oder ob sie gezwungen sein wird, die geldpolitische Richtung zu verändern. Vieles spricht für eine Fortsetzung der Politik Draghis. Letztlich muss sie hierzu aber zwingend die Gegner von Draghis aktueller Politik mit ins Boot holen.

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks sind weitere Zinssenkungen nach den Zinsschritten im Juli und September alles andere als eine ausgemachte Sache. Zwar schwächelt auch die US-amerikanische Industrie, doch zahlreiche makroökonomische Faktoren deuten immer noch auf ein stabileres Wachstum hin. Gerade Indikatoren, welche die Stimmung der US-Binnenkonjunktur widerspiegeln, erwiesen sich zuletzt als äußerst robust. Sollten sich die Entspannungen im Konflikt zwischen den USA und China als nachhaltig entpuppen, könnte dies zusätzlich für eine Stimmungsaufhellung in der US-Wirtschaft sorgen. Anfang Oktober soll auf höchster Ebene eine neue Gesprächsrunde zwischen Washington und Peking starten. Trump kündigte bereits an, dass ein Handelsdeal früher als gedacht zustande kommen könnte. Wenngleich ein umfassendes Abkommen in den nächsten Monaten nur schwerlich erreichbar scheint, so könnte zumindest eine kalkulierte Deeskalation des Konfliktes in greifbare Nähe rücken.

Die Aussicht auf eine mögliche Entspannung der amerikanisch-chinesischen Auseinandersetzung gepaart mit der Verbesserung diverser makroökonomischer US-Fundamentaldaten sorgte für ein lange nicht dagewesenes Phänomen an den Aktienmärkten: Value-Aktien, also solche, die besonders günstig bewertet sind, verzeichneten in den letzten Wochen einen starken Preisanstieg und hängten Momentum-Titel ab. Sollten sich makroökonomische Indikatoren weiterhin verbessern, möglicherweise in Verbindung mit einem Ende der lockeren Geldpolitik der Zentralbanken, könnte dies tatsächlich zu einem Comeback der Value-Aktien führen.

 

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