Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalmarktstrategie BlackRock

Am Mittwoch letzter Woche vollzog die US-Notenbank Fed eine bemerkenswerte Kehrtwende in ihrer Rhetorik. Hatte Chairman Jerome Powell im Oktober noch von einem im Autopilot-Modus steigenden Leitzins gesprochen, kassierte der mächtigste Zentralbanker der Welt nun seine Einschätzung, indem er weitere Zinsschritte von der Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes abhängig machte. Der Wolf hatte Kreide gefressen. Sogar eine erneute Ausweitung der Fed-Bilanz, die seit Oktober 2017 bis dato um gut 400 Mrd. Dollar verkleinert worden ist, stellte Powell in den Raum. Die Märkte reagierten mit einem erneuten Auspreisen jeglichen Zinsschrittes im laufenden Jahr. Ähnlich wie schon einmal zum Jahreswechsel implizieren aktuell die Fed Funds Futures, dass die US-Leitzinsen am Ende des Jahres sogar etwas niedriger stehen als heute.

Die Erwartungen bezüglich der US-Zinsen haben, gerade im gegenwärtigen Kapitalmarktumfeld, das Potenzial, Aktienpreise massiv zu beeinflussen. Erinnern wir uns: vor genau einem Jahr trieben die erwarteten Strohfeuereffekte der US-Steuerreform, gepaart mit Inflationsängsten infolge des sehr starken Januar-Arbeitsmarktberichts Anleger dazu, auf eine aggressiver einbremsende Notenbank – und damit stärker schwankende Aktienpreise - zu setzen. Als Folge schnellte der Volatilitätsindex VIX nach oben, Aktien wurden verkauft, Börsenbarometer rauschten in den Keller. Viele Investoren, die seit langem eine Korrektur erwartet hatten, sahen sich bestätigt, und vielerorts war vom „reinigenden Gewitter“ zu lesen. Aber obwohl der Kurssturz am 5. Februar 2018 durch technologische Spezifika (sogenanntes Algo-Trading) überzeichnet war und oft auf die unveränderte Robustheit der volkswirtschaftlichen Daten verwiesen wurde, haben sich die Aktienmärkte vom Februar-Crash nie wirklich erholt.

An diese Episode aus dem Vorjahr sei erinnert, wenn wir jetzt mit Erleichterung auf die seit Jahresbeginn um rund 8% gestiegenen Aktienkurse schauen. Denn Parallelen drängen sich auf. Auch diesmal sind die Märkte angesichts der angesprochenen Zurückhaltung der Fed verblüffend sorglos unterwegs, zumindest was den Zinsausblick angeht. Ob die Fed wirklich über das ganze Jahr die Füße still hält, obwohl der Arbeitsmarkt weiter auf vollen Touren läuft und auch die Industrie weiter von den Steuersenkungen zu profitieren scheint, wie an den Daten der letzten Woche abzulesen, ist eine offene Frage. Gut möglich, dass schon in wenigen Monaten der Blick auf die Leitzinsen wieder ein anderer ist. Denn nach wie vor ist die Makrosituation keineswegs schlecht. In Europa dürfte sich zwar das BIP-Wachstum im Jahresdurchschnitt Richtung Potenzialwert, also 1,3-1,4%, verlangsamen. Aber in den USA wirkt sich in diesem Jahr noch die Steuerreform aus, so dass wie 2018 etwa 0,7 Prozentpunkte hinzukommen. Addieren wir diesen Sondereffekt zum Wachstumstrend der US-Volkswirtschaft von etwa 1,8%, kommt eine robuste Zahl von rund 2,5% heraus. Entsprechend rechnen wir auch für dieses Jahr mit einer solideren Gewinnentwicklung der US-Unternehmen im Vergleich mit ihren europäischen Pendants. Es wäre daher kein Wunder, wenn auch in diesem Jahr amerikanische Aktien wieder besser abschneiden.

Was bedeutet das für Anleger?

Unstrittig ist, dass der Start ins neue Jahr viel besser gelaufen ist als befürchtet. Risikoanleger scheinen mit weniger Pessimismus auf die Makrosituation zu schauen als im Dezember, und das dürfte auch gerechtfertigt sein. Wir sehen eine Abschwächung des Wachstums, aber eben keine Rezession. Und auch die Unternehmensgewinne sprudeln nicht mehr ganz so üppig, ganz versiegen werden sie aber kaum. Die gerade laufende Berichtssaison verläuft unspektakulär – im positiven Sinne. Nicht in Vergessenheit geraten sollte dabei, dass die Risiken keineswegs verschwunden sind. Zwar haben die Handelsgespräche zwischen den USA und China in der letzten Woche eher beruhigende Nachrichten geliefert, und auch ein harter Brexit scheint weniger wahrscheinlich geworden zu sein. Dennoch ist die Welt voller ‚Known Unknowns‘. So hat die Entwicklung in Venezuela an bedrohlicher Dynamik gewonnen. Inzwischen reden Noch-Präsident Maduro und sein US-Amtskollege von einer ‚militärischen Option‘. Tatsächlich wäre wohl ein Bürgerkrieg in diesem großen und rohstoffreichen Land, eventuell mit Eingreifen amerikanischer Streitkräfte, ein möglicher Auslöser neuer Marktturbulenzen. In einer Zeit, in welcher der globale Wachstumsausdruck schwächer und die Richtung der Zinsentwicklung weniger berechenbar ist, wäre wohl auch eine schnelle Erholung, wie wir sie in den vergangenen Jahren wiederholt nach Risikoereignissen gesehen haben, keineswegs garantiert. Somit hätte eine Eskalation in Lateinamerika wohl durchaus das Potenzial, Anlegern dauerhaft die Risikofreude auszutreiben. 

 

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