Monatsrückblick September:
All eyes on the Fed

Felix Herrmann
Ein Beitrag von
Felix Herrmann, CFA

Blog-Beitrag vom 1. Oktober 2018

Wie eigentlich das gesamte Jahr 2018 war auch der September wieder ein recht turbulenter Monat an den Finanzmärkten. Für Anleger war es nicht leicht, den Überblick über einen ganzen Strauß an Themen zu behalten.

Gerade die Politik beeinflusste wie auch schon in den Vormonaten das Geschehen an den Finanzmärkten. In den USA tobt ein schmutziger Wahlkampf vor den so wichtigen Zwischenwahlen Anfang November, der von den Skandalen rund um Trump oder beispielsweise auch um Trumps Kandidaten für den US Supreme Court überschattet wird. In Europa halten die festgefahrenen Brexit-Verhandlungen und die Sorgen um Italien die Investoren auf Trapp. Während sich beim Brexit nach wie vor keine Lösung abzeichnet und mittlerweile niemand mehr von einer Einigung auf dem EU-Gipfel im Oktober ausgeht, sorgte die Veröffentlichung des Haushaltsentwurfs der neuen italienischen Regierung weitestgehend für Kopfschütteln. Italiens Regierung, die mit ihren Ausgabeplänen für die nächsten Jahre vor allem das „Establishment“ in Brüssel provozieren will, darf sich in den kommenden Wochen auf Gegenwind von der EU-Kommission gefasst machen.

Ganz besonders stand im September jedoch abermals die fortgesetzte Schwächephase der Schwellenländer im Fokus. Eine US-Notenbank in Washington, die auch im September keine Anzeichen machte, sich in der näheren Zukunft von ihrem Zinsanhebungstempo der letzten Quartale zu verabschieden, erschwert die „Lebensbedingungen“ vieler Emittenten in den Emerging Markets, die darauf angewiesen sind, dass Investoren ihre in US-Dollar denominierten Anleihen kaufen.

Hohe Zinsen auf kurzlaufende Anleihen in den USA legen die Latte für Investments in den Emerging Markets deutlich höher. Denn klar: Ein US-Investor, der sein Geld bei durchaus attraktiven Renditen in US-Staatsanleihen mit zum Beispiel zwei Jahren äußerst risikolos parken kann, der überlegt sich womöglich zweimal, ob er das Risiko eingeht, welches mit einem Investment in Risikoaktiva in den Emerging Markets einhergeht.

Wie auch schon in meiner letzten Monatsbilanz bleibe ich aber auch jetzt positiv gestimmt für Aktien und Anleihen aus ausgewählten Schwellenländern. Natürlich ist der externe Gegenwind, der sich durch das „Tightening der Financial Conditions“ ergibt nicht von der Hand zu weisen. Die gute Nachricht könnte aber lauten, dass die Marktteilnehmer mittlerweile realisiert haben, dass wir uns bereits in einer eher späten Phase des Leitzinsanhebungszyklus befinden (und das, obwohl der Zinsanhebungszyklus wohl auch in 2019 zunächst seine Fortsetzung finden sollte). Mit anderen Worten: Die Entwicklung Zinsdifferenz zwischen den USA und dem Rest der Welt, die in den letzten Jahren fast nur eine Richtung kannte, könnte in absehbarer Zeit – vielleicht schon in 2019 – eine Kehrtwende hinlegen.

Weitet sich beispielsweise der Transatlantikspread, also die Renditedifferenz zwischen deutschen Staatsanleihen und US-Treasuries perspektivisch nicht weiter aus, könnte der Euro bald wieder Oberwasser bekommen. Ohnehin zerren das hohe Leistungsbilanzdefizit der USA mit der Eurozone sowie die deutlich höhere Inflation in den USA am Außenwert der US-Währung. Ähnliches gilt für zahlreiche EM-Währungen.

Reduziert sich der Druck von außen auf die Risikoaktiva aus den Schwellenländern, könnten diese wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangen. Und wann immer das in den vergangenen Jahren der Fall gewesen ist, konnte die relative Wertentwicklung der Emerging Markets im Vergleich zu anderen Regionen durchaus überzeugen (Quelle: BlackRock Investment Institute).

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