Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalmarktstrategie BlackRock

Die auf vollen Touren laufende Berichtssaison für das dritte Quartal produziert die erwartet positiven Ergebnisse, in vielen Fällen sogar mehr als das. Zwar flacht das Wachstum der Gewinne gegenüber Q2 etwas ab, aber nach wie vor sieht die Ertragslage börsennotierter Unternehmen stark aus, weit oberhalb des langfristigen Durchschnitts. Einziger Schönheitsfehler: Anleger interessiert das kaum noch. Gute Berichte für die junge Vergangenheit werden als selbstverständlich zur Kenntnis genommen, das eigentliche Interesse richtet sich aber nach vorn, auf den Ausblick, den die Unternehmensvorstände in die nahe Zukunft werfen. Und wird dort gewackelt, schlägt der Markt sehr hart zu. Einige Unternehmen sind über den Verlauf der letzten Wochen infolge von Gewinnwarnungen regelrecht unter die Räder gekommen. Immer mehr wird die Nachhaltigkeit ins Fenster gestellter Zukunftsgewinne in Zweifel gezogen. All dies sind Zeichen dafür, dass nicht nur die Nervosität zunimmt, sondern sich viele Investoren auf Sicht aus dem Risiko verabschieden. In der letzten Woche sind bezeichnenderweise Aktienkurse und Anleiherenditen im Tandem gefallen, typische Symptome von ‚risk-off‘. Wir verweisen in diesem Zusammenhang umso mehr auf unsere seit einiger Zeit geltende Empfehlung, Qualitätsaktien, also Unternehmen mit starken Bilanzkennziffern, nachhaltigem Gewinnstrom, geringer Verschuldung etc., im Portfolio stärker zu gewichten.

Indessen sind auch amerikanische Aktienindizes hinter das Niveau des Jahresbeginns zurückgefallen, europäische liegen sogar mit knapp 15% hinten. Erheblich zu der angeschlagenen Stimmung bei Risikoanlagen beigetragen haben politische Unsicherheiten, etwa um die Verschuldung Italiens. Nachdem letzte Woche die EU-Kommission den italienischen Haushaltsentwurf für 2019 auch formell zurückgewiesen hat, muss die Regierung in Rom nun innerhalb der nächsten drei Wochen Nachbesserungen präsentieren. Diese werden aber nicht nur die EU zufrieden stellen müssen, bei der man immerhin noch politischen Entscheidungsspielraum unterstellen kann, sondern auch die sehr technisch agierenden Ratingagenturen. Nachdem am Freitag der vorvergangenen Woche Moody’s Italiens Staatsanleihen herabgestuft hatte, waren eine Woche später alle Blicke auf Standard & Poor’s gerichtet. Die Tatsache, dass S&P dann gnädig das Rating für Italien bei zwei Stufen über Ramschniveau beließ und nur den Ausblick auf negativ herunterstufte, wurde am Markt mit Erleichterung aufgenommen. Zum Wochenstart lag der italienische Zehnjahresspread gegenüber Deutschland rund 30 Basispunkte niedriger als vor 10 Tagen. Wir glauben nach wie vor, dass weder ‚Italexit‘ noch Schuldenschnitt realistische Szenarien sind, halten aber ein erneutes kurzfristiges Ansteigen der italienischen Zinsen für wahrscheinlich.

Die Hessenwahl hinterlässt mehr Fragezeichen als Klarstellungen. Vor allem die Große Koalition in Berlin erscheint immer mehr als brüchiges Provisorium. Nach dem Verzicht von Angela Merkel auf eine erneute Kandidatur für den Parteivorsitz steht auch ihr Amt als Bundeskanzlerin in Frage. Sollte die SPD als Konsequenz aus dem Wiesbadener Wahldebakel die Große Koalition verlassen, stünden vermutlich Neuwahlen an, es sei denn, Merkel würde in diesem Fall als Kanzlerin zurücktreten und damit den Weg für eine Koalition von CDU/CSU, Grünen und FDP (sogenannte Jamaika-Koalition) freimachen. Merkel selbst hat ja oft betont, dass Kanzleramt und Parteivorsitz nicht getrennt werden sollten. Insofern ist sie ab jetzt auch eine Kanzlerin auf Abruf.

 

Was bedeutet das für Anleger?

Wenn der Aufschwung in die Jahre kommt und Anleger immer mehr Zweifel an der Nachhaltigkeit des Gewinnwachstums haben, wäre Beruhigung von politischer Seite hilfreich. Leider stehen wichtige politische Entscheidungen wie der Budgetstreit zwischen der italienischen Regierung und der EU oder die Gefahr eines No-Deal-Brexit immer noch Spitz auf Knopf, von Beruhigung keine Spur. Dazu kommt eine immer drastischere Verrohung der politischen Kultur. Relativ junge Demokratien in Schwellenländern sind dafür besonders anfällig, wie das erschreckende Beispiel der brasilianischen Präsidentschaftswahl zeigt. Aber auch reife und, wie man meinen möchte, gefestigte Demokratien sind vor dieser Verrohung nicht gefeit. Die Rohrbombenvorfälle letzte Woche in den USA sind ebenso eine Folge davon wie Prügelattacken gegen Minderheiten in Großbritannien oder die hierzulande gehörte Drohung, man werde die Regierung jagen. Geistige Brandstifter sind immer eine Bedrohung für die Demokratie, und für Volkswirtschaft wie Märkte meist auch, wie vollmundig ihre marktliberalen Versprechungen auch immer klingen mögen. Kein Wunder, wenn sich Investoren abwenden. Für Optimismus scheint derzeit in der Tat wenig Raum.

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