Doppelschlag von
Fed und EZB

Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA
BlackRock Kapitalmarktstratege

BlackRock Marktausblick vom 25. Juni 2019

Auf der Pressekonferenz der US-Notenbank am vergangenen Mittwoch war die Ansage von Jerome Powell eindeutig: Sollte der Handelskrieg weiter schwelen und somit auch das Erreichen des Inflationsziels gefährden, stehe die Fed Gewehr bei Fuß, um die Zinsen erstmals seit 2008 zu senken. Noch deutlicher war die Kunde, welche die sogenannten Dots verbreiteten. Acht der insgesamt 17 FOMC-Mitglieder sind aktuell der Meinung, dass eine Zinssenkung bis Jahresende angebracht wäre. Aus heutiger Sicht ist die Hürde für eine Senkung bereits im kommenden Monat somit keine allzu hohe mehr. Nicht wenige Anleger spekulieren aktuell gar darüber, die US-Notenbank könnte den Leitzins womöglich in einem Schritt gleich um 50 Basispunkte reduzieren. Richtig ist: Auch die anderen beiden Leitzinssenkungszyklen (2000 und 2007) in diesem Jahrtausend begann die Fed jeweils mit einer Senkung um 0,5 Prozentpunkte. Allerdings scheinen die Leitzinssenkungserwartungen aus unserer Sicht ein wenig zu aggressiv zu sein, da es letztlich (noch) nicht so schlecht um die US-Konjunktur bestellt ist.

Spätestens seit dem dreitägigen Treffen im portugiesischen Sintra sinniert man auch innerhalb der EZB wieder ganz offen über Leitzinssenkungen – bei einem aktuellen Leitzins von null Prozent. Vorbei die Zeiten, in denen europäische Währungshüter auch gegen die Erwartungen des Marktes Geduld predigten und schon fast krampfhaft an ihrer „Guidance“ festhielten, wonach die Zinsen in absehbarer Zeit angehoben werden sollten. Selbst Diskussionen über ein neues Ankaufprogramm sind in EZB-Kreisen seit neuestem wieder en vogue. Angesichts eines Absturzes der mittelfristigen Inflationserwartungen seit Jahresbeginn um zwischenzeitlich mehr als 50 Basispunkte war ein „weiter so“ bei der EZB-Strategie aber auch keine Option mehr. Das letzte Mal folgte auf einen derart starken Fall der Inflationserwartungen die Ankündigung des Anleiheankaufprogramms – das war Anfang 2015.

Der Kursschwenk der EZB ist jedoch nicht ohne Gefahr, denn viel mehr als ein weiteres Aufblähen der Assetpreise dürfte eine abermalige Lockerung der Geldpolitik kaum zur Folge haben. Letztlich ist die EZB wie so viele andere Zentralbanken in einer „Liquiditätsfalle“ gefangen, aus der heraus es ihr kaum möglich ist, die Realwirtschaft in der Eurozone zu stimulieren. Außerdem müsste der Bankensektor in Europa im Falle noch niedriger Zinsen wohl gestützt werden.

Wer die EZB-Politik an der Spitze der Zentralbank am kommenden Herbst steuern darf, bleibt derweil unklar. Nach der Vertagung der Entscheidung darüber, wer neuer EU-Kommissionspräsident wird, dürfte sich auch die wichtige EZB-Personalentscheidung verzögern. Wenngleich die deutsche als auch die französische Regierung beteuern, dass die Vergabe des EZB-Chefpostens unabhängig von der Entscheidung sei, wer EU-Kommissionspräsident bzw. Chef des EU-Rats sowie der oder die neue EU-Vertreter/in für Außen- und Sicherheitspolitik wird, so hängen diese Dinge wohl doch untrennbar zusammen. Selbst wenn Berlin, Paris und Brüssel von einer „3+1-Logik“ sprechen, dürfte die Wahrheit eher lauten, dass die Nationalität des neuen Chefs sehr wohl eine mitentscheidende Rolle spielt.

