Dr. Martin Lück
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Dr. Martin Lück

Amerikanische und europäische Aktien beendeten die Vorwoche im Parallelflug, mit einem kleinen (rund 1,5%) Plus. Seit Jahresanfang liegen US-Indizes aber klar vorn, mit einem Kurszuwachs von gut 3%, während ihre europäischen Pendants im Durchschnitt auch währungsbereinigt knapp hinten liegen. Dies hat mit einer Reihe von Faktoren zu tun, darunter das stärkere Gewinnwachstum in Amerika, politische Unsicherheiten in Europa und die größere Anfälligkeit Europas im Hinblick auf einen drohenden Handelskrieg. Generell lässt sich nun, da die Mitte des Jahres überschritten ist, erahnen, dass vermutlich auch in der zweiten Jahreshälfte das Bild robuster volkswirtschaftlicher Daten einerseits und politischer Unsicherheit andererseits die Geschehnisse an den Finanzmärkten prägen wird. Beim BlackRock Investment Institute nehmen wir wie üblich die Jahresmitte zum Anlass, unsere Sichtweise auf den Ausblick für die verbleibenden sechs Monate darzulegen. Eine deutschsprachige Übersetzung des Outlook-Papiers ist in Arbeit. Mit Blick auf ein unruhiges zweites Halbjahr und die beginnende Ferienzeit lässt sich absehen, dass schon die nächsten Wochen wichtig werden könnten. Anleger, die üblicherweise ihr Smartphone den Urlaub über im Hotelsafe liegen lassen, könnten bei Rückkehr ins Büro eine veränderte Börsenlandschaft vorfinden.

Dies liegt nicht an den Wachstumsdaten. Selbst wenn diese in Europa im ersten Halbjahr schwächer ausgefallen sind und auch die US-Zölle im schlimmsten Fall ein paar Zehntel Wachstum kosten können, bleibt die Dynamik oberhalb des Potenzials und damit im grünen Bereich. Auch von den Zentralbanken droht kein Ungemach. Im Gegenteil ist die Visibilität auf das, was auf Sicht die Zinslandschaft prägen dürfte, derzeit ungewöhnlich hoch. Risiken kommen vielmehr von Seiten der Politik. Donald Trumps fixe Idee vom unfairen Welthandel verschärft das Risiko eines Handelskrieges, und bis zu den Kongresswahlen am 6. November dürfte die Rhetorik aus dem Weißen Haus eher noch an Schärfe zunehmen. Dieses Risiko ist inzwischen gut sichtbar und wohl auch weitgehend eingepreist. Weniger auf dem Schirm scheinen viele Investoren die Gefahren des Brexit zu haben. Nach der Zwangsverpflichtung auf eine weiche Austrittsoption, die Premierministerin Theresa May jüngst ihrer Tory-Partei abgerungen hat, stehen die Zeichen auf Sturm. Der Rücktritt von Brexit-Minister David Davies signalisiert, dass sogar ein offener Bruch der konservativen Partei denkbar ist. Vor diesem Hintergrund erscheint es möglich, dass sich Mays Regierung nicht auf das geplante Weißbuch einigt, die EU diesem nicht zustimmt oder ein am Ende herauskommender Kompromiss nicht die Mehrheit des Unterhauses findet. Dabei drängt die Zeit. Sollte es bis Oktober kein unterschriftsreifes Austrittsabkommen geben, könnte das Vereinigte Königreich doch noch ohne Netz und doppelten Boden aus der EU austreten – mit unabsehbaren Folgen. Nachrichten von einer zwischen hartem Brexit und der Pseudo-Version ‚BINO‘ (Brexit in name only) zerrissenen Gesellschaft erinnern an Karikaturen eines auf die weißen Kreidefelsen von Dover zurasenden Black Cab mit Theresa Mays Regierung an Bord. Aber auch aus kontinentaleuropäischer Sicht kann uns ein drohender Brexit-Crash nicht kalt lassen. Weit über die zu erwartenden verheerenden Schäden für die britische Wirtschaft hinaus wären auch massive Bremsspuren in kontinentaleuropäischer Volkswirtschaft und Finanzmärkten zu erwarten. Ähnlich also wie beim Fußball, wo wir die Schadenfreude britischer Kollegen mit einem Lächeln ertragen und es ihnen sogar gönnen, dass ihre Three Lions seit Jahrzehnten mal wieder so etwas wie Fußball präsentieren, hoffen wir beim Brexit weiter auf eine für alle akzeptable Lösung.

Was bedeutet das für Anleger? 

Angesichts der im zweiten Halbjahr anstehenden politischen Risiken der Kategorie Trump/Handelskrieg, Italien/Euro oder Brexit braucht es einigen Optimismus, um noch an die unsere Vorhersage vom Jahresanfang –Ende 2018 leicht höhere Aktienkurse bei niedrigeren KGVs – zu glauben. Der Katalysator könnte die in diesen Tagen beginnende Berichtssaison für das zweite Quartal werden. Wir halten es für gut möglich, dass die Gewinne wie schon in den Vorquartalen positiv überraschen und auch der Ausblick für das dritte Quartal optimistisch bleibt. In der Folge dürften Analysten ihre Schätzungen nach oben revidieren und Aktienkurse den nötigen Spielraum erhalten, um schließlich das Jahr leicht im Plus zu beenden. Hierbei dürften US-Aktien die Vorreiter sein, europäische, begleitet von einer ganzen Reihe politischer Unsicherheiten, eher folgen. Wir bleiben somit insgesamt konstruktiv für Aktien, haben Europa aber für die anstehenden Monate auf ‚untergewichten‘ herabgestuft.

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