Lassen Sie sich nicht durch gängige Mythen und Missverständnisse täuschen

Haben Hedgefondsmanager immer noch das Image von «Wölfen der Wall Street» oder ändert sich die Wahrnehmung? In der Podiumsdebatte geht es um die Entmystifizierung der alternativen Anlagen.

Der Welt der alternativen Anlagen lässt sich nicht über einen Kamm scheren. Sie ist ausserordentlich vielseitig, und Anleger müssen jede einzelne Strategie gesondert betrachten.

Von Hedgefonds bis zu Private Equity und Immobilien können Alternative Anlagen im Portfolio von fast allen Anlegertypen eine Rolle spielen und vor Marktextremen oder Schwankungen schützen. Doch obwohl Alternative Anlagen eine der am schnellsten wachsenden Anlageklassen der letzten Jahrzehnte waren, kursieren über einen grossen Teil der alternativen Anlagen Mythen und gibt es zahlreiche Missverständnisse.

Eine der falschen Vorstellungen, die weit verbreitet ist, ist die, dass gängige alternative Anlageinstrumente wie Hedgefonds nur für Institutionen und Superreiche zugänglich seien. Daher müssen viele Manager feststellen, dass sie von der Öffentlichkeit zuweilen als ausgabefreudige, überlebensgrosse Karikaturen gelten, die mehr Ähnlichkeit mit dem gierigen «Wolf der Wallstreet» aus dem Hollywood-Film haben als mit der Realität.

«Ich erinnere mich daran, dass ich vor einigen Jahren von einer lokalen Behörde, die unser Kunde war, gebeten wurde, einen Schulungsvortrag über Hedgefonds für ihre Sachwalter abzuhalten», erinnert sich Alex Orr, Director im BlackRock-Team für Alternative Anlagen. «Ein Grossteil des Finanzwissens des Publikums stammte offenbar aus den Boulevard-Medien. Ich wurde dort als einer dieser Hedgefondsmanager dargestellt, der Ferraris fährt, Champagner trinkt und in grossem Stil mit fremdem Geld spekuliert. Was diese Veranstaltung wirklich zutage förderte, war die Wahrnehmung der Hedgefonds- und Absolute-Return-Branche beim Durchschnittsbürger.»

Transparenz und Vereinfachung

Solche Mythen finden sich auch im allgemeinen Verständnis alternativer Anlagen selbst. Etwa die Vorstellung, dass viele Strategien höchst risikoreich und komplex seien. Genauso gut könnte man aber argumentieren, sie seien eine wichtige Möglichkeit zur Diversifikation. «In Wirklichkeit sind diese Strategien darauf ausgelegt, Kapital zu schützen und die Marktrisiken zu begrenzen», so Orr. «Natürlich gab und gibt es Situationen, die Schlagzeilen machen und berechtigte Kritik auslösen. Der weitaus grösste Teil der Produkte zielt jedoch darauf ab, Portfolios zu diversifizieren und Kapital gegenüber Abwärtsrisiken zu schützen. Viele Produkte sind dafür gedacht, eine grössere Rolle im Portfolio zu spielen.»

Darüber hinaus tendieren einige Kunden dazu, Alternative Anlagen als undurchsichtig und nicht transparent zu betrachten. Dies sind Vorurteile, mit denen sich Manager häufig auseinandersetzen müssen. «Wir steuern seit einiger Zeit von den wenig transparenten Strategien weg zu Long-Short Allokationen, bei denen wir monatlich transparente Portfolioaufstellungen erhalten», berichtet Jessica Milsom, Senior Associate bei Stonehage Fleming. «Intransparenz ist also definitiv ein Vorurteil, das unserer Meinung nach mittlerweile ausgeräumt ist.»

Eine der grössten Herausforderungen für viele alternative Manager besteht darin, die Kundenbasis darüber aufzuklären, dass Alternative Anlagen nicht eine einzelne Anlageklasse sind, sondern ein extrem breites Universum. Bei jeder Art von alternativen Anlagen müssen die Investoren ausführliche Analysen durchführen, um genau zu verstehen, worauf sie sich im Hinblick auf die Liquidität, die Diversifikation und die Erträge einstellen müssen.

«Es ist nicht damit getan, sich auf irgendeinen Guru in Mayfair oder Greenwich zu verlassen. Es geht darum, Cashflows zu halten, die Erträge abwerfen.»

William Dinning, Chief Investment Officer von Waverton Investment Management

«Die Mythen tendieren dazu, alle alternativen Anlagen als einheitliche Strategie zu betrachten – oder alle als illiquid oder als Diversifikatoren», erklärt Kelli Byrnes, Beraterin im BlackRock-Team für Portfolio-Analysen und Lösungen. «Einige Anlagen sind möglicherweise tatsächlich so ausgerichtet. Die Verfügbarkeit von Informationen ist zudem geringer als bei traditionellen Vermögenswerten. Daher kann es erheblich schwieriger sein, die Risiken von alternativen Anlagen zu verstehen. Genau das ist jedoch die einzige Möglichkeit, diesen Mythos auszuräumen.»

William Dinning, Chief Investment Officer von Waverton Investment Management, sieht Alternative Anlagen nicht als exklusiven Tummelplatz für Reiche und die Elite. Seiner Meinung nach bieten sie kleineren Anlegern Zugang zu vielen wichtigen Anlageklassen, die traditionell ausschliesslich institutionellen Anlegern vorbehalten waren. Hedgefonds sind zwar häufig die erste Art alternativer Anlagen, die einem einfallen. Experte Dinning ist jedoch überzeugt, dass die Zukunft Sachwerten mit Bezug zu den Trends und Technologien der Zukunft gehört.

«Das alternative Universum besteht nicht nur aus Hedgefonds. Es ist viel grösser und breiter», betont er. «Es ist nicht damit getan, sich auf irgendeinen Guru in Mayfair oder Greenwich zu verlassen. Es geht darum, Cashflow zu halten, die Erträge abwerfen. Das ist der Teil, der uns am meisten interessiert, nicht finanztechnische Strategien. Dazu zählen viele Dinge, die Sie sehen, wenn Sie aus dem Fenster schauen. Nehmen Sie die gebührenpflichtige Autobahn, auf der Sie fahren, oder ein Flugzeug, mit dem Sie fliegen – hier geht es darum, sich Gedanken zu machen, wem diese Dinge gehören und wie die Eigentümer damit Geld verdienen wollen. Viele dieser Märkte sind sehr tief, und Alternative Anlagen sollten als Möglichkeit gesehen werden, den Zugang zu ihnen mit neuen Instrumenten zu erschliessen.»

Gleichzeitig ist es nach wie vor wichtig, den Kunden zu erklären, dass Alternative Anlagen zwar höchst interessante neue Chancen darstellen, aber keine magische Universallösung sind. Um das Beste aus diesen Anlagen herauszuholen, ist es entscheidend, die richtige alternative Anlage für die richtige Situation zu wählen.

«In der Öffentlichkeit herrscht der Eindruck, dass Alternative Anlagen ein Allheilmittel für alle in jeder Situation sind», sagt Shane Balkham, Chief Investment Officer von Beaufort Investment. «Das ist vermutlich der grösste Mythos. Dabei müssen Sie die Zwiebel entblättern und jede Schicht einzeln erklären: welche verschiedenen Fonds es gibt und dass keine alternative Anlage genau so ist wie die andere.»