Möglich sind diese Hinterzimmerdeals, da die Vergabe des EZB-Chefpostens ähnlich wie die des Postens des EU-Kommissionspräsidenten kein formalisierter Prozess ist. Derzeit weiß sogar niemand ganz genau, wer eigentlich alles im Rennen ist. Die Liste potenzieller Kandidaten ist jedoch lang. Denkbar daher auch, dass am Ende wie schon zu Beginn der Eurozone eine Aufteilung der achtjährigen Amtszeit erfolgt: Wim Duisenberg durfte damals gegen eigenen Wunsch nur vier Jahre an der Spitze der EZB verbringen bevor Jean-Claude Trichet als Erster volle acht Jahre EZB-Chef war. Sicher ist nur das Draghi Ende Oktober als EZB-Chef abdankt. Letztlich dürfte der „Neue“ aber ohnehin wenig Spielraum haben – Draghi hat mit seiner Rede in Sintra Fakten geschaffen.

 

Was bedeutet das für Anleger?

Für Risikoaktiva bedeutet der Doppelschlag von Fed und EZB erst einmal Rückenwind. Aktienmärkte rund um den Globus haussierten in der abgelaufenen Woche, wobei der mit dem Zentralbankkursschwenk einhergehende Rücksetzer bei den Zinsen vor allem die Bewertungen der Aktienmärkte nach oben trieb.

Gut möglich, dass wir in ein paar Jahren auf die aktuelle Phase zurückschauen und konstatieren: Das war die Zeit, in der die Normalisierung der Geldpolitik in der Eurozone scheiterte und immer deutlicher wurde, dass wir uns in Europa nicht nur in Richtung Japanisierung bewegen, sondern womöglich bereits angekommen sind. Die Tatsache, dass Zentralbanken nun sogar über die Adjustierung ihrer Inflationsziele nachdenken, bekräftigt diese Diagnose. Eine Idee der Fed ist beispielweise, die Inflationsrate in Zukunft über das Ziel von zwei Prozent überschießen zu lassen. Schließlich notierte sie nun jahrelang unterhalb dieses Ziels.

Apropos Japan: Trump und Xi treffen sich Ende der Woche nach Lage der Dinge am Rande des G20-Gipfels in Osaka, um möglicherweise die ins Stocken geratenen Verhandlungen zum Thema Handel wieder aufzunehmen. Allzu viele Hoffnungen sollte man als Anleger aber nicht hegen. Der Konflikt dieser beiden Länder hat womöglich gerade erst so richtig begonnen.

.

 

 


MKTGH0619E-882057

Alle Meinungen und Schätzungen in diesem Dokument, einschließlich Renditeprognosen, spiegeln unsere Beurteilung bei Redaktionsschluss wider, können ohne vorherige Ankündigung geändert werden und beruhen auf Annahmen, die sich möglicherweise nicht als zutreffend erweisen.

Diese Werbemitteilung dient rein zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung und kein Angebot zum Kauf von Anteilen an Fonds der BlackRock Gruppe dar. Diese Mitteilung unterliegt nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen. Das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen gilt daher nicht.

Eine Finanzanlage ist typischerweise mit gewissen Risiken verbunden. Der Wert einer Anlage sowie das hieraus bezogene Einkommen können Schwankungen unterliegen und sind nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Anleger nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Eine mögliche Kaufentscheidung darf ausschließlich auf Basis der Informationen getroffen werden, die der aktuelle Verkaufsprospekt, die vereinfachten Prospekte und/oder wesentlichen Anlegerinformationen, der Jahres- und Halbjahresbericht zur Verfügung stellen. Die Dokumente in deutscher Sprache zu den einzelnen Fonds finden Sie unter den angegebenen Links und hier.

Zu beachten gilt, dass, verglichen mit entwickelteren Märkten der Wert der Anlagen aufgrund einer höheren Unsicherheit bezüglich der Funktionsweise dieser Märkte und Schwellenländer einer höheren Volatilität ausgesetzt sein kann.

