Transparenz ist der Schlüssel zum Erfolg von Alternativen Anlagen

PQ: «Wenn es einem Vermögensverwalter nicht möglich ist, eine gründliche Überwachung selbst durchzuführen, muss er sicherstellen, dass das jemand anders für ihn übernimmt.» Marcos Camhis, FOS Asset Management.

«Viele Kunden sind es gewohnt, in langfristige Anleihen zu investieren, die bis zur Fälligkeit im Portfolio gehalten werden.» Izabel Moura, Brainvest

Die mangelnde Transparenz hält viele Vermögensverwalter davon ab, in Alternative Anlagen zu investieren. «Transparenz ist gerade in diesem Bereich absolut unerlässlich, da es bei den meisten Alternativen Anlagen ein deutliches Informationsdefizit geben kann», erklärt Marcos Camhis, CEO von FOS Asset Management. Er weist darauf hin, dass es in der Branche grosse Anstrengungen für mehr Transparenz gebe: «Je mehr man sich dem börsenkotierten und/oder regulierten Ende des Spektrums nähert, desto mehr Transparenz wird man erhalten. Wer sich dagegen für Offshore-Vehikel ohne Regulierung entscheidet, muss darauf achten, dass eine angemessene Due-Diligence-Prüfung möglich ist und dass Überwachungsmöglichkeiten bestehen.»

Vor allem Private Equity und alternative Kreditfinanzierungen müssten sorgfältig geprüft werden, betont Marcos Camhis. Diese seien langfristig orientiert, und man investiere in nicht börsenkotierte Vermögenswerte. Es sei deshalb denkbar, dass je nach Anlage unterschiedliche Rechtsordnungen gelten würden. «Wenn es einem Vermögensverwalter nicht möglich ist, eine gründliche Überwachung selbst durchzuführen, muss er sicherstellen, dass das jemand anders für ihn übernimmt», sagt Marcos Camhis.

Kommt dazu, dass das Fehlen standardisierter historischer Ertragsdaten die Due Diligence erschwert. «Bei der Durchführung einer Due Diligence von Private Equity geht es vor allem um das Verständnis der zugrunde liegenden Investitionen. Zudem muss man sich überlegen, auf welche Art und Weise ein möglicher Ausstieg erfolgen kann», so Marcos Camhis. Ohne eine Bewertung zum Marktpreis stelle sich bei einer solchen Investition die Frage, wie viel man bereit sei zu investieren, wie viel man erwirtschaften und wie schnell man wieder aussteigen wolle.

Die meisten Private-Equity-Investitionen würden verschiedene Phasen mit gestaffelten Rückzahlungen in unregelmässigen Abständen durchlaufen, was eine ständige Überprüfung notwendig mache. «Wenn Sie beispielsweise 30% Ihres Engagements in einen privaten Fonds investieren und dann feststellen, dass es nicht wie geplant läuft, sollten Sie rasch damit aufhören, dem schlechten Geld noch gutes Geld hinterherzuwerfen», empfiehlt Camhis.

Auch Izabel Moura, Anlagespezialistin bei Brainvest, betont die Notwendigkeit einer externen Expertise, wenn ein Vermögensverwalter nicht über die entsprechenden Fachkompetenzen verfügt. «Im Bereich der Alternativen Anlagen ist die Streuung der Renditen viel breiter. Wir haben in jedem einzelnen Bereich wie Immobilien, Privatkredite, Spezialfinanzierungen oder Risikokapital langjährige Partner, die uns bei der Beschaffung und Analyse von Geschäften innerhalb ihrer spezifischen Fachgebiete helfen. Wir delegieren ihnen auch die Verwaltung bestimmter Strategien und Möglichkeiten», führt sie aus.

In Fällen mit längeren Sperrfristen oder erheblichen finanziellen Engagements, z.B. bei Immobilieninvestitionen, strebe Brainvest an, Teil der Geschäftsleitung und/oder des Beratungsausschusses eines jeden Investitionsvehikels zu sein. Dies bedeute, dass man mehr Transparenz und ein gewisses Mass an Kontrolle erreiche, da man näher am Management und damit an der Strategie sei. «Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine gute Unternehmensführung und die Angleichung der Interessen im Vordergrund stehen», erklärt Izabel Moura.

Zudem ist sie wie Marcos Camhis überzeugt, dass börsenkotierte Investitionsvehikel als möglicher Weg zur Erreichung von Transparenz und Liquidität hilfreich sein können. Ihrer Meinung nach muss ein langfristiger Zeithorizont nicht zwingend ein Problem für die Kunden darstellen: «Viele Kunden sind es gewohnt, in langfristige Anleihen zu investieren, die bis zur Fälligkeit im Portfolio gehalten werden», führt sie aus. Obwohl bei einer börsenkotierten Beteiligung immer die Möglichkeit eines Verkaufs bestehe, sei das für sie «kein Schlüsselaspekt einer Position».

Aus der Vergangenheit lernen

Das Jahr 2008 war auch für Alternative Anlagen der Wendepunkt.

Für Marcos Camhis, CEO von FOS Asset Management, ist klar: «Im Jahr 2008 sind alle Masken gefallen. Jeder wollte sein Geld zurück. Daher ist es von grosser Bedeutung, die Liquidität eines Portfolios zu verstehen.» Diese könne auf die Preisbildung von Vermögenswerten grossen Einfluss haben – vor allem in Märkten mit stark verminderter Liquidität. Investoren müssten vermeiden, bei einem Wertverlust plötzlich unter Druck zu geraten: «Es wird Zeiten mit einer unterdurchschnittlichen Leistung geben, in denen man mit Gewinnmitnahmen rechnen muss.» Dieses Verständnis sei der Schlüssel zu jeder aktiven Vermögensallokation. So komme der eine oder andere Investor womöglich zur Einsicht, dass die Person, die nach dem S&P in den letzten zehn Jahren hervorragende Renditen erzielt habe, eben auch nur ein Mensch sei und kein Genie. Vielleicht, so Marcos Camhis, sei das die wichtigste Lektion überhaupt: Dass die Kunden verstehen würden, worin sie investiert seien.

Das Verständnis für mögliche Belastungen im Portfolio hält auch Michele di Michelis, CEO von Frame Asset Management, für extrem wichtig: «Viele Strategien haben sich sowohl in der Finanzkrise von 2008 als auch in der europäischen Krise von 2011 bewährt. Einige von ihnen konnten den Anlegern helfen, ihre Portfolios zu schützen.» Es sei entscheidend, ein Portfolio im Detail zu prüfen, um zu verstehen, welchen Risiken man in verschiedenen Worst-Case-Szenarien ausgesetzt wäre. «Natürlich sind schwarze Schwäne per Definition höchst unwahrscheinlich. Aber es gibt sie, und es ist wichtig, dass man sich in der Phase der Vermögensallokation an das Restrisiko und damit an frühere schwarze Schwäne erinnert», sagt Michele di Michelis und fügt an: «Ein einzelner schwarzer Schwan kann grossen Schaden anrichten. Zwei oder drei schwarze Schwäne können jemanden zugrunde richten.»