Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalmarktstrategie BlackRock

Das, was der amerikanische Präsident am Wochenende per Twitter geliefert hat, war wieder mal ein echter Trump. Kaum hatte sich überall, nicht zuletzt an den Aktienmärkten, Zuversicht bezüglich des absehbaren Handelsabkommens zwischen den USA und China breit gemacht, packte der unberechenbare Hausherr von 1600 Pennsylvania Avenue in Washington die Keule aus. Der Handelsdeal dauere viel zu lange, verlautete es in einem seiner nächtlichen Tweets, und Schuld seien die Chinesen mit ihrem Versuch, nachzuverhandeln. Deshalb werden jetzt am Freitag die bisher mit „nur“ 10% Zöllen belegten chinesischen Lieferungen in Höhe von 200 Mrd. Dollar mit 25% belegt, ebenso wie die Importe in Höhe von 50 Mrd. Dollar, bei denen dieser Tarif bereits seit einiger Zeit greift. Außerdem stellte Trump in den Raum, dass die bisher komplett von Zöllen ausgenommenen sonstigen Lieferungen, Gesamtvolumen etwa 325 Mrd. Dollar, schon bald ebenfalls Importzöllen unterworfen werden könnten.

Der Wutausbruch des reizbaren Präsidenten erscheint auf den ersten Blick überraschend, war doch für morgen der Besuch einer umfangreichen (die Rede ist von rund 100 Personen) chinesischen Delegation in Washington geplant gewesen. Unter Führung von US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer auf amerikanischer und dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Liu He auf chinesischer Seite sollte die wohl letzte Runde in den Handelsgesprächen absolviert und – daher die große Zahl an chinesischen Fachleuten und Abteilungsleitern in der Delegation – das Abkommen für die finale Unterschrift der Präsidenten Trump und Xi vorbereitet werden. Nun berichten die Agenturen, dass die chinesische Seite erwägt, die Reise abzusagen. Wie gefährlich ist Donald Trumps Twitter-Daumen wirklich?

Erstens: Es entspricht typisch Trump’scher Verhandlungstaktik, kurz vor Vertragsabschluss der Gegenseite noch einmal einen heftigen und möglichst unerwarteten Schuss vor den Bug zu verpassen. Mit einer ähnlichen Aktion schockierte Trump Mexikaner und Kanadier in den USMCA (vormals NAFTA)-Verhandlungen und holte tatsächlich einen besseren Zugang der US-Milchbauern zum kanadischen Markt heraus. Auch beim Gipfel mit Kim Jong Un im Februar in Hanoi versuchte Trump, den nordkoreanischen Diktator mit einer Maximalforderung zu überraschen, nämlich Lockerung der US-Sanktionen erst für den Fall, dass Nordkorea sein Atomprogramm komplett einstelle. In diesem Fall scheiterte Trumps Schocktaktik und der Gipfel endete mit einer medialen Niederlage. Denn selbst wenn Kim gewollt hätte, wäre es für ihn nahezu unmöglich gewesen, ein Ergebnis zu erzielen, ohne sein Gesicht zu verlieren. Gut möglich also, dass Trumps Präferenz für extrem aggressive Verhandlungstaktik im Falle asiatischer Verhandlungspartner eher an Grenzen stößt und sich der Präsident verrechnet, wenn er auf ein schnelles Einknicken der Chinesen setzt. Aus China selbst verlautet, „man sei schon lange auf das Schlimmste vorbereitet“.