Die hier dargelegten zukunftsgerichteten Erklärungen stellen die Beurteilung des Autors zum Datum dieses Materials dar. Zukunftsgerichtete Erklärungen beinhalten wesentliche Elemente subjektiver Beurteilungen und Analysen sowie deren Veränderungen und/oder die Berücksichtigung verschiedener, zusätzlicher Faktoren, die eine materielle Auswirkung auf die genannten Ergebnisse haben könnten. Tatsächliche Ergebnisse können daher möglicherweise wesentlich von den hier enthaltenen Ergebnissen abweichen.

Bei diesem Material handelt es sich um eine Marketinginformation. Es unterliegt nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen. Dieses Material darf nicht als verlässliche Prognose, Finanzanalyse oder Anlagerat verstanden werden und ist keine Empfehlung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, noch ist es als Basis für die Übernahme einer speziellen Anlagestrategie zu betrachten. Die geäußerten Meinungen unterliegen möglicherweise Änderungen, sollten zugrunde liegende Umstände sich ändern. Die Informationen und Meinungen in diesem Dokument stammen aus eigenen und externen Quellen, die von BlackRock als verlässlich eingestuft werden, sind nicht unbedingt vollständig und ihre Richtigkeit wird nicht garantiert.
Dieses Dokument enthält zukunftsorientierte Informationen, die nicht rein auf der Vergangenheit basieren. Dazu zählen u. a. Projektionen und Prognosen. Es wird nicht garantiert, dass die gestellten Prognosen auch eintreffen. Wenn sich der Leser auf die Informationen in diesem Dokument verlässt, liegt das in seinem eigenen Ermessen. Dieses Material ist nicht an Personen oder Rechtseinheiten gerichtet, die Staatsbürger oder Gebietsansässige einem Staat, Land oder einer sonstigen Jurisdiktion, einschließlich der Vereinigten Staaten, sind (oder ihren Sitz dort haben), in dem/der Verbreitung, Veröffentlichung, Verfügbarkeit oder Verwendung dieses Dokuments gegen Gesetze oder andere Bestimmungen verstoßen oder BlackRock dazu verpflichten würde, bisher noch nicht erfüllten Registrierungs- oder Lizenzierungsanforderungen nachzukommen.

Bis zum 31. Dezember 2020 ist der Herausgeber BlackRock Investment Management (UK) Limited, ein von der britischen Financial Conduct Authority („FCA“) zugelassenes und beaufsichtigtes Unternehmen mit Geschäftssitz 12 Throgmorton Avenue, London, EC2N 2DL, England, Tel. +44 (0)20 7743 3000. Registriert in England und Wales unter Nummer 2020394. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet. Eine Liste aller Aktivitäten, für die BlackRock zugelasssen ist, finden Sie auf der Website der Financial Conduct Authority. 

Falls Großbritannien aus der Europäischen Union (EU) austritt, ohne eine Vereinbarung mit der EU geschlossen zu haben, die es Unternehmen in Großbritannien erlauben würde, im Europäischen Wirtschaftsraum Finanzdienstleistungen zu erbringen („No-Deal-Brexit-Ereignis“), ist der Herausgeber dieser Materialien ab 1. Januar 2021:

  • BlackRock Investment Management (UK) Limited für alle Länder außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums bzw.
  • BlackRock (Netherlands) B.V. für Länder im Europäischen Wirtschaftsraum,

BlackRock (Netherlands) BV, ein von der niederländischen Finanzdienstleistungsaufsicht zugelassenes und beaufsichtigtes Unternehmen mit Geschäftssitz Amstelplein 1, 1096 HA, Amsterdam, Tel.: +31 020 549 – 5200, Handelsregister Nr. 17068311. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet.

© 2021 BlackRock, Inc. BLACKROCK, iSHARES, BLACKROCK SOLUTIONS, BAUEN AUF BLACKROCK, WAS ALSO SOLL ICH MIT MEINEM GELD TUN und das stilisierte i Logo sind eingetragene und nicht eingetragene Handelsmarken von BlackRock, Inc. oder ihren Niederlassungen in den USA und anderen Ländern. Alle anderen Marken sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber.