Wie werden sich künftige Allokationen in einem Marktabschwung entwickeln?

In den nächsten Jahren, wenn die längste Hausse der Geschichte zu Ende gehen wird, werden differenzierte, aber nicht komplexe Produkte gefragt sein. Lesen Sie, wie sich die alternativen Märkte voraussichtlich entwickeln und wie Vermögensverwalter vorbereitet sind, ihre Portfolios zu überprüfen1.

Die globalen Turbulenzen haben viele Anleger auf unbekanntes Terrain getrieben. Diese Experten erklären die Vorteile und Gefahren des hochinteressanten, aber noch unerprobten Marktes für Alternative Anlagen.

Die alternative Investmentbranche ist in den letzten zehn Jahren enorm gewachsen. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen, da sich die Anleger zunehmend Sorgen über das bevorstehende Ende der 10-jährigen Hausse machen2. Zudem nimmt die Zahl der börsenkotierten Aktien ständig ab. Brancheninsider prognostizieren daher, dass die anhaltende Schwierigkeit, an den öffentlichen Märkten Alpha zu erzielen, in einer Zunahme der Allokationen in alternativen Anlagen anstelle von traditionellen gemischten Portfolios mit 60 % Aktien und 40 % Anleihen resultieren wird.

Abgesehen von der Suche nach Alpha werden die Anleger nach Ansicht von Branchenvertretern aber auch durch die Technologie zunehmend zu alternativen Anlagen gedrängt. Die moderne Technologie unterstützt die Entwicklung von immer ausgefeilteren alternativen Produkten und kann das Verständnis für die Rolle verbessern, die Alternative Anlagen in Portfolios spielen können, aber auch eine grössere Markttransparenz schaffen.

Der Finanzdatenanalyst Preqin schätzt, dass der Wert der alternativen Investmentbranche bis 2023 auf beachtliche USD 14 Billionen (EUR 12,5 Billionen) anwächst. Andererseits vermuten viele, dass die Genauigkeit dieser Bewertung letztendlich stark davon abhängen wird, wie sich Alternative Anlagen während des nächsten Marktabschwungs entwickeln.

«Wie sich diese Strategien im Härtetest bewähren, wird entscheidenden Einfluss darauf haben, wie sich dieser Bereich im Anschluss daran entwickelt», prognostiziert Jessica Milsom, Senior Associate bei Stonehage Fleming.

«Bei der Strukturierung von Portfolios mit liquiden alternativen Anlagen ist es auch enorm wichtig, sich der allgemeinen Liquiditätsprofile bewusst zu sein», ergänzt Kelli Byrnes, eine Beraterin in der BlackRock-Gruppe für Portfolio-Analysen und Lösungen. «Fonds müssen verantwortungsvoll handeln. Wenn ein Ungleichgewicht bei der Liquidität der Basiswerte besteht, muss dies erkannt werden, und die Anleger müssen darüber informiert werden. Illiquidität ist nicht unbedingt etwas Schlechtes – immerhin lässt sich damit möglicherweise eine Prämie erzielen. Doch beim Portfolioaufbau muss auf ein ausgewogenes Verhältnis geachtet werden», hebt sie hervor3.

«Mit Blick auf die liquiden alternativen Anlagen werden die Anleger sicherlich erheblich kritischer unterscheiden als je zuvor. Das wird ein ernstzunehmendes Thema», erklärt Alex Orr, Director im BlackRock-Team für Alternative Anlagen. «Die Kunden werden sich allmählich von einigen der High-Beta-Strategien abwenden, in die sie möglicherweise bisher investiert hatten, und nun ernsthaft nach unkorrelierten Diversifikationsstrategien suchen4

Gemeinsam geht es besser

Gleichzeitig deutet Orr an, dass mit einem signifikanten Wachstum an den Privatmärkten zu rechnen ist, etwa in Bereichen wie Infrastruktur und Privatkredite – sowohl im Vermögensverwaltungssektor als auch bei Privatanlegern, da die Kunden allmählich Vertrauen zu diesen Sektoren fassen und sich daran gewöhnen, dort zu investieren. Einer der wichtigsten Mechanismen, die dieses Wachstum antreiben, ist das Instrument der Europäischen langfristigen Investmentfonds (ELTIF). Insider schätzen, dass dies ähnliche Auswirkungen auf die Privatmärkte haben könnte wie OGAW bei ihrer Einführung von einem Jahrzehnt auf die Hedgefondsbranche.

