Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalmarktstrategie BlackRock

Irgendwie dreht sich in dieser Woche alles um Europa. Zunächst stellt sich die Frage, ob die gesamtwirtschaftliche Abkühlung, die im zweiten Halbjahr Italien in die Rezession kippte und Deutschland nur haarscharf daran vorbeischrammen ließ, eventuell schon wieder am Abklingen ist. Hoffnungsträger ist die Nachfrage aus China, wo das erste Quartal angeblich eine Expansion von 6,4% des BIP gegenüber dem Vorjahr brachte und die Regierung angekündigt hat, das Wachstum mit Steuersenkungen und zusätzlichen Staatsausgaben anzuschieben. China steht inzwischen für rund 30% des globalen Wirtschaftswachstums, insofern ist die Annahme, die Dynamik aus dem Reich der Mitte könne vor allem exportorientierten Ländern auf die Sprünge helfen, berechtigt. In dieser Woche kommen mit dem Ifo-Index und den Einkaufsmanagerindizes wichtige Konjunkturindikatoren heraus. Besonders die Zusammensetzung der Subindikatoren, also etwa die relative Stärke der jeweiligen Industriekomponenten, könnte Aufschluss darüber geben, in welche Richtung sich die europäischen Volkswirtschaften im zweiten Quartal entwickeln.

Daran, dass Donald Trump scheinbar willkürlich und ohne Plan B tragende Säulen der Weltordnung abräumt, haben wir uns gewöhnen müssen. Klima-Akkord, Iran-Atomabkommen, NAFTA oder WTO-Handelsstandards sind nur einige der Fälle, in denen wir darauf warten, dass der selbsternannte Greatest Dealmaker Ever ein neues, besseres Abkommen an die Stelle des zerstörten alten setzt. Insofern dürfen wir als Europäer schon dankbar sein, wenn der US-Präsident es offenbar vorzieht, sich nicht mit China und der EU gleichzeitig zu duellieren. Denn da der Handelsdeal mit den Chinesen auf sich warten lässt, hat die amerikanische Regierung pünktlich zum 18. Mai verkündet, für weitere 180 Tage auf Strafzölle gegenüber europäischen Autoimporten zu verzichten. Was wohl wiederum bedeutet, dass für diese Frist nicht mit einem China-Deal zu rechnen ist. Damit dies bei Trumps Wählerbasis gegenüber den Europäern nicht als zu nachgiebig wahrgenommen wird, schickte der Präsident einen Tweet gleich hinterher. Darin wird die EU aufgefordert, künftige Fahrzeuglieferungen in die USA mittels Höchstquoten zu begrenzen.

Schon diese Relativierung des Aufschubs von Strafzöllen zeigt, wie sehr Trumps Handelskonfliktagenda von Wahlkampfüberlegungen bestimmt wird. Denn während die US-Regierung nun ein halbes Jahr Zeit hat, einen Deal mit China doch noch unterschriftsreif hinzubekommen, spart man sich den Showdown mit der EU für die Zeit danach auf, vermutlich für Anfang 2020, wenn der Präsidentschaftswahlkampf richtig Fahrt aufnimmt. Wir bleiben bei der Einschätzung, dass Trump den Handelskonflikt bewusst hochkocht, um bei seiner Wählerbasis Punkte zu sammeln. Im eigentlichen Wahlkampf, wo er sich auch Wechselwählern als Präsident aller Amerikaner anbieten wird, muss Trump dann aber etwas Greifbares vorweisen. Europäer und Chinesen in Fragen des Handels zu Deals gezwungen zu haben, bei denen die USA scheinbar der große Gewinner sind,
dürfte Trumps Idealvorstellung sein, mit der er nur allzu gern in die Wahlkampfveranstaltungen 2020 ziehen würde. Die Gefahr ist nur, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Denn es ist durchaus möglich, dass die negativen Folgen etwa der 25%-Zölle auf China-Importe von 200 Mrd. Dollar Bremsspuren in der US-Wirtschaft hinterlassen, bevor ein Abkommen greifbar ist und die Zölle wieder reduziert oder ganz abgebaut werden können. Und wenn die US-Konsumenten einmal gesehen haben, dass die protektionistische Agenda ihres Präsidenten sie richtig Geld kostet, könnte auch die Auseinandersetzung mit Europa schwieriger werden.

Was bedeutet das für Anleger?

Vor dem Hintergrund dieser Konstellation – Hoffnung auf China, Kaninchen vor Schlange Trump – wählt ein passives, von ständiger Beschäftigung mit sich selbst müdes Europa ein neues Parlament. Auch mit Blick auf die am Donnerstag dieser Woche beginnende und am Sonntag endende Wahl ist der Grundtenor nicht Aufbruch, sondern Verhindern des Schlimmsten. Der befürchtete Rechtsruck bleibt trotz des Skandals um Österreichs Regierungspartei FPÖ eine realistische Möglichkeit. Allerdings dürfte sich der Wahlerfolg der Rechtspopulisten recht ungleich verteilen, mit Ergebnissen von deutlich über 30% für Italiens Lega versus deutlich schwächere 12-14% für die deutsche AfD. Beklagenswert bleibt das erwartete und seltsam teilnahmslos zur Kenntnis genommene Abschmelzen der Mitteparteien. Da der neue Kommissionspräsident (bzw. die Präsidentin) höchstwahrscheinlich von einer der traditionellen Mitteparteien kommen wird, ergibt sich schon daraus eine Schwächung der demokratischen Legitimität der künftigen Kommission. Beruhigend, dass die Finanzmärkte kaum auf das Wahlergebnis reagieren dürften. Allenfalls ein erdrutschartiger Sieg der Rechten würde vermutlich ausreichen, um eine sichtbare Marktreaktion hervorzurufen. Unser Dank dafür, dass dies am Wochenende ein Stückchen unwahrscheinlicher geworden ist, geht diesmal nach Österreich.

 

 


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