Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA
BlackRock Kapitalmarktstratege

Es wird ernst in Sachen Brexit. Wenige Tage vor dem offiziellen Austrittsdatum haben sowohl die konservative Partei als auch Labour auf der Zielgeraden wichtige Änderungen an ihren Brexit-Positionen vorgenommen. Während Labour nun offiziell die Idee eines zweiten Referendums unterstützt, stehen die Tories einer Verschiebung des Austrittsdatums offener gegenüber. Bis zum 12. März soll im Unterhaus erneut eine Abstimmung über das Exit-Abkommen stattfinden.

Für den Fall eines abermaligen Scheiterns von May, einigte sich das Parlament auf eine Abstimmung über einen harten Brexit. Da dieser jedoch von nahezu allen Seiten vehement abgelehnt wird, würde es dann am 14. März – so der Plan – zu einer Abstimmung über eine „kurze“ Verschiebung des Austrittsdatums kommen.

Aber selbst im Falle einer Zustimmung zum Austrittsabkommen ist der 29. März als Austrittsdatum kaum zu halten, da die EU und UK wohl mehr Zeit bräuchten, um einen Deal zu ratifizieren. Jede Verlängerung um mehr als drei Monate ist wegen der anstehenden Europawahl schwierig, aber sicher alles andere als unmöglich. Die Wahrscheinlichkeit für ein zweites Referendum ist hingegen durch den Sinneswandel von Labour gestiegen – eine Verschiebung des Austrittsdatums würde sie vermutlich zusätzlich erhöhen. Neuwahlen bleiben hingegen aus heutiger Sicht eher unwahrscheinlich. Der Parteiaustritt von drei Tory-Abgeordneten gefährdet zwar die Stabilität der Regierung. Allerdings betrug die Mehrheit der Regierung mit der nordirischen DUP vor dem Austritt zusammen insgesamt acht Stimmen. Erst wenn diese Mehrheit in Gefahr gerät, würden Neuwahlen als Option in den Fokus kommen. Die Dinge bleiben also im Fluss und die Frage nach der Ausgestaltung der zukünftigen Beziehung zwischen UK und der EU bleibt völlig offen.

Die EZB hat zwei Tage vor ihrer nächsten geldpolitischen Sitzung derweil andere Probleme: Die Kerninflationsrate in der Eurozone ist im Februar wieder auf 1,0 Prozent gefallen und damit gefühlt weiter Lichtjahre vom Zielwert entfernt. Offenbar ist der inflationäre Impuls durch höhere Löhne in der Eurozone noch geringer als bisher erwartet. Zentralbanker in Frankfurt müssen zudem realisieren, dass nicht nur die Inflations- sondern auch die Wachstumsprognosen, die sie Ende letzten Jahres für 2019 und die folgenden Jahre ins Schaufenster gestellt haben, ganz offensichtlich zu sportlich waren. Womöglich wird die EZB die Wachstumsprognose für das laufende Jahr am Donnerstag um fast einen halben Prozentpunkt reduzieren.

Vor dem Hintergrund dieser trüberen Aussichten dürfte es für die EZB auf der nächsten Sitzung am Donnerstag von hoher Bedeutung sein, ein positives Signal zu senden. Möglicherweise wird das Signal der Zentralbank in der Ankündigung eines neues zielgerichteten Langfristtenders – kurz TLTRO – bestehen. Dieses Instrument stellt Banken gezielt („targeted“) Liquidität für die Kreditvergabe zur Verfügung. Ein solcher Tender, der bereits im Jahr 2016 aufgelegt wurde, läuft nächstes Jahr aus. Da viele Banken – insbesondere in Spanien und Italien – auf einen neuen TLTRO angewiesen sind, um den alten zurückzuzahlen und, da die EZB die Daumenschrauben bei den Banken sicher nicht noch weiter anziehen möchte, geht der Markt bereits heute fest davon aus, dass ein neuer TLTRO kommen wird. Stellt sich die Frage, wie die EZB die Ankündigung von etwas, was bereits eingepreist ist, so verpacken kann, dass es ein Signal der Zuversicht an die Märkte sendet. Richtig Eindruck werden Draghi & Co wohl erst dann schinden können, wenn sie die Forward Guidance anpassen und eine Leitzinsanhebung in 2019 vom Tisch nehmen. Dies ist jedoch erst im Frühsommer zu erwarten.

Was bedeutet das für Anleger?

Der Jahresstart an den globalen Aktienmärkten war mit einem Plus von mehr als zehn Prozent sehr erfreulich – den vorsichtigeren Zentralbanken und den schwindenden geopolitischen Sorgen sei Dank. Insbesondere die Annäherung zwischen den USA und China hat die Laune gehoben. Ende März könnten Trump und Xi bei einem offenbar geplanten Gipfeltreffen den Handelsstreit nun eventuell sogar ganz beilegen. Auf dem nationalen chinesischen Volkskongress, der heute beginnt, müsste China mit Reformankündigen den Weg für eine solche Einigung ebnen.

Bei fallenden Gewinnerwartungen war die Rallye seit Weihnachten einzig und allein bewertungsgetrieben. Möglich war der Anstieg der Bewertungen allerdings nur, weil die Mehrheit der Anleger ganz offensichtlich davon ausgeht, dass die Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik und damit des Gewinnwachstums in naher Zukunft zu einem Ende kommt. Implizit, so scheint es, rechnet der Markt damit, dass alles schon nicht so schlimm wird in Sachen Wachstum. Gleichzeitig glaubt der Markt an keine Leitzinsanhebungen in den USA und Europa in 2019 und sorgt so für günstigere Finanzierungsbedingungen. Das riecht stark nach „Goldilocks light“.

Interessant ist gleichzeitig, dass die Gezeitenwende bei der Kursentwicklung um das Weihnachtsfest herum nicht mit einer Wachablösung bei der Performance bei den Faktoren einherging. Sowohl vor als auch nach Weihnachten letzten Jahres schneidet beispielsweise der Quality-Faktor besser ab als der Value-Faktor. Seit Jahresbeginn liegt der Faktor Quality sogar vor allen anderen Faktoren. Hieraus lässt sich dann doch so etwas wie eine wachsende Vorsicht bei den Anlegern ablesen. Wir finden diesen Ansatz richtig und halten an unserer Vorliebe für den Quality-Faktor fest, der gerade gegen Zyklusende seine Stärken ausspielen kann.

 


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