Zweitens ändert sich nichts an der Vorteilhaftigkeit einer Einigung für beide Seiten. China kann den wachstumsfördernden Impuls eines wieder störungsfreien Welthandels gut gebrauchen, und Trump möchte sich seinen Wählern als erfolgreicher Dealmaker präsentieren. Durchaus möglich, dass die chinesische Führung hinter den Kulissen sogar Verständnis für den US-Präsidenten aufbringt, der sich im Hinblick auf den Wahlkampf 2020 positionieren möchte. In diesem Fall, dessen Wahrscheinlichkeit vermutlich bei über 50% liegt, wäre der Deal nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Drittens aber ist Trumps Twitter-Attacke dennoch nicht ohne Gefahren für den Rest der Welt, vor allem für Europa mit seinen offenen Volkswirtschaften. So befindet sich die exportabhängige deutsche Industrie seit Monaten in einer tiefen Rezession. Neue Zahlen für Auftragseingang und Output werden in dieser Woche veröffentlicht. Große Hoffnung ruht auf der Nachfrage aus China, die doch möglichst bald wieder anziehen möge. Verzögert sich die Belebung des Welthandels jetzt infolge von Trumps Spielchen, wären wohl auch in Europa die Folgen schnell spürbar. Selbst wenn irgendwann ein Deal kommt, wäre hierbei auch die zeitliche Dimension wichtig. Bisher nämlich hält in Europa und vor allem in Deutschland die Binnennachfrage das Wachstum am Laufen. Dauert aber die Industrierezession zu lange, werden Unternehmen Mitarbeiter entlassen und die Schwäche könnte auf die Binnennachfrage durchschlagen. Eine schnelle Einigung wäre also gut.

Was bedeutet das für Anleger?

Realistisch ist wohl leider, dass uns die Unsicherheiten eines drohenden Handelskrieges noch ein Weile erhalten bleiben dürften. Für Trump ist das Thema zu wichtig, um es vorschnell durch Abschluss neuer Abkommen aufzugeben. Andererseits schaut der US-Präsident gern auf die Aktienmärkte, deren Niveaus er als Barometer seiner Präsidentschaft interpretiert. In diesem Sinne sollte es ihm zu denken geben, falls der China-Deal jetzt auf die lange Bank geschoben wird und die Märkte dies mit heftigen Abschlägen auf die bisherigen Jahresgewinne quittieren.

 

 


MKTGH0519E-840123

Alle Meinungen und Schätzungen in diesem Dokument, einschließlich Renditeprognosen, spiegeln unsere Beurteilung bei Redaktionsschluss wider, können ohne vorherige Ankündigung geändert werden und beruhen auf Annahmen, die sich möglicherweise nicht als zutreffend erweisen.

Diese Werbemitteilung dient rein zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung und kein Angebot zum Kauf von Anteilen an Fonds der BlackRock Gruppe dar. Diese Mitteilung unterliegt nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen. Das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Finanzanalysen gilt daher nicht.

Eine Finanzanlage ist typischerweise mit gewissen Risiken verbunden. Der Wert einer Anlage sowie das hieraus bezogene Einkommen können Schwankungen unterliegen und sind nicht garantiert. Es besteht die Möglichkeit, dass der Anleger nicht die gesamte investierte Summe zurückerhält. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Eine mögliche Kaufentscheidung darf ausschließlich auf Basis der Informationen getroffen werden, die der aktuelle Verkaufsprospekt, die vereinfachten Prospekte und/oder wesentlichen Anlegerinformationen, der Jahres- und Halbjahresbericht zur Verfügung stellen. Die Dokumente in deutscher Sprache zu den einzelnen Fonds finden Sie unter den angegebenen Links und hier.

Zu beachten gilt, dass, verglichen mit entwickelteren Märkten der Wert der Anlagen aufgrund einer höheren Unsicherheit bezüglich der Funktionsweise dieser Märkte und Schwellenländer einer höheren Volatilität ausgesetzt sein kann.

Die hier dargelegten zukunftsgerichteten Erklärungen stellen die Beurteilung des Autors zum Datum dieses Materials dar. Zukunftsgerichtete Erklärungen beinhalten wesentliche Elemente subjektiver Beurteilungen und Analysen sowie deren Veränderungen und/oder die Berücksichtigung verschiedener, zusätzlicher Faktoren, die eine materielle Auswirkung auf die genannten Ergebnisse haben könnten. Tatsächliche Ergebnisse können daher möglicherweise wesentlich von den hier enthaltenen Ergebnissen abweichen.

