Felix Herrmann
Felix Herrmann, CFA
BlackRock Kapitalmarktstratege

Nach den verlustreichen Wochen an den Aktienmärkten im Oktober (der MSCI World verzeichnete den schwächsten Monat seit Mai 2012), beruhigte sich die Lage über den Monatswechsel hinweg ein wenig. Nachdem die Diskrepanz zwischen wirtschaftlichen Fundamentaldaten und der Marktentwicklung im vergangenen Monat noch einmal größer geworden war, sorgten unter anderem Indizien für eine Annäherung in Sachen Handel zwischen US-Präsident Trump und Chinas Präsident Xi jüngst für grüne Vorzeichen an den Aktienmärkten.

Apropos Trump: Der US-Präsident stellt sich heute mit seiner Partei den für ihn und das Land so wichtigen Zwischenwahlen. Der Ausgang wird mit Spannung erwartet, obwohl die Umfragen eine recht deutliche Sprache sprechen.

Historisch ist weniger die wirtschaftliche Verfassung der USA, als vielmehr die Beliebtheit des amtierenden Präsidenten maßgeblich für den Wahlausgang bei den Zwischenwahlen gewesen. Derzeit sind gerade einmal 40 Prozent der Amerikaner mit der Arbeit von Donald Trump zufrieden – ein sehr niedriger Wert im Vergleich zu seinen Vorgängern. Nicht zuletzt aufgrund dieser schwachen Zustimmungswerte bemessen die Umfrageinstitute und Auguren in den USA die Wahrscheinlichkeit für eine Niederlage der Republikaner bei der Wahl zum Repräsentantenhaus am heutigen Dienstag daher auf circa 80 Prozent. Zu einer „Blue Wave“ also einer blauen Welle (in den USA ist blau die Farbe der Demokraten) wird es aber wohl dennoch nicht kommen. Darunter verstünden die US-Amerikaner ein Szenario, in dem die Demokraten nicht nur das Repräsentantenhaus, sondern auch den Senat erobern würden. 35 der insgesamt 100 Senatoren stellen sich heute der Wiederwahl. Da jedoch 26 Demokraten und lediglich neun Republikaner ihren Sitz verteidigen müssen, wäre ein demokratischer Sieg bei den Senatswahlen eine handfeste Überraschung. Zumal Donald Trump in einigen der Staaten, wo sich demokratische Senatoren der Wiederwahl stellen, bei der Wahl vor zwei Jahren eine Mehrheit erringen konnte.

Somit dürfte es der US-Präsident in den nächsten zwei Jahren mit einem „Split Congress“ – einem geteilten Kongress – zu tun bekommen: einem demokratischen Haus und einem republikanischen Senat. Stillstand in weiten Teilen der Legislative wäre wohl die Folge. Denn immer dann, wenn es ums Geldausgeben geht, braucht Trump die Zustimmung des Kongresses. Insofern ist beispielsweise nicht damit zu rechnen, dass die Republikaner nach Verlust des Hauses weitere Steuersenkungen, etwa für den Mittelstand, beschließen können. Eine Ausnahme könnte ein Infrastrukturpaket sein. Beide Parteien signalisieren, dass die Notwendigkeit für weitreichende Ausgaben in diesem Bereich ganz besonders hoch ist – angefangen bei Datenzentren über neue Flughafenterminals bis hin zu erneuerbaren Energien. Spannend könnte derweil die anstehende Entscheidung über eine erneute Anhebung der Schuldenobergrenze in 2019 werden. Eine recht unverhohlene Weisheit in den USA in diesem Zusammenhang besagt jedoch: „Nimm keine Geisel, die du nicht bereit bist zu erschießen!“. Daher werden die Demokraten einer Anhebung wohl letztlich nicht im Wege stehen.

 

Was bedeutet das für Anleger?

Typischerweise sind Zwischenwahlen in den USA kein sonderlich wichtiges Marktereignis. Im vorliegenden Fall dürfte ein geteilter Kongress weitestgehend eingepreist sein, sodass bei diesem Wahlausgang keine starke Marktreaktion zu erwarten ist. Der „trump‘sche Rückenwind“ für die Märkte, den wir in den vergangenen zwei Jahren beobachtet haben, dürfte in diesem Szenario jedoch ein Stück weit zum Erliegen kommen, da weitere spürbare fiskalische und regulatorische Impulse wohl eher ausbleiben werden.

Sollten die Zwischenwahlen überraschenderweise mit einem anderen Wahlausgang enden, wäre mit heftigeren Marktreaktionen zu rechen. Eine „blaue Welle“, die als unwahrscheinlichstes Szenario gilt, würde vom Markt wohl kritisch aufgenommen, da die Demokraten möglicherweise einige Steuerreformen der letzten zwei Jahre zurückdrehen könnten. Ein Sieg der Republikaner in beiden Kammern des Kongresses könnte hingegen die Phantasien über weitere Steuersenkungen und Deregulierungsmaßnahmen befeuern und somit den Aktienmärkten Rückenwind verleihen.

Darüber hinaus sei daran erinnert, dass Trumps Handelskrieg-Agenda nicht sonderlich stark durch den Ausgang der Zwischenwahlen beeinflusst wird, da Trump im Bereich Handelspolitik weitestgehend am Kongress vorbeiregieren kann. Gut möglich jedoch, dass er nach den Zwischenwahlen stärker auf eine Einigung mit den Chinesen hinarbeitet. Im Wahlkampf brauchte er günstige Importe aus China noch als ultimatives Schreckgespenst. Nach der Wahl – vielleicht bereits auf dem G20-Gipfel in Argentinien Ende des Monats – könnte eine Annäherung zwischen den USA und China bevorstehen. Die vergangenen Tage deuteten bereits in diese Richtung. Ganz grundsätzlich könnte eine De-Eskalation beim Handelsstreit durchaus Auslöser für eine Erholung der Märkte gen Jahresende darstellen. Wenngleich der Weg zu einem „Handelsfrieden“ noch weit erscheint.

Neben den Zwischenwahlen dürften andere Marktereignisse in dieser Woche weitestgehend verblassen. Lediglich die US-Notenbanksitzung könnte den einen oder anderen Anleger hinter dem Ofen hervorlocken. Eine Zinsänderung wird es zwar nicht geben. Die Kommunikation im Nachgang an das Meeting dürfte jedoch starke Beachtung finden. Grundsätzlich stehen die Zeichen – nicht zuletzt nach dem starken US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag – weiterhin auf Zinsanhebung im Dezember.

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