«Institutionelle Anleger investieren seit langer Zeit in diesen Bereich. Wir haben aber auch beobachtet, dass immer mehr wohlhabende Kunden in diese Marktsegmente vordringen», erklärt berichtet Orr. «Es ist klar, dass dies das obere Ende ist, die sehr vermögenden Privatanleger. Doch mittlerweile gibt es auch Strukturen, die es vermögenden Anlegern und zunehmend auch Kleinanlegern ermöglichen, in diesem Bereich anzulegen. Der ELTIF macht ihn für ein breiteres Publikum besser zugänglich.»

«Mit Blick auf die liquiden alternativen Anlagen werden die Anleger sicherlich erheblich kritischer unterscheiden als je zuvor. Das wird ein ernstzunehmendes Thema.»

Alex Orr, Director im BlackRock-Team für Alternative Anlagen

Da sich der Bereich der alternativen Anlagen jedoch rasant weiterentwickelt, werden auch die Risiken zunehmen, vor allem in Sektoren, die bisher noch relativ unerprobt sind, wie Private Debt, also Privatkredite. Wie einige Manager hervorheben, birgt die zunehmende Beliebtheit des OGAW-Konzepts die Gefahr, dass unerfahrenere Anleger in Alternative Anlagen gelockt werden. Diese Anleger sind jedoch häufig ziemlich naiv im Hinblick auf die mit diesen Strategien verbundenen Risiken.

«Wenn die Nachfrage von uninformierten Anlegern zunimmt, die einfach auf die Bereiche setzen, die sich bisher am besten entwickelt haben, wird dies bald die Kapazitäten sprengen und die Liquidität überfliessen lassen. Am Ende könnte das zu einem Szenario führen, in dem es zwar einige wirklich gute Alternativen gibt, diese aber durch den übermässig hohen Zufluss lahmgelegt werden», befürchtet Shane Balkham, Chief Investment Officer von Beaufort Investment Management.

Doch da die neuen Technologien und das zunehmend volatilere und unberechenbarere politische Umfeld immer mehr Anleger in neue Strategien drängen, dürften die Allokationen in alternativen Anlagen in den kommenden Jahren nahezu mit Sicherheit zunehmen.

«Meiner Meinung nach wird dies zweifellos ein Wachstumsbereich bleiben. Das bedeutet, dass die Menschen diese Anlagen etwas besser verstehen und mehr Geld investieren werden», resümiert Dinning. «Wie sie das tun, ob über einen spezialisierten externen Manager oder auf eigene Faust, bleibt abzuwarten. Doch meiner Meinung nach werden die Kapitalsummen, die in diesen Bereich fliessen, zwangsläufig grösser.»

1 Dieses Dokument ist nicht dazu bestimmt, als Prognose, Research oder Anlageberatung aufgefasst zu werden. Es handelt sich nicht um eine Empfehlung, ein Angebot oder eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Finanzprodukten jeglicher Art oder zur Verfolgung einer Anlagestrategie. Die hier zum Ausdruck gebrachten Meinungen entsprechen dem Stand von Dezember 2019 und können sich mit den Umständen ändern.

2 PWC, Rediscovering alternative assets in changing times, 2018

3 Wenn die von einem Fonds gehaltenen Anlagen ein geringes Marktvolumen und damit eine geringe Liquidität haben, lässt sich ihr Wert häufig schlechter prognostizieren. In extremen Fällen kann es vorkommen, dass der Fonds eine Anlage nicht zum aktuellsten Marktpreis oder zu einem angemessenen Preis realisieren kann.

4 Durch seine Anlagestrategie bewegt sich ein «Absolute Return»-Fonds unter Umständen nicht im Einklang mit der Marktentwicklung oder profitiert nicht in vollem Umfang von einem positiven Marktumfeld.