Vielbeinige politische Märkte

Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA
BlackRock Kapitalmarktstratege

Monatsrückblick Juni 2018 - Blog-Beitrag vom 2. Juli 2018

Der Monat Juni begann zunächst mit einem Paukenschlag in Italien, denn mit der Fünf-Sterne-Bewegung und der Lega kam südlich der Alpen eine Regierung an die Macht, die vor allem die Ablehnung der etablierten politischen Kräfte in Italien eint.

Aus Sicht der Finanzmärkte war diese Konstellation vor den Wahlen stets als „Worst-Case-Szenario“ tituliert worden. Und tatsächlich wurden seitens der Anleger keinerlei Vorschusslorbeeren an die beiden Parteien verteilt. Die Renditen italienischer Staatsanleihen schossen nach oben und konnten sich im Juni kaum von den Höchstständen im Mai erholen. Trotz der Beteuerungen des neuen Finanzministers Giovanni Tria, den Haushalt einigermaßen in Ordnung zu halten, rechnen die Märkte eher mit einer Verschärfung der ohnehin bereits prekären Finanzlage des Landes. Inwieweit die neue italienische Regierung gedenkt, den Haushaltsregeln der Europäischen Union tatsächlich Folge zu leisten, wird wohl aber erst der Herbst zeigen. Denn dann verschickt die neue Regierung ihren ersten Haushaltsentwurf für das Jahr 2019 nach Brüssel. Sollte dieser einem Affront gegenüber der EU gleichkommen, etwa, weil man in Rom tatsächlich jährliche Mehrausgaben im hohen zweistelligen Milliardenbereich plant, ist mit einem weiteren spürbaren Anstieg der Renditen in Italien zu rechnen.

Während die Regierung in Italien langsam ihre Arbeit aufnahm, geriet wiederum die noch gar nicht so alte deutsche Bundesregierung im Juni an den Rand eines Zusammenbruchs. Das Thema Migration drohte nicht mehr nur Europa, sondern auch die Unionsparteien CDU und CSU zu spalten. Der Fortbestand von Merkels Kanzlerschaft stand gleich mit zur Debatte. Ihre vorläufige Rettung bestand in einem objektiv starken Verhandlungsergebnis auf dem zuvor mit Spannung erwarteten EU-Gipfel in Brüssel, bei dem so ganz nebenbei das herrliche Modewort des Sommers geboren wurde: „wirkungsgleich“. Eine wieder etwas fester im Sattel sitzende Bundeskanzlerin bedeutet aber noch lange keine wirklich stabilere Regierung in Berlin. Die Risse zwischen den Unionsparteien sind unübersehbar und bereits die nächste Regierungskrise könnte die letzte der „Groko“ sein. Die Finanzmärkte bleiben folglich alarmiert.

Die politische Unsicherheit sowie Instabilität Europas im Sommer 2018 ist gerade deshalb so bedauerlich, da im Weißen Haus in den USA ein Präsident sitzt, der den alten Kontinent an gleich mehreren Fronten massiv unter Druck setzt und dem eigentlich mit vereinten Kräften begegnet werden müsste. Ein wilder Hühnerhaufen, wie Europa ihn gerade verkörpert, scheint für Trump ein einfaches Ziel darzustellen. Zumindest feuert der US-Präsident aus allen Rohren und von einer Deeskalation insbesondere beim Thema Handelskrieg kann derzeit keine Rede sein. So sorgte dann auch die Sorge vor einem global eskalierenden Handelskrieg für deutliche Wertverluste in den globalen Aktienmärkten im Juni. Der DAX mit seinen international stark vernetzten Unternehmen verlor in der zweiten Monatshälfte innerhalb weniger Handelstage sage und schreibe 1.000 Punkte. Gleichzeitig flohen Investoren in die sicheren Häfen deutscher und US-amerikanischer Staatsanleihen.

Immer mehr in Vergessenheit gerät im Zuge der zahlreichen (geo-)politischen Turbulenzen, dass es der Wirtschaft und den Unternehmen trotz der diversen Störgeräusche immer noch sehr gut geht. Gerade in den USA sowie in den Schwellenländern bleiben die Gewinnaussichten sehr gut. Was die Anleger an den Aktienmärkten jedoch zurecht umtreibt, ist die größere Makro-Unsicherheit. Mit anderen Worten: das Spektrum der möglichen Szenarien an den Finanzmärkten hat sich für die nächsten Monate und Quartale weiter aufgefächert. Solange der Markt diese Unsicherheiten „handelt“, wird es für die harten Wirtschaftsfakten schwer, die Oberhand zu gewinnen und die Aktienmärkte auf neue Höhen zu treiben.

In der Nähe lange nicht gesehener Höhen ist derweil allerdings der Ölpreis unterwegs. Die OPEC und andere Förderländer gaben im abgelaufenen Monat dem Druck der Öl-importierenden Länder nach, die aus Sorge um ihr Wirtschaftswachstum zunehmend ängstlich auf den Anstieg des Ölpreises blickten. Mit der Entscheidung, das Angebot nach Monaten der aktiven Verknappung wieder um rund eine Million Fässer pro Tag auszuweiten, wurde einem weiteren Anstieg des Ölpreises allerdings wohl nur vordergründig ein Riegel vorgeschoben. Schließlich kompensiert die geplante Anhebung der Förderung lediglich die unfreiwilligen Kürzungen, die sich in den letzten Monaten in Venezuela, Libyen, etc. ergeben haben. Gleichzeitig dürften Saudi-Arabien & Co ganz grundsätzlich ein hohes Interesse haben, dass der Ölpreis keine Kehrtwende hinlegt und sich wieder in Richtung Süden verabschiedet. Vielmehr könnte es das Ziel der Ölförderländer sein, lediglich die Lagerbestände zu stabilisieren – und nicht, ein erneutes Überschussangebot zu erzeugen. Für die Geldpolitik in der Eurozone sind das gute Nachrichten: EZB-Chef Draghi wird wohl noch eine ganze Weile auf den Ölpreis als „Inflationsverstärker“ vertrauen können.

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