Martin Lück
Dr. Martin Lück
Leiter Kapitalmarktstrategie BlackRock

Es ist bezeichnend, dass der Risikoaufschlag für zehnjährige italienische Staatsanleihen über das vergangene Wochenende nur deshalb zurückging, weil die Dinge sich nicht ganz so schlecht entwickelt hatten wie gedacht. Was war passiert? Moody’s hatte zum Wochenausklang italienische Staatsanleihen zwar auf Baa3 heruntergestuft, den Ausblick aber als stabil eingeordnet. Dies war nicht ganz so negativ wie viele befürchtet hatten, denn die Ratinganpassung hatte wie ein Damoklesschwert über der drittgrößten Volkswirtschaft der Eurozone geschwebt, und viele hatten eine noch schlechtere Bewertung eingepreist. Es könnte allerdings sein, dass diese Erleichterung nicht lange vorhält. Am kommenden Freitag steht bereits die Beurteilung durch Standard & Poor’s an, und dort halten viele Beobachter ebenfalls eine Rückstufung auf ‚negativ‘ für das wahrscheinlichste Szenario. Schließlich ist dies die Einschätzung, welche Fitch, die dritte im Bunde der großen Rating-Agenturen, bereits seit einiger Zeit vertritt.

Das Drohszenario für italienische Schuldpapiere ergibt sich vor allem aus dem dünn gewordenen Abstand zum Ramschniveau. Denn hatten Anleihen unserer südlichen Nachbarn bisher noch zwei Stufen Abstand zu dem Niveau, auf dem seine Anleihequalität zu schlecht würde, um noch von der EZB angekauft zu werden, beträgt dieser Sicherheitsabstand aus Sicht von Moody’s seit dem Wochenende nur noch einen Notch, der Ramschstatus ist vor dem Hintergrund der Budgetdiskussion mir der EU-Kommission also in greifbare Nähe gerückt. Sollte auch die kanadische Ratingagentur DBRS Italien herunterstufen, würden die Rentenmärkte vermutlich sehr nervös reagieren, das böse Wort vom ‚Italexit‘ würde wieder die Runde machen. Zwar sind wir weiterhin fest davon überzeugt, dass es zu ebendiesem Italexit nicht kommen und stattdessen ein Kompromiss zwischen Italiens Populistenregierung und der EU-Kommission gefunden wird. Der Weg dahin führt aber über jede Menge Unsicherheit. Auch wenn der Spread zum Wochenbeginn etwas freundlicher aussah, sollten Anleger sich davon nicht in Sicherheit wiegen lassen.

Am 6. November stehen in den USA die Kongresswahlen an. Nach wie vor halten wir es für wahrscheinlich, dass Trumps Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus verlieren. Das wäre nichts Ungewöhnliches, im Gegenteil, es ist das übliche Muster nach den ersten beiden Amtsjahren eines neuen Präsidenten. Sollte die Mehrheit der Demokraten unter den 435 neu zu wählenden Abgeordneten also nicht zu dramatisch ausfallen, könnte die Wahl für Trump sogar eine Unterstützung auf dem Weg zur erneuten Präsidentschaftskampagne 2020 bedeuten. Bezeichnenderweise hat ihm ja die Durchsetzung des umstrittenen Richters Brett Kavenaugh am Obersten Gericht zu weiterer Popularität innerhalb konservativer Wählerschichten verholfen, obwohl diese Personalentscheidung das Land noch tiefer gespalten hat als es ohnehin schon war. Möglicherweise könnte sogar Trumps Lavieren gegenüber Saudi-Arabien im Zuge der Kashoggi-Affäre dem Präsidenten nutzen. In Zeiten stark gesunkener moralischer Ansprüche könnten es viele US-Wähler für opportun halten, an Milliardendeals mit den Saudis festzuhalten, Mord hin oder her. War doch nur ein Journalist, könnte Trump seinen Wählern suggerieren, und wenn wir den Saudis keine Waffen verkaufen, tun es die Deutschen. Womit er sogar Recht haben könnte.

Was bedeutet das für Anleger? 

Investoren sehen sich mit der anspruchsvollen Aufgabe konfrontiert, bei all dem Irrsinn einen klaren Blick für das Wesentliche zu behalten. In dieser Woche kommen beispielsweise mit Einkaufsmanager- und Ifo-Index vielbeachtete Indikatoren für den Zustand der Volkswirtschaft heraus. Fallen sie erwartet robust aus, also PMIs bei 54 und Ifo-Index über 103, dürften Anleger sich mit Blick auf das Wachstum bestätigt fühlen. Sollten auch anstehende Q3-Unternehmensberichte positiv aufgenommen werden, könnten sich die Aktienkurse weiter erholen, zumal die EZB am Donnerstag keinen Grund hat, von ihrer bis Spätsommer 2019 reichenden ‚Forward Guidance‘ abzuweichen. Bleiben also die politischen Unwägbarkeiten, in dieser Woche vor allem mit Blick auf Italien. Und am Sonntag richtet sich dann der Blick wieder auf Brasilien, wo mit Jair Bolsonaro ein Präsident gewinnen könnte, der Militärregime attraktiver findet als Demokratien. Gleichzeitig könnte die Landtagswahl in Hessen die in Berlin regierenden CDU und SPD – und deren Parteivorsitzende - in weitere Schwierigkeiten bringen. Unsicherheit bezüglich der politischen Stabilität Deutschlands wäre vermutlich die Folge. Anleger sollten also darauf vorbereitet sein, dass im gegenwärtigen Umfeld gute Makrodaten und berechenbare Zentralbanken nicht ausreichen könnten, um die Preise von Risikoaktiva zu stabilisieren.

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