Optimismus zur Jahresmitte

Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalmarktstrategie BlackRock

BlackRock Marktausblick vom 2. Juli 2019

Zur Jahresmitte konstatieren wir erfreut und ein wenig überrascht, dass Aktien seit Januar erhebliche Zugewinne verzeichnen. Das bisherige Anlagejahr 2019 zählt mit einem Kursplus von gut 17% bei deutschen, Schweizer und amerikanischen Aktien und gut 5% bei zehnjährigen Bundesanleihen zu einem der stärksten der letzten Jahrzehnte. Hut ab und Glückwunsch an alle, die dies Ende Dezember vorausgesagt hatten. Viele dürften es nicht sein. Hilfreich ist es aber allemal, sich zu vergegenwärtigen, was zu dieser bemerkenswerten Performance geführt hat, denn eines ist klar: Die Welt ist immer noch ein unberechenbarer Ort, regiert von teilweise gewöhnungsbedürftigen Gestalten, Wachstum und Unternehmensgewinne bleiben unsicher, Eskalation diverser Brandherde nicht ausgeschlossen. Was Anlegern vielmehr ihre Halbjahresbilanz gerettet hat, waren wieder einmal die Zentralbanken, die mit Versprechen von vorausschauenden Zinssenkungen, eventuell sogar weiterer Asset-Käufe das Sicherheitsnetz wieder komplett aufspannten, das sie im Vorjahr so vorsichtig zu entfernen versucht hatten. Vielleicht werden wir in einigen Jahren mit Blick zurück feststellen, dass der Zeitraum zwischen dem letzten Quartal 2018 und der ersten Hälfte 2019 derjenige war, in dem das Experiment „geldpolitische Normalisierung“ krachend gescheitert ist.

Riskant wäre hierbei vor allem, die nach wie vor gültigen Grundregeln für Finanzanlagen zu mißachten, legen diese doch nahe, dass wir die Kursentwicklung der ersten Jahreshälfte nicht unbedingt auf die zweiten sechs Monate extrapolieren sollten. Zwar wissen wir aus Erfahrung der jüngeren Vergangenheit, dass eine Absicherung durch die Zentralbanken auch erhebliche geopolitische Schocks wie Randereignisse aussehen lassen kann und die üblicherweise damit verbundene Volatilität entsprechend abpuffert. Dennoch sind Unsicherheiten, die wir etwa im Marktausblick vor zwei Wochen aufgelistet haben, keineswegs besser geworden und hängen weiterhin wie ein Damoklesschwert über der zweiten Jahreshälfte. Dies gilt auch und gerade bzgl. des Handelsstreits, nachdem der G20-Gipfel in Osaka doch scheinbar mit einem Erfolg zu Ende gegangen ist. Unterm Strich bleibt aber, dass Donald Trump und Xi Jinping bei der zu einem G2 reduzierten Gipfelshow vereinbart haben, zunächst keine weiteren Zölle zu erheben und die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Auch wenn dies kurzfristig gute Nachrichten sind, sollten sie nicht darüber hinwegtäuschen, dass damit fundamental überhaupt nichts gelöst ist und uns die Unsicherheit in der zweiten Jahreshälfte – und möglicherweise darüber hinaus – wohl erhalten bleibt. Ähnliches gilt für die Risiken des Haushaltsstreits zwischen der EU und Italien oder den Brexit-Aussichten unter einem Premierminister Boris Johnson. Von Iran, der Türkei und Venezuela ganz zu schweigen. Überall hier drohen Eskalationspunkte, die zumindest temporär für Risk-off-Momente sorgen können. Dies gilt insbesondere, zumal die Aktienpreise zuletzt eben nicht von Gewinnen, sondern den Handlungen der Zentralbanken getrieben wurden und die Bewertungen damit anfälliger geworden sind.

 

Was bedeutet das für Anleger?

Damit könnte ein Rückschlagrisiko in der zweiten Jahreshälfte genau von der Seite drohen, die bisher am meisten zur positiven Performance beigetragen hat, nämlich den Zentralbanken. Bis zum Jahresende 2020 sind in den Fed Fund Futures inzwischen vier Zinssenkungen (um jeweils 25 Basispunkte) eingepreist, der Dollar hat entsprechend abgewertet. Ob die Fed aber wirklich Veranlassung hat, den Leitzins derart stark herunterzuschrauben, erscheint aus heutiger Sicht fraglich. Sollten starke amerikanische Konjunkturdaten dafür sorgen, dass sich die Erwartung einer sehr defensiven US-Notenbank wieder verflüchtigen, könnte dies somit ein entsprechend negatives Signal an die Aktienmärkte senden. Gerade das Jahr 2018 hat uns gezeigt, wie sehr Niedrigzinsen und Assetkäufe die Risikomärkte in den letzten Jahren geprägt haben. Droht Entzug der liebgewonnenen zinspolitischen Absicherung, werden Aktien relativ betrachtet weniger attraktiv, außerdem steigen die Diskontierungszinsen für zukünftige Gewinne.

Vor diesem Hintergrund sind auch Zahlen wie die am Freitag anstehenden Non-Farm Payrolls von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Der Markt rechnet mit einer Erholung vom schwachen Vormonat (nur 75.000 neu geschaffene Stellen außerhalb der Landwirtschaft) auf 158.000 Stellen. Eine erhebliche Abweichung nach oben könnte, eventuell in Verbindung mit wieder stärker als zuletzt um 3,2% steigenden Löhnen, eine derartige Diskussion schon gegen Ende dieser Woche auslösen. Sie dürfte uns dann durch den Sommer und möglicherweise die gesamte zweite Jahreshälfte begleiten.


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