Bei diesem Material handelt es sich um eine Marketinginformation. Es unterliegt nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit von Finanzanalysen. Dieses Material darf nicht als verlässliche Prognose, Finanzanalyse oder Anlagerat verstanden werden und ist keine Empfehlung, Angebot oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, noch ist es als Basis für die Übernahme einer speziellen Anlagestrategie zu betrachten. Die geäußerten Meinungen unterliegen möglicherweise Änderungen, sollten zugrunde liegende Umstände sich ändern. Die Informationen und Meinungen in diesem Dokument stammen aus eigenen und externen Quellen, die von BlackRock als verlässlich eingestuft werden, sind nicht unbedingt vollständig und ihre Richtigkeit wird nicht garantiert.
Dieses Dokument enthält zukunftsorientierte Informationen, die nicht rein auf der Vergangenheit basieren. Dazu zählen u. a. Projektionen und Prognosen. Es wird nicht garantiert, dass die gestellten Prognosen auch eintreffen. Wenn sich der Leser auf die Informationen in diesem Dokument verlässt, liegt das in seinem eigenen Ermessen. Dieses Material ist nicht an Personen oder Rechtseinheiten gerichtet, die Staatsbürger oder Gebietsansässige einem Staat, Land oder einer sonstigen Jurisdiktion, einschließlich der Vereinigten Staaten, sind (oder ihren Sitz dort haben), in dem/der Verbreitung, Veröffentlichung, Verfügbarkeit oder Verwendung dieses Dokuments gegen Gesetze oder andere Bestimmungen verstoßen oder BlackRock dazu verpflichten würde, bisher noch nicht erfüllten Registrierungs- oder Lizenzierungsanforderungen nachzukommen.

Bis zum 31. Dezember 2020 ist der Herausgeber BlackRock Investment Management (UK) Limited, ein von der britischen Financial Conduct Authority („FCA“) zugelassenes und beaufsichtigtes Unternehmen mit Geschäftssitz 12 Throgmorton Avenue, London, EC2N 2DL, England, Tel. +44 (0)20 7743 3000. Registriert in England und Wales unter Nummer 2020394. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet. Eine Liste aller Aktivitäten, für die BlackRock zugelasssen ist, finden Sie auf der Website der Financial Conduct Authority. 

Falls Großbritannien aus der Europäischen Union (EU) austritt, ohne eine Vereinbarung mit der EU geschlossen zu haben, die es Unternehmen in Großbritannien erlauben würde, im Europäischen Wirtschaftsraum Finanzdienstleistungen zu erbringen („No-Deal-Brexit-Ereignis“), ist der Herausgeber dieser Materialien ab 1. Januar 2021:

  • BlackRock Investment Management (UK) Limited für alle Länder außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums bzw.
  • BlackRock (Netherlands) B.V. für Länder im Europäischen Wirtschaftsraum,

BlackRock (Netherlands) BV, ein von der niederländischen Finanzdienstleistungsaufsicht zugelassenes und beaufsichtigtes Unternehmen mit Geschäftssitz Amstelplein 1, 1096 HA, Amsterdam, Tel.: +31 020 549 – 5200, Handelsregister Nr. 17068311. Zu Ihrem Schutz werden Telefonate üblicherweise aufgezeichnet.

© 2021 BlackRock, Inc. BLACKROCK, iSHARES, BLACKROCK SOLUTIONS, BAUEN AUF BLACKROCK, WAS ALSO SOLL ICH MIT MEINEM GELD TUN und das stilisierte i Logo sind eingetragene und nicht eingetragene Handelsmarken von BlackRock, Inc. oder ihren Niederlassungen in den USA und anderen Ländern. Alle anderen Marken sind Eigentum der jeweiligen Rechteinhaber.